Vater und Tochter im Streit

Das Stück „Blind“ ist im Ballhof Eins zu sehen.Foto: Jörg Brüggemann / Ostkreuz
Hannover. Mit ihrem Stück „Blind“ bringt die niederländische Dramatikerin Lot Vekemans eine konfliktreiche Vater-Tochter-Beziehung auf die Bühne. Die Inszenierung ist am Sonnabend, 3. Oktober, ab 19.30 Uhr im Ballhof Eins zu sehen.

Im Mittelpunkt steht Richard, der nach dem Tod seiner Frau zurückgezogen in einer streng gesicherten Wohnanlage lebt. Als ihm die Erblindung droht, entlässt er unvermittelt seine Haushälterin und verlangt von seiner Tochter Helen, sich künftig um ihn zu kümmern. Das Verhältnis zwischen beiden ist seit Langem angespannt. Richard war als Ingenieur für Wasserwirtschaft erfolgreich und hält weiterhin viel von seinem eigenen Urteil. Die Haltung seiner Tochter, die als Anwältin arbeitet und gesellschaftliche Veränderungen befürwortet, lehnt er dagegen ab. Auch ihre Ehe mit einem Schwarzen Intellektuellen stößt bei ihm auf Ablehnung.

Helen wirft ihrem Vater vor, sich gegenüber Entwicklungen wie Geschlechtergerechtigkeit, dem Umgang mit Rassismus und Fragen der natürlichen Ressourcen abzuschotten. Bei einem ihrer Besuche verschärft sich die Situation unerwartet: Die elektrischen Rollläden des Hauses schließen sich plötzlich. Vater und Tochter sind gezwungen, gemeinsam auszuharren. In dieser Situation brechen persönliche und politische Konflikte offen hervor.

Vekemans verbindet in „Blind“ gesellschaftliche Gegensätze mit der Geschichte einer Familie. Richard und Helen ringen nicht nur um ihre unterschiedlichen Vorstellungen vom richtigen Leben, sondern auch um Selbstbestimmung, Nähe und ihre Beziehung zueinander. Die Autorin ist in Hannover bereits durch ihr Stück „Judas“ bekannt, das in der Cumberlandschen Galerie gezeigt wurde.

Regie führt Leonie Rebentisch. Sie machte zuletzt mit ihrer Bühnenfassung des Romans „Gittersee“ am Berliner Ensemble auf sich aufmerksam. Die Inszenierung über Republikflucht, Erwachsenwerden und die Anwerbung einer Jugendlichen durch die Staatssicherheit der DDR wurde 2025 zum Festival „Radikal jung“ eingeladen. Rebentisch richtet ihren Schwerpunkt auf dichte, widersprüchliche Beziehungskonstellationen – ein Ansatz, der auch die Auseinandersetzung zwischen Richard und Helen prägt. REDEintrittskarten gibt es ab 21 Euro im Vorverkauf auf staatstheater-hannover.de.
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