Mit Sonnenkraft zum Sud
Hochschule Hannover erforscht klimafreundliches
Bierbrauen
mit Solarenergie und Wärmepumpe

Skizze: So läuft „RenewBrew“.Grafik: Hochschule Hannover
Hannover. Bierbrauen braucht Wärme – und davon nicht wenig. Wasser muss erhitzt, Wasserdampf erzeugt werden. Bislang stammt die dafür benötigte Energie in vielen Betrieben vor allem aus Erdgas. An der Hochschule Hannover arbeiten Forschende daran, diesen Teil des Brauprozesses grundlegend zu verändern. Ihr Ziel: Die notwendige Prozesswärme soll möglichst ohne fossile Energieträger entstehen.„RenewBrew“ heißt das Forschungsprojekt, das Anfang 2026 am Forschungszentrum Energie – Mobilität – Prozesse der Hochschule Hannover gestartet ist. Im Mittelpunkt steht ein Energiesystem, das mehrere Technologien miteinander verbindet: Hochtemperaturwärmepumpen, Wärmespeicher, Photovoltaik und konzentrierende Solarthermie.

Bei der Solarthermie wird Sonnenlicht mit speziellen Spiegeln gebündelt. Dadurch lassen sich hohe Temperaturen erzeugen. Photovoltaikanlagen sollen zugleich Strom für die Wärmepumpen liefern. Zusammengenommen sollen die Komponenten Wasserdampf mit Temperaturen deutlich über 100 Grad Celsius bereitstellen können – genau die Prozesswärme, die beim Brauen benötigt wird.

Noch befindet sich die Technik in der Forschungsphase. An der Hochschule Hannover entsteht zunächst eine wissenschaftliche Testanlage. Dort soll untersucht werden, wie sich die einzelnen Komponenten möglichst effizient miteinander verbinden lassen. Auf den Ergebnissen soll anschließend ein Demonstrator aufbauen, der im Norderneyer Brauhaus installiert wird.

Projektleiter ist Professor Lutz Meyer von der Hochschule Hannover. Für ihn liegt ein entscheidender Ansatz gerade in der Verbindung der unterschiedlichen Technologien. „Die Kopplung von Solarthermie und Hochtemperaturwärmepumpe eröffnet neue Synergien und ermöglicht signifikante Effizienzsteigerungen. Wir freuen uns, dieses Potenzial nun für einen konkreten Anwendungsfall zu untersuchen und zu realisieren. Gerade für die Dekarbonisierung der Prozesswärmeerzeugung in kleinen Leistungsbereichen fehlen bislang praktikable Lösungen. Mit diesem Projekt möchten wir einen nachhaltigen Beitrag zur industriellen Wärmewende leisten“, sagt Meyer.

Das Norderneyer Brauhaus dient dabei nicht nur als Versuchsort. Das Projekt soll zeigen, ob ein solches Energiesystem unter realen Bedingungen in einem kleineren Betrieb funktionieren kann. Als weiterer externer Partner ist Jaske & Wolf Verfahrenstechnik beteiligt. Die wirtschaftlichen Fragen untersucht Professorin Nadja Kiehne von der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der Hochschule Hannover.

Der Blick der Forschenden reicht dabei über das Bierbrauen hinaus. Prozesswärme und Wasserdampf werden in vielen Industriezweigen benötigt und bislang häufig mit Erdgas erzeugt. Funktioniert das Zusammenspiel aus Solarthermie, Photovoltaik und Hochtemperaturwärmepumpen wie geplant, könnte die Technik deshalb auch für andere energieintensive Betriebe interessant werden.

Die Hoffnung dahinter ist weitreichend: Wärme möglichst dort zu erzeugen, wo sie gebraucht wird, einen großen Teil der notwendigen Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen und damit sowohl Treibhausgasemissionen als auch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern. Für kleinere energieintensive Unternehmen eröffnet das langfristig zudem die Chance, ihre Produktionskosten zu senken.

Bis belastbare Ergebnisse vorliegen, bleibt allerdings noch Forschungsarbeit. „RenewBrew“ läuft bis Ende 2028. Gefördert wird das Projekt mit rund 1,09 Millionen Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie von der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz im Programm „Forschung an HAW“.

Am Ende geht es damit um weit mehr als um klimafreundlicher gebrautes Bier. Die Versuchsanlage in Hannover und der spätere Einsatz auf Norderney könnten zeigen, ob sich ein Verfahren etablieren lässt, das auch andernorts fossile Prozesswärme ersetzen kann. R/HR

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