Hier schrauben Ehrenamtliche
1.000 Euro Förderung für AWO-Fahrradwerkstatt – Neben Reparaturen steht die Begegnung im Mittelpunkt

Marie-Luise Deike brachte ihr Rad in die Werkstatt, um die Kette tauschen zu lassen.Foto: AWO Region Hannover
Hannover. Rund 25 Kilogramm Werkzeug mussten die ehrenamtlichen Helfer der AWO-Fahrradwerkstatt in Anderten bislang zu ihren Reparaturterminen mitbringen. Damit ist jetzt Schluss: Dank einer Förderung von 1.000 Euro durch die Region Hannover stehen in der Begegnungsstätte am Walter-Clemens-Platz 1 ein neuer Werkzeugwagen, ein Montageständer und eine Standpumpe bereit. Für die beiden Ehrenamtlichen Ralf Schumnig und Michael Junk ist das eine erhebliche Erleichterung. „Das erleichtert das Ganze ungemein“, sagt der 62-jährige Junk.

Seit August 2024 bietet die Seniorenarbeit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Anderten eine kostenlose Fahrradwerkstatt an. Wer Probleme mit einem platten Reifen, einer defekten Beleuchtung oder einer verschlissenen Kette hat, kann dort Unterstützung bekommen. Die beiden Ehrenamtlichen überprüfen die Verkehrssicherheit der Räder und helfen bei einfachen Reparaturen. Benötigte Ersatzteile müssen die Besucher selbst besorgen, für die Hilfe fällt dagegen kein Geld an.

Ralf Schumnig ist seit der Gründung der Werkstatt dabei. Der 71-Jährige möchte seine handwerklichen Fähigkeiten nutzen und sich auch im Ruhestand engagieren. „Ich mache das auch, weil ich mit meinen 71 nicht zu Hause rumhängen will, sondern eine ehrenamtliche Tätigkeit machen möchte“, erzählt er.

Unterstützung hat er inzwischen von Michael Junk bekommen. Der 62-Jährige befindet sich im Vorruhestand und schraubt auch privat an Motorrädern und Fahrrädern. Auf einem Schild an der Begegnungsstätte entdeckte er den Hinweis auf die Fahrradwerkstatt und erkundigte sich, ob weitere Hilfe gebraucht werde. Seitdem bilden die beiden ein Team.

Dabei verstehen sie sich nicht als Dienstleister, die lediglich defekte Räder entgegennehmen. Wer möchte, kann bei den Reparaturen selbst mit anpacken und etwas dazulernen. Voraussetzung ist das allerdings nicht. „Auf jeden Fall erklären wir, was wir machen“, sagt Junk. Ob Reifen, Beleuchtung, Kette oder Bremsen – die Besucher sollen nachvollziehen können, was an ihrem Fahrrad gemacht wird.

Wie willkommen diese Unterstützung ist, zeigt das Beispiel von Marie-Luise Deike. Sie hatte bei einem Tag der offenen Tür von der Fahrradwerkstatt erfahren und nahm für ihren Besuch eine Anfahrt von fast zehn Kilometern mit dem Rad auf sich. Zwar erledigt sie viele Reparaturen selbst, doch den Austausch ihrer Fahrradkette überließ sie diesmal lieber den beiden Ehrenamtlichen. Mit deren Arbeit war sie zufrieden. Ihr Urteil über das Angebot fällt knapp aus: „Sehr gut.“

Für die AWO ist die Werkstatt allerdings weit mehr als eine Anlaufstelle bei technischen Problemen. Sie gehört zum Projekt „Mittendrin älter werden – aktiv vor Ort“, mit dem die Seniorenarbeit Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten im Stadtteil fördern möchte. „Begegnung steht an erster Stelle. Das Fahrrad ist ein Mittel dafür“, erklärt AWO-Mitarbeiterin Khatia Rauer.

Die Idee dahinter: Über eine gemeinsame Beschäftigung kommen Menschen miteinander ins Gespräch, die sich sonst möglicherweise nicht begegnen würden. Das Fahrrad liefert dafür einen praktischen Anlass. Wer Hilfe benötigt, kann von den Erfahrungen der Ehrenamtlichen profitieren. Gleichzeitig bleibt Raum für Gespräche, die mit Reifen, Ketten oder Bremsen wenig zu tun haben.

Meist kommen drei bis vier Besucher zu den Werkstattterminen. Das Angebot richtet sich insbesondere an ältere Menschen, steht aber allen Interessierten offen.

Findet gleichzeitig das Nachbarschaftscafé in der Begegnungsstätte statt, können die Besucher mögliche Wartezeiten bei Kaffee und Kuchen verbringen.

Die Anschaffungen wurden über das Förderprogramm „Selbst schrauben und abstauben“ der Region Hannover finanziert. Es unterstützt gemeinnützige Angebote, die Menschen bei der eigenständigen Fahrradreparatur helfen. Die Mittel stellt die Sparkasse Hannover im Rahmen des Sparkassenbriefs N+ zur Verfügung.

Das AWO-Projekt „Mittendrin älter werden – aktiv vor Ort“ erhält darüber hinaus Fördermittel aus dem Programm „Stärkung der Teilhabe älterer Menschen – gegen Einsamkeit und soziale Isolation“. Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus. Weitere Förderer sind die Region Hannover und die Landeshauptstadt Hannover.

Geöffnet ist die Fahrradwerkstatt an jedem zweiten und vierten Donnerstag im Monat von 15 bis 17 Uhr. Sie befindet sich im Keller der AWO-Begegnungsstätte am Walter-Clemens-Platz 1 in Anderten. Der Zugang liegt auf der Rückseite des Gebäudes. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Im Dezember und Januar bleibt die Werkstatt wegen der Winterpause geschlossen.
R/HR


Druckansicht