Den größten Teil machen die Konzerte aus – und musikalisch lässt sich das Festival dabei nur schwer auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Hyperpop, Rap, Indie, Punk und elektronische Musik stehen ebenso auf dem Programm wie Folk, Jazz und New Wave. Mit Baby B3ns ist eine gebürtige Hannoveranerin dabei, die grungige Tumblr-Ästhetik und Y2K-Look mit deutscher Hyperpop-Musik verbindet. Ebenfalls aus Hannover kommt Jule Malin. Ihre Songs über die chaotischen Zwanziger, Crushes und Herzschmerz bewegen sich zwischen tanzbarem Indie-Pop und NDW. Lokalkolorit bringt auch das Rap- und Pop-Kollektiv Club H-Town mit, während die in Hannover gegründete Punkband Stein Walter Frank Meier mit politischen Texten und klassischem Punk-Sound antritt.
Internationaler wird es unter anderem mit Yndling aus Norwegen, deren Musik zwischen Dream Pop, Shoegaze und melancholischem Alt-Pop angesiedelt ist. Das niederländisch-dänische Duo Miaw kombiniert UK-Bass, Clubmusik, Shoegaze und Trip-Hop, während der britische Producer und Musiker EV UK-Rap mit Drum’n’Bass und 90er-Rave verbindet.
Auch im deutschsprachigen Line-up gibt es einiges zu entdecken. Der Wiener Rapper Jugo Ürdens bringt Pop, Rap und „Ostblock-Romantik“ zusammen. Beslik setzt auf Boom-Bap-Beats, jazzige Samples und persönliche Texte, während Dea Bbz Rap mit UK-Drill-Einflüssen verbindet. Bei Das Beat treffen wiederum dunkle Synthesizer auf New Wave, EBM und Italo-Disco. Filiah aus Österreich bringt Indie-Folk mit Pop-Einflüssen mit, das Wiener Duo Lusterboden bewegt sich zwischen Wienerlied, Pop und Jazz.
Wer nach Gitarren sucht, findet sie ebenfalls: Üpsilon verbinden Indie, Pop und Rock mit rauem Punk-Einfluss, Trustfundbabes lassen Neue Deutsche Welle auf Dance Punk treffen, und GRIMA kombiniert Post-Punk und Shoegaze mit spanischen und englischen Texten. Dazu kommen zahlreiche weitere Acts wie Romy, Panicbaby, Piya, Kleptos, PAU, Udo West, Yung Saint Paul, LENE 3000, Haus F oder MC WINDHUND.
KiezKultur beschränkt sich allerdings längst nicht auf Musik. Einen eigenen Schwerpunkt bilden Gespräche, Podcasts und Literatur. Die Kulturwissenschaftlerin, Autorin und SPIEGEL-Kolumnistin Tara-Louise Wittwer beschäftigt sich in einer Lesung mit Feminismus und Popkultur. Evelyn Höllrigl Tschaikner, Autorin des Buches „The Daily Feminist“, widmet sich feministischen Fragen des Alltags.
Politischer wird es im „Denkraum“. Investigativjournalist Christian Fuchs spricht mit Moderator Jonas Pagel über rechtsextreme Gruppierungen in Niedersachsen und deren Versuche, junge Menschen zu erreichen und zu radikalisieren. Mit „Bin ich das Arschloch?“ kommt außerdem ein Live-Podcast zum Festival, bei dem Lensi Schmidt, Hinnerk Köhn und Max Scharff moralische Alltagsfragen aus ihrer Community verhandeln.
Musikfans können beim Podcast „Die Tonleiter*innen“ wiederum einen Blick hinter die Kulissen der Branche werfen. Noch einmal anders nähert sich das unabhängige Musikmagazin „Zwischen Zwei und Vier“ dem Thema: Melanie Gollin und Rosalie Ernst verstehen ihr Projekt als Experimentierfeld für Musikjournalismus und arbeiten neben klassischen Textformen auch mit Gedichten, Fanfiction, Diagrammen und Comics.
Auch Performance bekommt beim Festival eigenen Raum. Das Kollektiv Kompanie Circo beschäftigt sich in „COME CLOTH.ER“ mit Kleidung und Identität und verbindet dafür Akrobatik, Jonglage, Tanz und Live-Musik. Beim „Drag Kater Brunch“ stehen Rica VidaLoca, Wolfgang Bäng, Flexi Twixx und Bebo auf der Bühne. Die Leftovers Crew lädt zu einem All-Style-Tanzbattle zwischen Hip-Hop, House, Popping, Locking und Freestyle ein. Bei „UNDISCOVERED“ treffen Modenschau, Live-Musik und Performance aufeinander, während der hannoversche Illustrator Luca Stenzel beim Live-Painting ein Klavier gestaltet.
Besonders kreativ wird das Programm dort, wo das Publikum selbst gefragt ist. In Workshops können Besucherinnen und Besucher analoge Fotografie und Dunkelkammer-Arbeit ausprobieren, mit GITCHI häkeln oder beim Projekt Newcomer* erste Schritte an DJ-Decks wagen. Ein Workshop mit Jule Cirksena beschäftigt sich unter dem Titel „Kritische Männlichkeit im Nachtleben“ mit Rollenbildern sowie antisexistischer Awareness.
Und dann gibt es noch jene Programmpunkte, die sich nur schwer in klassische Festival-Schubladen stecken lassen. Auf der Faustwiese wird Flunkyball gespielt und „Fähnchen Fangen“ veranstaltet. Die Kante fordert zum GeoGuessr-Wettbewerb heraus, Trash-TV-Wissen wird zum Quizstoff, und beim Buchstabierwettbewerb mit Antonella mags schneller entscheidet jeder Buchstabe über Sieg oder Niederlage. KleptoMatze und Bargeld_n veranstalten Bingo, Luis La Metta lädt zur Karaoke mit einem Fundus von mehr als 66.000 Songs ein, und beim Pianobombing stehen umgestaltete Klaviere für spontane Konzerte bereit.
Zum fünften Geburtstag blickt KiezKultur außerdem auf die eigene Geschichte zurück. Die Ausstellung „Was hängen bleibt“ versammelt Erinnerungen und Geschichten aus fünf Festivaljahren und richtet den Blick zugleich auf das, was aus dem Projekt entstanden ist.
Im Vorverkauf erworbene Tickets müssen zu Beginn des Festival-Besuchs gegen ein Bändchen eingetauscht werden. Der Ticketstand befindet sich auf dem Faust-Gelände.kiezkultur-festival.de