Die Sozialarbeitenden arbeiten aufsuchend in den Stadtteilen und sind zugleich zu festen Sprechzeiten in der Leinstraße 14 erreichbar. Ihre Aufgaben reichen von der Vermittlung in Hilfs- und Unterstützungssysteme über Begleitungen zu Behörden, Beratungsstellen und medizinischen Einrichtungen bis zur Beratung über Unterbringungs- und Wohnangebote. Auch bei Anträgen und bei der Klärung von Leistungsansprüchen soll die Straßensozialarbeit unterstützen.
Die neuen Stellen sollen eng mit den bereits vorhandenen Angeboten verbunden sein. Dazu zählen soziale Träger, Stadtteilzentren, Tagestreffs, Kirchen und der Sozialpsychiatrische Dienst. Perspektivisch sind feste Büroräume in den Stadtbezirken geplant und im Aufbau.
Der Anlass für den Ausbau liegt nach Darstellung der Verwaltung in den Rückmeldungen aus den Stadtteilen und im Beteiligungsprozess zur Vermeidung von Obdachlosigkeit bis 2030. Dieser Prozess war 2024 gestartet. Die Stadt verweist darauf, dass Menschen in prekären Einkommens- oder Wohnverhältnissen in nahezu allen Stadtteilen leben. Für einige werde die Straße wegen Wohnungslosigkeit, Einsamkeit oder fehlender sozialer Kontakte zu einem zentralen Ort der Begegnung und gesellschaftlichen Teilhabe – teils auch dann, wenn Wohnraum vorhanden sei.
Der Ausbau soll in zwei Stufen erfolgen. Zunächst will die Stadt die vier neuen Stellen verstetigen. Anschließend sollen drei weitere Stellen hinzukommen. Damit wären insgesamt 13 Stellen für die städtische Straßensozialarbeit vorgesehen – perspektivisch eine feste Ansprechperson je Stadtbezirk. Der weitere Ausbau steht unter dem Vorbehalt entsprechender Beschlüsse in den politischen Gremien.
Erste Erfahrungen mit einer dezentralen Sozialarbeitsstelle hatte die Stadt bereits 2025 in Vahrenheide gesammelt. Dort wurde eine städtische Stelle eingerichtet, deren Bedarf sich aus der großen Notschlafstelle im Stadtteil ergab. Die nun hinzugekommenen Mitarbeitenden sollen nach einem flexiblen System arbeiten, da sich Aufenthaltsorte, Szenetreffpunkte und Unterstützungsbedarfe wohnungs- und obdachloser Menschen verändern können.
Ein räumlicher Schwerpunkt bleibt dennoch die Innenstadt, insbesondere der Bereich rund um den Hauptbahnhof. Oberbürgermeister Belit Onay verweist in diesem Zusammenhang auch auf zwei geplante soziale Versorgungsstationen: Mecki 2.0. und den Standort Herschelstraße. Beide sollen im kommenden Jahr fertiggestellt werden.
Die Stadt verbindet den Ausbau der Sozialarbeit mit ihrem integrierten Sicherheitskonzept. Neben der Straßensozialarbeit spielt dabei der stadtweit ausgebaute Ordnungsdienst eine Rolle. Die Ordnungsbotschafterinnen und Ordnungsbotschafter sollen durch ihre Präsenz Hinweise auf mögliche Hilfebedarfe geben. Zugleich sollen sie gemeinsam mit der Sozialarbeit Perspektiven für die Nutzung öffentlicher Räume entwickeln, in denen Nutzungskonflikte entstehen können.
Ein Schwerpunkt bleibt die Arbeit mit wohnungslosen Frauen. Sie sind laut Stadt im öffentlichen Raum häufig weniger sichtbar und deshalb schwieriger für Beratungsangebote zu erreichen. Gewaltschutz und gewaltgeprägte Lebensumstände seien zentrale Themen.