Vorsicht beim Naschen vom Strauch
Brombeeren und Co.: Wie hoch ist das Risiko, sich im Garten mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren?
Ein Blick auf die Fakten.

Gefährlicher Parasit: Die Eier des Fuchsbandwurms können an Beeren haften, allerdings kommt eine Infektion beim Menschen relativ selten vor.Foto: Uwe Anspach/dpa

Es gibt Warnungen vor Gefahren, die halten sich über Generationen. Etwa, wenn kleine Kinder durch Gärten stapfen und reife Beeren von Sträuchern und Stauden pflücken und sich in den Mund schieben wollen. „Nein, nicht essen! Wegen Fuchsbandwurm“, heißt es dann von besorgten Müttern und Vätern. Doch ist es wirklich so schlimm, wenn man hier und da im Garten Brombeeren, Stachelbeeren oder kleine wilde Erdbeeren nascht?

Auch Ernährungswissenschaftlerin Daniela Krehl hat diese Warnung von ihren Eltern und Großeltern gehört: „Iss keine Beeren direkt vom Strauch – da könnte der Fuchs drüber gelaufen sein.“ Ein Satz, der sich hartnäckig hält, so die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern.

Ihr Urteil: „Ganz falsch ist er nicht – aber er erzählt nur die halbe Geschichte.“ Das klingt nach einer kleinen Entwarnung für gelegentliches Naschen. Doch einen Freifahrtschein geben will Krehl nicht: „Der Fuchsbandwurm ist tatsächlich ein gefährlicher Parasit. Die Eier werden über den Kot infizierter Füchse ausgeschieden und können theoretisch an bodennah wachsenden Pflanzen oder Beeren haften“, erklärt sie. Die gute Nachricht: „Eine Erkrankung beim Menschen kommt selten vor.“

Dass heute mehr Fälle diagnostiziert würden als früher, liege vor allem an modernen Bildgebungsverfahren, die die Erkrankung häufiger entdecken, sagt die Expertin. „Das persönliche Risiko bleibt aber insgesamt sehr gering: etwa 40 bis 50 Neuinfektionen gibt es im Jahr. Besonders betroffen sind Süddeutschland sowie Teile Österreichs, der Schweiz und Frankreichs.“

Aber der heimische Garten sei kein Hochsicherheitslabor – und daher schade ein wenig Küchenhygiene auch nicht, meint Krehl. Insbesondere für Schwangere, kleine Kinder oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem sei es sinnvoll, die Beeren vor dem Verzehr zu waschen. Doch viel wichtiger als die einzelne saubere Himbeere ist Krehl zufolge, dass nach der Gartenarbeit oder nach dem Kontakt mit Erde die Hände gründlich gewaschen werden.

Als erste Beschwerden nach einer Infektion mit Fuchsbandwurm treten häufig Schmerzen im Oberbauch auf, so die „Internisten im Netz“. Mit zunehmender Krankheitsdauer fühlen sich die Betroffenen schlapp und müde und verlieren an Gewicht. Manche haben Fieber, einige leiden unter Blutarmut, beschreibt der Berufsverband der deutschen Internisten und Internistinnen erste Symptome. Sie treten allerdings erst zehn bis 15 Jahre nach der Infizierung auf. Daher ist der Ansteckungsweg für Betroffene oft nicht mehr nachvollziehbar.

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