Als Donald Trump am 20. Januar ins Amt eingeführt wurde, standen die Chefs der großen Tech-Konzerne nur wenige Meter von ihm entfernt. Tim Cook von Apple war da, Jeff Bezos von Amazon und auch Sundar Pichai von Google. Sie alle hatten zuvor Millionen gespendet. Und manch einer, wie etwa Meta-Chef Mark Zuckerberg, stellte schon vorab sein gesamtes Unternehmenskonzept auf die Trump-Politik um.
Nicht wenige warnten angesichts der Bilder vor einer Tech-Oligarchie, die sich nun in den Vereinigten Staaten breitmachen könnte. Und insbesondere Elon Musk tut dieser Tage alles dafür, dieses Bild zu zementieren. Mit seiner Doge-Organisation, die aus einer Gruppe junger Programmierer besteht, treibt der Tech-Milliardär und neue Trump-Berater den Staatsumbau aggressiv voran. Und viele sind in Sorge, dass auch sensible Daten von Bundesbürgern in Musks Hände fallen könnten. Diese könnten dann zur potenziellen Bestrafung politischer Gegner eingesetzt werden, befürchtet etwa die frühere Beamtin in Joe Bidens Finanzministerium, Lily Batchelder.
Es stellt sich die Frage, was der Umbau der USA auch für europäische Internetnutzerinnen und Internetnutzer bedeutet. Ein Großteil aller Dienste auf dem eigenen Smartphone gehört zu großen Konzernen wie Google, Apple, Meta oder Amazon. Viele von ihnen galten noch nie als sonderlich datenschutzfreundlich. Doch unter Trump wächst das Risiko, dass die Dienste zu einer echten Gefahr werden könnten.
Erste Anzeichen gibt es längst. Die neue US-Regierung hatte digitale Dienste zuletzt immer wieder zur Verhandlungsmasse gemacht. Die USA sollen etwa der Ukraine mit der Abschaltung von Elon Musks Satelliteninternetdienst Starlink gedroht haben. Mark Zuckerberg hatte zuletzt der EU gedroht, zusammen mit Trump gegen deren Regularien für Plattformen vorgehen zu wollen. Privatpersonen sitzen bei solchen Streitigkeiten also mitsamt ihrer Daten mit im Boot.
Eine andere Gefahr könnte in der US-Gesetzgebung liegen. Schon seit 2018 gibt es mit dem sogenannten Cloud-Act etwa ein Gesetz, das amerikanische Cloud-Anbieter dazu verpflichtet, Daten auf Anweisung von Gerichten oder Behörden herauszugeben. Mehr noch: Er ermöglicht US-Behörden auch den Zugriff auf Server, die von US-Providern außerhalb der USA betrieben werden. Stellt man sich nun vor, dass Musk und sein Doge-Ministerium Zugriff auf diese Daten bekämen, wäre das ein gefährlicher Angriff auf die Privatsphäre von Milliarden Nutzerinnen und Nutzern.
Es lohnt sich also ein Blick auf mögliche Alternativen zu etablierten US-Diensten. Davon gibt es durchaus eine Menge: Der österreichische Softwareentwickler Oliver Graf hat eine Website mit dem Namen „European Alternatives“ („europäische Alternativen“) ins Leben gerufen. Sie sammelt Apps, die in Europa entwickelt wurden und damit auch europäischen Datenstandards entsprechen.
Andere Sammlungen, wie etwa die Website „Open Alternative“, sammeln Dienste, die nach dem Open-Source-Prinzip entwickelt wurden. Das bedeutet: Die Apps gehören keinem großen Konzern und folgen keinem kommerziellen Zweck. Stattdessen werden sie oft von gemeinnützigen Stiftungen betrieben und von der Community weiterentwickelt. Der offene Code der Produkte kann zudem von jedem eingesehen werden. So lässt sich sicherstellen, dass die Dienste auch tatsächlich sauber arbeiten.
Der Wechsel der Dienste ist in vielen Fällen erstaunlich einfach – in manchen Fällen allerdings werden auch schnell Schwachstellen bei den Alternativdiensten deutlich. Ein Überblick.
Der mit Abstand beliebteste Browser auf Smartphones und Computern ist Google Chrome. Dieser gilt zwar als besonders sicher, sammelt jedoch auch jede Menge Nutzerdaten. Bei Browser-Alternativen stoßen Nutzerinnen und Nutzer ebenfalls schnell auf Dienste großer US-Konzerne – etwa auf Safari von Apple oder Edge von Microsoft.
Eine bessere Alternative hingegen bietet ein alter Bekannter aus den frühen Tagen des Internets: Mozilla Firefox. Bei dem Betreiber handelt es sich zwar auch um einen Anbieter mit Sitz in den den USA, jedoch ist Mozilla eine gemeinnützige Stiftung und hat sich den Datenschutz auf die Fahne geschrieben. Der Browser Firefox selbst sammelt keine Nutzerdaten und ist zudem ein Open-Source-Modell. Seine Bedienung unterscheidet sich nicht wesentlich von den Platzhirschen auf dem Browsermarkt.Als ebenfalls datenschutzfreundlich gilt der Webbrowser Brave, der mit Googles offenem Chromium-Quellcode arbeitet, jedoch von den Google-Diensten abgetrennt ist. Wer lieber gänzlich auf US-Produkte verzichten will, für den empfiehlt die Website „European Alternatives“ den Vivaldi-Browser aus Norwegen oder den Mullvad-Browser aus Schweden.
