Ein Automat weiß Rat
Eine Kunstinstallation in der Altstadt spielt mit dem Wunsch nach einfachen Antworten

Weisheiten aus derKugel: Der „Antwortomat“ in der Altstadt soll ein kleines Lächeln im Alltagzaubern.Foto: Cameo Kollektiv
Hannover. Manche Fragen begleiten einen nur ein paar Minuten, andere deutlich länger: Soll ich anrufen? Soll ich absagen? Soll ich es einfach machen? Wer darauf keine rechte Antwort findet, kann in Hannovers Altstadt neuerdings den Zufall bemühen. An der Außenwand der „Zur guten Absicht“ in der Schuhstraße 9 hängt der „Antwortomat“ – eine Kunstinstallation, die auf Fragen kleine Antworten aus der Kugel liefert.Das funktioniert denkbar unkompliziert: Eine Frage überlegen, die sich mit Ja oder Nein beantworten lässt, eine Kugel ziehen und nachsehen, was der Automat dazu meint. Für deutsch- und englischsprachige Antworten gibt es jeweils einen eigenen Schacht. Ob die Botschaft nun verblüffend passend, völlig daneben oder einfach nur amüsant ausfällt, gehört zum Spiel.

Ernsthafte Lebensberatung will der Antwortomat natürlich nicht leisten. Vielmehr macht sich das Projekt einen Spaß daraus, wie gern Menschen bei Entscheidungen nach einem kleinen Schubs suchen. Manchmal reicht schließlich schon eine Münze in der Luft, ein Los oder eben eine Kugel aus einem Automaten, um plötzlich zu merken, welche Antwort man eigentlich lieber gehabt hätte.

Der Gedanke passt in eine Zeit, in der Antworten meist nur wenige Klicks entfernt scheinen. Suchmaschinen, Nachrichtenangebote und soziale Netzwerke liefern ständig Informationen, Empfehlungen und Vorschläge. Algorithmen versuchen sogar vorherzusagen, was interessieren, gefallen oder als Nächstes gebraucht werden könnte. Der Antwortomat macht genau das Gegenteil: Er kennt weder die Frage noch den Menschen davor. Er sammelt keine Vorlieben, errechnet keine passende Empfehlung und möchte auch nicht besonders treffsicher sein. Seine Antwort steckt schlicht zufällig in einer Kugel.

Gerade darin liegt der Witz der Installation des Cameo Kollektivs. Zwischen all den möglichst passgenauen digitalen Vorschlägen erlaubt sich der Antwortomat völlige Ahnungslosigkeit. Und trotzdem kann seine Botschaft einen Gedanken auslösen. Vielleicht wird darüber gelacht, vielleicht kurz gestutzt oder die gezogene Antwort sofort verworfen. Manchmal dürfte auch erst beim Lesen auffallen, dass man insgeheim längst auf ein bestimmtes Ja oder Nein gehofft hatte. Der Standort passt zu diesem spielerischen Umgang mit Fragen. Die „Zur guten Absicht“ ist ein gemeinnütziges Mini-Kulturzentrum in der Hannoverschen Altstadt. Dort geht es um Ideen, Wünsche und Kritik rund um das Zusammenleben in der Stadt. Aus diesen Gedanken entstehen Projekte, Veranstaltungen und kleinere Experimente.

Zur Einrichtung gehört auch die „Galerie für Utopien“, in der immer wieder die Frage mitschwingt, wie Dinge auch anders sein könnten.

Mit dem Antwortomaten landet dieses Nachdenken direkt draußen auf der Straße. Niemand muss eine Ausstellung besuchen oder sich vorher mit einem Konzept beschäftigen. Wer an der Schuhstraße vorbeikommt, kann einfach stehen bleiben und ausprobieren, was passiert. Gerade diese unkomplizierte Form macht die Installation reizvoll: Sie erklärt sich in wenigen Sekunden und funktioniert trotzdem erst richtig durch die Menschen, die sie benutzen.

Dabei braucht es gar keine großen Lebensfragen. Ob es um einen neuen Haarschnitt, eine Nachricht an einen alten Bekannten oder den nächsten Kaffee geht, ist dem Automaten herzlich gleichgültig. Die Antwort steckt längst in der Kugel. Was man daraus macht, bleibt allerdings weiterhin eigene Sache.

So wird aus einer kleinen Maschine an einer Hauswand ein vergnügliches Kunstprojekt, das für kurze Unterbrechungen im Alltag sorgt. Ein bisschen Zufall, ein bisschen Neugier – und womöglich die Erkenntnis, dass eine völlig unberechnete Antwort manchmal mindestens so interessant sein kann wie eine, die ein Algorithmus eigens ausgesucht hat.

Der Antwortomat ist jederzeit von außen an der „Zur guten Absicht“, Schuhstraße 9, zugänglich. Das Projekt stammt vom Cameo Kollektiv und wird vom Kulturbüro Hannover gefördert. R/HR
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