Bühne für Olympiasieger
Hier wurde einst Sportgeschichte geschrieben – mittlerweile verfällt die Anlage

Großes Spektakel: Hunderte drängen sich 1965 bei der Eröffnung der Wülfeler Radrennbahn.Archivbild: Wilhelm Hauschild
Hannover. Eine Feuerwehrkapelle spielte, Honoratioren gaben sich die Ehre, und Oberbürgermeister August Holweg wünschte offiziell „Rad- und Nabenbruch!“. Rund 1800 Menschen drängten sich im Mai 1965 auf dem Gelände nördlich der Wilkenburger Straße, als die Wülfeler Radrennbahn eröffnet wurde. Diese galt damals als die modernste Deutschlands. An jenem denkwürdigen Tag fuhr der damalige deutsche Meister Willi Fuggerer beim Internationalen Sprinterpreis von Hannover einen glorreichen Sieg ein.

Die Anlage sollte Hannover etwas vom alten Glanz zurückbringen: In den Fünfzigern war die traditionsreiche alte Rennbahn nahe dem Schlachthof wegen Baufälligkeit geschlossen worden. Auf dem früheren Sportplatz des VfB Wülfel hatte der Architekt Wilfried Ziegemeier nun endlich einen Ersatz geschaffen.

Das 333-Meter-Oval hatte die stolze Summe von rund 1,5 Millionen Mark gekostet, die Fahrfläche war mit afrikanischem Afzelia-Hartholz belegt. Die Bahn mit den steilen Kurven galt zeitweise als die schnellste Europas, sie stand international auf einer Stufe mit Bahnen in Mailand, Paris oder Kopenhagen. Und sie machte Hannover wieder zu einer Hochburg des Radsports.

Sprint und Zeitfahren, Verfolgung und Derny standen in den Sommermonaten auf dem Programm. Hier wurden 19 deutsche Meisterschaften ausgetragen, wichtige Rennen wie der internationale Grand Prix der Sprinter gingen in Wülfel über die Bühne. Spitzenfahrer wie der Olympiasieger Jens Fiedler kamen regelmäßig hierher. Dann ließ die Bahn ihre Blütezeit hinter sich: Der Radsport kämpfte mit Nachwuchsproblemen, manchmal fanden sich nur wenige Dutzend Zuschauer auf der für 1500 Menschen ausgelegten Tribüne ein.

An Geld für eine Flutlichtanlage oder eine Überdachung war nicht zu denken. Teils mussten Rennen ausfallen, weil Regen das Holz rutschig gemacht hatte – und vor allem litt die Bausubstanz unter der Witterung.

Im Jahr 1993 übernahm ein Zusammenschluss von Vereinen die im Unterhalt kostspielige Bahn von der Stadt. In den kommenden Jahren investierten Ehrenamtliche Abertausende von Arbeitsstunden in den Erhalt der Anlage. Der Radsportenthusiast Jürgen Apel und seine Mitstreiter vom Verein „Radrennbahn Hannover“ tauschten kilometerweise marode Holzlatten aus. Eine Sisyphosarbeit.

Dennoch gingen hier im Sommer 2017 die letzten Rennen über die Bühne, im Jahr darauf wurde die Bahn stillgelegt. In einer von Wehmut geprägten Rede beschwor der langjährige Vereinsvorstand Reinhard Kramer Politik und Verbände, einen Ersatz zu schaffen: „Hannover hat als Sportstadt Nummer eins keine Zukunft ohne Radrennbahn!“

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