Von Döhren in die Welt – und zurück
Was 1990 mit 500 Zuschauern im Freizeitheim begann, wurde zu einem der wichtigsten Breaking-Wettbewerbe der Welt.
Im November 2027 kehrt das „Battle of the Year“ nach Hannover zurück. Schon am Sonnabend wird am Ursprungsort gefeiert.

BOTY 2027 – dasBreaking-Event kehrtnach Hannover zurück (v.l.): Oberbürgermeister Belit Onay, Manuela Bolegue(Geschäftsführerin der Six Step GmbH), Thomas Hergenröther(Gründer des Battleof the Year) und Eva Bender (Dezernentin für Bildung undKultur) freuen sichauf das Event.Foto: LHH
Hannover. Es begann mit einer Idee, ein paar Tanzgruppen und rund 500 Zuschauern. Am 9. Juni 1990 trafen sich im Freizeitheim Döhren junge Menschen, die eine Leidenschaft teilten: Breakdance. Die große Begeisterungswelle der 1980er-Jahre war damals bereits abgeklungen, doch die Szene lebte weiter. Thomas Hergenröther und seine Crew Burning Moves wollten ihr eine Bühne geben. Sie organisierten den ersten „International Breakdance Cup“ – und legten damit den Grundstein für ein Kulturereignis, das Jahrzehnte später auf mehreren Kontinenten Tausende Menschen begeistern sollte.

Jetzt kommt das „Battle of the Year“ (BOTY) zurück nach Hause. Im November 2027 soll das Weltfinale des international bekannten Breaking-Wettbewerbs wieder in Hannover stattfinden. Die Landeshauptstadt und die Six Step GmbH um BOTY-Gründer Hergenröther wollen das Format langfristig in der Stadt etablieren. Den Auftakt bildet bereits am Sonnabend, 17. Oktober, die „BOTY Homecoming Jam“ im Freizeitheim Döhren – genau dort, wo vor mehr als 36 Jahren alles begann.

„Das Battle of the Year ist in Hannover entstanden und hat von hier aus eine beeindruckende internationale Entwicklung genommen“, sagt Oberbürgermeister Belit Onay. Die Rückkehr sei ein starkes Zeichen für die kulturelle Vielfalt und die lebendige Jugendkultur der Stadt. Ziel sei es, das Festival wieder dauerhaft in Hannover zu verankern.Wie weit der Weg von Döhren aus führen würde, konnte 1990 wohl kaum jemand ahnen. Schon die erste Veranstaltung setzte auf ein Merkmal, das später zum Markenzeichen des BOTY wurde: Tanzcrews präsentierten nicht nur einzelne spektakuläre Bewegungen, sondern gemeinsam entwickelte, choreografierte Shows. 1991 kamen direkte Duelle um den Sieg hinzu, seit 1992 trägt der Wettbewerb seinen heutigen Namen.

In den folgenden Jahren reisten immer mehr Gruppen aus dem Ausland an. Zunächst prägten Crews aus europäischen Ländern das Geschehen, später kamen Tänzer aus den USA, Japan, Südafrika und Russland hinzu. Aus dem hannoverschen Treffen entstand ein internationales Netzwerk mit eigenen Qualifikationsveranstaltungen.

Einen Höhepunkt erlebte das Battle of the Year während der Expo 2000. Rund 11.000 Menschen verfolgten das Finale in der ausverkauften Expo-Arena, weitere 3000 im Außenbereich. Im entscheidenden Duell setzten sich damals die Berliner Flying Steps gegen die Waseda Breakers aus Japan durch. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war aus der einstigen Veranstaltung im Freizeitheim ein internationales Großereignis geworden.

In den folgenden Jahrzehnten machte das Weltfinale unter anderem in Braunschweig, im französischen Montpellier sowie in Japan und Südkorea Station. Mehr als 500 Crews aus über 30 Ländern nahmen nach Angaben der Veranstalter im Laufe der Geschichte an Wettbewerben und Qualifikationen teil. In der Breaking-Szene gilt das BOTY vielen bis heute als eine Art inoffizielle Weltmeisterschaft.Auch über die Tanzflächen hinaus hinterließ der Wettbewerb Spuren. Der Dokumentarfilm „Planet B-Boy“ begleitete internationale Crews auf ihrem Weg zum BOTY. Später entstand daraus der Hollywood-Spielfilm „Battle of the Year – The Dream Team“, für den unter anderem beim tatsächlichen Wettbewerb 2011 in Montpellier gedreht wurde.Bei der Rückkehr nach Hannover soll es allerdings nicht allein um sportliche Höchstleistungen gehen. Geplant ist ein mehrtägiges Programm mit Workshops, Nachwuchsangeboten, Filmvorführungen und Begegnungen zwischen Künstlern und Publikum. Das Weltfinale soll im November 2027 an verschiedenen Veranstaltungsorten ausgetragen werden.

Die Stadt verbindet damit auch kulturpolitische Ziele. „Für uns ist die Rückkehr des Battle of the Year weit mehr als die Ausrichtung einer Großveranstaltung“, sagt Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender. Das Projekt solle kulturelle Bildung, Nachwuchsförderung und internationale Vernetzung stärken. Es knüpfe zugleich an den Tanzentwicklungsplan der Stadt an.

Für Hergenröther ist die Rückkehr auch persönlich bedeutsam. „Hannover war immer ein wichtiger Teil unserer Geschichte“, sagt der Geschäftsführer der Six Step GmbH, die das Weltfinale ausrichten soll. Die Unterstützung der Stadt eröffne die Möglichkeit, gemeinsam eine neue Perspektive für die kommenden Jahre zu entwickeln.

Finanziert werden soll das Vorhaben vorrangig aus dem Akquise-Budget der Landeshauptstadt, ergänzt durch Mittel aus dem Kulturbereich. Die Zustimmung der politischen Gremien steht allerdings noch aus.

Bevor 2027 die internationale Breaking-Szene nach Hannover zurückkehren soll, steht nun erst einmal der Blick auf die eigenen Wurzeln an. Am Sonnabend wird im Freizeitheim Döhren die „Homecoming Jam“ gefeiert. Dort, wo 1990 alles mit einem vergleichsweise kleinen Wettbewerb begann, soll damit das nächste Kapitel einer weltweiten Erfolgsgeschichte aufgeschlagen werden. R/HR
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