KI ist Schuld an
der Kunst von Klaas Scholtalbers
Nach vielen Jahren hat der Moderator von Radio ffn wieder zu Farben gegriffen. Ein Besuch im Lindener Studio.

Verliert sich gern in den Farben: Dafür stellt Klaas Scholtalbers sogar seine große Leidenschaft, die Musik, ab.Foto: FlorianPetrow
Hannover. Als Junge hatte Klaas Scholtalbers (36) einen Kumpel, der unglaublich gut malen konnte. Er war sogar in einer Kunstschule. „Mir hat von Haus aus der Zugang gefehlt“, erinnert sich Scholtalbers heute. Was ihn nicht davon abgehalten hat, in der Schule „hier und da rumzukritzeln“ und sogar den Kunst-Leistungskurs fürs Abi zu belegen.

Dabei sollte es bleiben: Nach dem Schulabschluss schrieb er sich für ein Studium der Religionswissenschaften ein, zog dafür aus seiner Heimatstadt Leer nach Hannover. Eine Karriere in Sachen Religion blieb aus: „Ich habe nach drei Monaten abgebrochen.“ Was folgen sollte, ist eine berufliche Laufbahn, die sich sehen lassen kann. Der 36-Jährige hat als Radiomoderator erfolgreich Fuß gefasst. Was mit einem Praktikum bei Leinehertz (hat 2019 seine Sendelizenz verloren, Nachfolger ist Leibniz.fm) begonnen hat, mündete in einen Job bei Radio ffn.

Da ist Scholtalbers nun zum zweiten Mal in Folge für den Deutschen Radiopreis nominiert. 2025 hat er die Auszeichnung mit seiner Kollegin Pauline Plasse (29) eingeheimst, in diesem Jahr ist er solo in der Kategorie „Bestes Musikformat“ nominiert. „Ich freue mich sehr darüber“, verriet uns Scholtalbers neulich, als wir ihn in seinem Studio in Linden besuchten. Und im Gegensatz zum letzten Mal hat er sich sein Outfit für den Galaabend nicht auf den letzten Drücker besorgt. Weil er einfach dasselbe nimmt? „Nein! Es ist ein anderer Anzug. Anhand der Klamotten kann ich auf Fotos dann besser auseinanderhalten, wann welches Event stattgefunden hat.“ Humor hat er schon mal.

Und er weiß auch schon mal, wer die Laudatio in seiner Runde hält – Peter Maffay (77). Der Musiker mag Radio, wie er in einem Statement bekräftigte: „Ich informiere mich gerne darüber, was in der Welt passiert. Gerade unterwegs oder beim Autofahren ist Radio dafür eine wunderbare Möglichkeit.“ Der Hannoveraner Scholtalbers sorgt mit seinem Format „Woher kenn’ ich das?“ für Aha-Momente in der Musik. Da greift er etwa Soundschnipsel auf und klärt über die Hintergründe auf. „Musikwissen ist gerne mal langweilig oder nur was für Nerds. So ist es etwas für alle“, erklärt der Radiomann.

Aber zurück zur Kunst. Der anderen Kunst. Scholtalbers hat nämlich nach Ewigkeiten wieder zu Farbe und Leinwand gegriffen. Der Grund ist einer, an dem die Gesellschaft nicht mehr vorbeikommt: Künstliche Intelligenz. „KI geht durch alle Bereiche“, weiß natürlich auch Scholtalber. „Wenn sie meine Steuererklärung macht, finde ich das super. Aber bei Kunst und Musik finde ich es wirklich schlimm.“ Bei ihm setzte der „Jetzt erst recht“-Moment ein. „Ich fordere mich heraus, mit der Hand selbst besser zu werden und nicht selbst zur KI zu greifen. Das motiviert mich einfach.“ Außerdem sieht er es gar nicht ein, mittels Technik die Dinge abzukürzen. „Wo bleibt da der Spaß beim Entstehungsprozess?“ Eine berechtigte Frage. Und: „Sowohl bei Andy Warhol als auch bei Herbert Grönemeyer macht das Unperfekte doch ihre Kunst aus.“

Am liebsten malt er mit Acryl eine Mischung aus Abstraktem, also Farben und Formen, sowie Porträts. „Mein halbes Leben lang habe ich Gesichter gemalt.“ Er nutzt Spachtelmasse und Lacke. Der Startschuss für den Neustart war das Bild „Hey, Siri“, das mittlerweile bei einem Musikerkollegen in Braunschweig hängt. Scholtalbers macht selbst auch Musik, er spielt Gitarre und singt. Bei Instagram präsentiert er aktuell jedoch sehr viel Kunst. „Es braucht Menschen außerhalb von Familie und Freunden, die sagen: Das gefällt mir.“ So oder so macht es ihn glücklich, was er da im Studio macht. Dafür hat er sogar das Internet abgestellt, um sich zu fokussieren. Auch Musik ist tabu. „Wenn ich male, ist nur das in dem Moment wichtig.“

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