Ein Winterquartier aus Laub
Herbstlaub ist viel zu schade zum Entsorgen: Es schützt den Boden,
hilft Tieren durch den Winter und liefert wertvollen Humus

Was fürmanche nur Gartenabfall ist, bietet Igeln und Insekten ein Zuhause, schützt Pflanzen und verbessert den Boden.Foto: Patti Black / Unsplash
Hannover. Ein großer Laubhaufen unter einer dichten Hecke oder in einer ruhigen Gartenecke kann Igeln ein warmes, trockenes Winterversteck bieten. Die Tiere bauen ihre Quartiere aus Laub, Gras und Gestrüpp. Was im Herbst im Garten zusammenkommt, lässt sich also als Unterkunft nutzen – und übernimmt auch auf Beeten und auf dem Kompost weitere Aufgaben.

Herbstlaub schützt Böden und Wurzeln, liefert Humus und schafft zusätzlichen Lebensraum. Corinna Hölzel, Gartenexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), rät deshalb dazu, die Blätter im Garten zu behalten: „Lassen Sie die Finger bitte vom Laubbläser. Sie können der Natur einen viel größeren Gefallen tun, wenn Sie Laub einfach liegen lassen“, erklärt sie.

Für ein Igelquartier sollte der Laubhaufen groß und stabil sein. Mit Reisig, Ästen, Steinen oder Totholz lässt er sich fixieren. Zu einem Garten, den Igel nutzen können, gehören außerdem Durchgänge am Zaun. Mindestens zehn Zentimeter Bodenfreiheit oder Öffnungen von mindestens zehn mal zehn Zentimetern ermöglichen ihnen den Wechsel zwischen Gärten.

Vorsicht ist beim Kompost geboten: Igel und andere Kleintiere nutzen auch ihn gern als Unterschlupf. Zwischen November und März sollte der Haufen deshalb nicht umgeschichtet werden.

Nicht überall soll das Laub liegen bleiben. Für Rasen und bepflanzte Flächen gelten unterschiedliche Empfehlungen. „Vom Rasen sollte das Laub entfernt werden. Lassen Sie jedoch das Laub auf Beeten, unter Hecken und in Baumscheiben liegen oder verteilen Sie es dort gezielt. Eine Schicht von etwa zwei bis zehn Zentimetern schützt vor Austrocknung und Erosion, hält die Bodentemperatur stabil, unterdrückt Beikräuter und versorgt Regenwürmer sowie Mikroorganismen mit Nahrung“, so Hölzel.

Zum Mulchen wird der Boden zunächst gelockert und von Beikrautwurzeln befreit. Aussaaten und junge Setzlinge werden ausgespart. Besonders geeignet ist Laub für Stauden, Gehölze und Obstbäume. Beim Verrotten bilden sich Humus und Nährstoffe, die den Pflanzen beim Wachsen zugutekommen. So lässt sich der Bedarf an Dünger verringern.

Auch abseits eines eigens angelegten Igelquartiers sind die Blätter für Tiere nützlich. „Für Vögel, Insekten und andere tierische Gartenbewohner ist Laub vor allem bei Kälte überlebenswichtig. Sie helfen den Tieren, indem Sie das Laub auch hier einfach liegen lassen“, erklärt Hölzel.

Laub dient vielen Tieren als Nahrung und Versteck. Frösche und Kröten ziehen sich im Winter in Laubhaufen zurück, Marienkäfer überwintern dort. Vögel finden zwischen den Blättern ihre Nahrung. Zusätzlich lassen sich Äste und Zweige zu einem Reisighaufen, einer Käferburg oder einer Benjeshecke stapeln. Darauf kann anschließend Laub geschichtet werden.

Blätter, die danach noch übrig sind, können auf den Kompost. Dort entsteht daraus Humus, der im Frühjahr auf den Beeten verteilt werden kann.
RED
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