Bei der E-Mail-Kommunikation ist grundsätzlich niemand auf Dienste von Google, Apple oder Microsoft angewiesen, denn Mailanbieter gibt es zuhauf – auch hierzulande. Viele deutsche Telefon- und Internetprovider bieten ihren Kundinnen und Kunden auch eigene E-Mail-Services an. Etablierte deutsche Dienste sind zudem Freenet oder die Marken, die zum 1&1-Konzern gehören – etwa GMX und Web.de. Der Nachteil: Die Benutzermaske der Dienste wirkt oft weniger modern und weniger aufgeräumt als bei den US-Konzernen. Zudem werden in den kostenlosen Versionen mancher Anbieter Postfächer und Apps mit Werbebannern geradezu geflutet.
Wer besonderen Wert auf Datenschutz setzt, findet in den Diensten Mailbox.org und Posteo aus Deutschland oder Proton Mail aus der Schweiz eine Alternative. Einige von ihnen sind jedoch kostenpflichtig. Und auch hier stößt man gelegentlich auf umständliche Bedienweisen.
Sucht man nach europäischen Alternativen zu Metas Whatsapp, führt kaum ein Weg an Threema aus der Schweiz vorbei. Wer den Dienst nutzen will, muss weder Telefonnummer noch E-Mail-Adresse angeben. Der Dienst ist zudem ein Open-Source-Dienst und sammelt keine personenbezogenen Daten.
Ganz ähnliche Werte vertritt der Dienst Signal, hinter dem die gemeinnützige US-amerikanische Signal Foundation steckt. Beide Dienste bieten die allermeisten Funktionen, die auch der etablierte Whatsapp-Messenger besitzt. Einziger Nachteil: Ein Wechsel funktioniert in beiden Fällen nur dann, wenn der Gesprächspartner ebenfalls umzieht.
Bei der Websuche fällt es besonders schwer, auf das vertraute Umfeld von Google zu verzichten. Doch ein Wechsel ist auch hier möglich: DuckDuckGo hat sich im Test des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) als besonders verlässlich erwiesen. Der Dienst stammt zwar aus Pennsylvania in den Vereinigten Staaten, gehört jedoch keinem großen Tech-Konzern und sammelt keinerlei persönliche Informationen. Eine europäische Alternative ist Startpage aus den Niederlanden. Die Suchmaschine bezieht ihre Treffer über Google, anonymisiert diese Suchabfragen jedoch, sodass der Datenschutz gewährleistet bleibt.Wer ein iPhone oder Android-Smartphone besitzt, für den führt der schnellste Weg in die Cloud meist zu Apples iCloud oder Google Drive. Beliebt ist auch der Dienst Dropbox, der ebenfalls in den USA betrieben wird. Doch es gibt Alternativen aus Europa. Als sicher und nützlich erweist sich im RND-Test etwa Proton Drive. Das Softwareunternehmen aus der Schweiz setzt seit jeher einen besonderen Fokus auf Sicherheit und Datenschutz – und trotzdem macht der Dienst keinerlei Einbußen beim Komfort. So ist es unter anderem auch möglich, Smartphone-Fotos automatisch in der Cloud zu speichern und sie über einen speziellen Foto-Reiter zu durchsuchen. Als weitere europäische Cloud-Alternativen nennt die Website „European Alternatives“ auch Koofr aus Slovenien, Jottacloud aus Norwegen und Internxt aus Spanien.
Komplizierter wird die Suche nach einer geeigneten Karten-App-Alternative. Hier ist Google Maps mit all seinen Daten und Funktionen seit Jahren der unangefochtene Platzhirsch. Eine mögliche Alternative für die Navigation ist jedoch der Dienst Here WeGo, der ursprünglich von Nokia entwickelt wurde und heute einem Konsortium deutscher Autokonzerne gehört, darunter Audi, BMW und Daimler. Im Test offenbarte die App jedoch Schwachstellen: Die Streckenführung selbst ist zwar zuverlässig, jedoch klingt die Navigationsstimme künstlich. Unter Android in Verbindung mit Android Auto kommt es zudem zu plötzlichen App-Abstürzen. Deutlich flüssiger läuft die Amigo-App des niederländischen Navigationsherstellers Tomtom. Das Problem: Die App ist allein für Autofahrer konzipiert und bietet daher keine Fahrrad- oder Fußgängerrouten.
Neben den kommerziellen europäischen Alternativen gibt es auch Apps, die auf den quelloffenen Open-Street-Maps basieren. Dazu gehören etwa OsmAnd aus den Niederlanden und Organic Maps aus Estland.
Beim Smartphone selbst ist es wenig kompliziert, auf einen Hersteller außerhalb der USA zu setzen. Mit Samsung kommt sogar einer der bekanntesten Smartphone-Hersteller aus Südkorea. Das Problem: Egal welches Gerät man kauft, es wird zwangsläufig mit einem der beiden großen US-Betriebssysteme ausgeliefert: iOS (Apple) oder Android (Google). Android selbst allerdings ist ein Open-Source-System, aus dem man Google theoretisch aussperren kann. Einige Entwickler machen sich das zunutze. Dazu gehört etwa Volla Systeme aus Remscheid. Der Hersteller bietet mit Volla OS ein Google-freies Android samt dazugehörigen Geräten an. Hier fehlt dann allerdings auch der klassische App Store von Google.
Auch Ubuntu ist auf dem Markt der alternativen Betriebssysteme aktiv. Die Entwicklerfirma, die auf Computern das Betriebssystem Linux bereitstellt, betreibt für Smartphones den Dienst Ubuntu Touch. Wer ein alternatives Betriebssystem installieren will, braucht allerdings zwangsläufig mehr technisches Verständnis als beim Wechsel einer App.