Bis zum 3. Mai versammelt die Schau fotografische Perspektiven auf einen Club, der in Hannover tief verwurzelt ist und zugleich bundesweit Strahlkraft entfaltet. Es geht um Titel und Tiefpunkte, um die Meisterschaften von 1938 und 1954 ebenso wie um Abstiege, um Euphorie und Ernüchterung. Doch die eigentliche Dramaturgie entfaltet sich abseits der reinen Sportgeschichte.
Im Fokus stehen die Menschen: Fans, Ultras, flüchtige und lebenslange Zugehörigkeiten. Wenn das Stadion gefüllt ist, scheint sich die Stadt selbst zu verdichten, jeder zehnte Hannoveraner Teil eines vibrierenden Kollektivs. Die Fotografien greifen diese Momente auf, in denen Fußball zur sozialen Klammer wird, zur Projektionsfläche für Identität, Konflikt und Gemeinschaft.
Auch die Bruchstellen fehlen nicht. Themen wie der Tod von Robert Enke, die Debatten um 50+1 oder die ästhetische Ambivalenz von Pyrotechnik und Choreo ziehen sich durch die Ausstellung wie feine Risse im Beton eines traditionsreichen Stadions. Hier wird der Fußball nicht verklärt, sondern als Spiegel gesellschaftlicher Dynamiken sichtbar. Statt auf Polarisierung zu setzen wollen die Ausstellungsmacher zum Dialog anregen.
So entsteht ein vielschichtiges Porträt von Hannover 96 als Mythos und Realität zugleich. Oder, um es mit den Worten des französischen Nationalspielers Eric Cantona zu sagen: „Du kannst deine Frau wechseln, deine Religion wechseln, deine Politik wechseln aber niemals, wirklich niemals, kannst du deinen Lieblingsverein wechseln!“ Vielleicht liegt genau darin die Antwort auf die eingangs gestellte Frage.
Die Ausstellung „Wem gehört der Fußball: 130 Jahre Hannover 96“ in der GAF, Seilerstraße 15D, ist donnerstags bis sonntags bei freiem Eintritt geöffnet.gafeisfabrik.de