Geister, Grusel und Gentrifizierung
„2:22 – Eine Geistergeschichte“ hat im Neuen Theater Hannover Premiere

Zwiegespräch:Skeptiker Sam (Daniel Paul Finbar Carey) und die geistreiche Jenny (Jenny Löffler) in „2:22“ im Neuen Theater.Foto: Oliver Vosshage
Hannover. Irgendwann hört man auf, die Jump Scares zu zählen: die Momente, in denen man sich, weil etwas unerwartet passiert, so sehr erschrickt, dass man beinahe aufspringt. Einen erschrecken, das kann „2:22 – Eine Geistergeschichte“, das Stück des britischen Autors Danny Robins, das nun Premiere im Neuen Theater in Hannover hatte. Uraufgeführt wurde es 2021 im Londoner West End, es war nominiert für den Laurence Olivier Award und gewann 2022 den WhatsOnStage Award.

Auch in Hannover, unter der Regie von Oliver Geilhardt, unterhält und überzeugt das Stück, das an einem einzigen Abend spielt: im Haus von Jenny (Jenny Löffler) und Sam (Daniel Paul Finbar Carey), das sie gerade noch ausbauen. Jenny ist allein zu Hause, als sie um 2:22 Uhr Schritte hört und – logisch – an einen Geist glaubt. Weil sie Gewissheit will, laden sie und Sam ihre Freundin Lauren (Mia Geese) und deren neuen Partner Ben (Daniel Baaden) ein. Und sie beschließen, bis 2.22 Uhr wachzubleiben.

Sam ist Skeptiker, ein Wissenschaftler, der auf alles eine Antwort hat – oder zu haben glaubt, was den anderen zuweilen ganz schön auf die Nerven geht. Er glaubt nicht an Geister, natürlich nicht. Ben hingegen schon: Seine Mutter war Medium, er ist offen für alles Übernatürliche und damit auch für die Möglichkeit, dass an Jennys Erlebnissen etwas dran ist und sie es sich nicht nur eingebildet hat, wie Sam meint.

Je später es wird, desto mehr entgleist der Abend: Die vier geraten aneinander, wegen ihrer Weltanschauungen, wegen Religion, Alkohol und unausgesprochener Gefühle und Abneigungen. Gentrifizierung, Rassismus, Klassismus – es kommt Einiges aufs Tapet. Und immer wieder landet das Gespräch bei der Frage: Gibt es nun Geister – oder ist das Aberglaube? Verlassen wir uns auf die Wissenschaft oder ignorieren wir die Fakten und vertrauen unseren Gefühlen?

Einziger Wermutstropfen ist Careys Spiel, das vor allem im Vergleich zu Löfflers blass wirkt. Die ist hervorragend: eindrücklich unaufdringlich, packend, ohne es zu übertreiben, und (fast) immer auf den Punkt, ob in stillen oder explosiven Szenen.

Diese Geistergeschichte ist kurzweilig, mitunter wirklich spannend, zuweilen sogar gruselig und immer wieder auch komisch. Und wie bei einer guten Geistergeschichte, gibt es auch bei „2:22“ ein unerwartetes Ende.

„2:22 – Eine Geistergeschichte“ wird bis 24. Oktober im Neuen Theater (Georgstraße 54) gezeigt.

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