Gegen Muskelkater & Co.
Schon lange wird Beinwell geschätzt: Es lindert Schmerzen, unterstützt die Geweberegeneration, hemmt Entzündungen.
Und mit wenigen Handgriffen ist die Medizin aus dem Garten sogar selbst hergestellt.

Am häufigsten angewendet: Beinwell als Salbe gibt es als Fertigarzneimittel in der Apotheke.Foto: IMAGO/Depositphotos

Wenn es im Rücken zwickt oder die Muskeln nach einer Belastung ächzen, kann eine altbewährte Heilpflanze aus dem Garten die Schmerzlinderung unterstützen: Beinwell wird seit Jahrhunderten bei Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt. Ob als Salbe, Tinktur oder Fußbad – die robuste Pflanze enthält mehrere Inhaltsstoffe, die die Regeneration unterstützen können.

Echter Beinwell (Symphytum officinale L.) gehört zur Familie der Raublattgewächse. Typisch sind seine behaarten Blätter, borstigen Stängel und die violetten Blüten. In unseren Breiten wächst er vor allem auf feuchten Wiesen und an Gewässerrändern. Schon früh wurde die Pflanze in der Volksmedizin geschätzt, da sie verschiedene wirksame Inhaltsstoffe enthält. Besonders relevant ist Allantoin, das die Geweberegeneration unterstützen kann. Daneben legen sich enthaltene Schleimstoffe wie ein schützender Film auf die Haut und wirken beruhigend, während Rosmarinsäure entzündungshemmende Eigenschaften besitzt. Gemeinsam können diese Substanzen dazu beitragen, Schwellungen zu reduzieren, Schmerzen zu lindern und den Heilungsprozess zu unterstützen.

Wichtig: Beinwell ist ausschließlich zur äußerlichen Anwendung geeignet. Von einer inneren Anwendung – etwa als Tee oder in Kapselform – wird ausdrücklich abgeraten. Der Grund sind sogenannte Pyrrolizidinalkaloide, die unter anderem die Leber schädigen können.

Beinwell wird traditionell bei zahlreichen Beschwerden des Bewegungsapparates eingesetzt – vor allem bei Prellungen, Verstauchungen, Zerrungen, Sehnenreizungen und Gelenkbeschwerden. Auch nach intensiver körperlicher Belastung, etwa durch Sport oder körperliche Arbeit, kann die Anwendung als angenehm empfunden werden. Idealerweise erfolgt sie möglichst früh im Heilungsprozess, um diesen zu unterstützen.

Verwendet werden sowohl die Beinwellwurzel (Symphyti radix) als auch das oberirdische Kraut (Symphyti herba). Die Wurzel ist auf europäischer Ebene durch das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) als traditionelles pflanzliches Arzneimittel anerkannt. Für die Blätter zeigen zudem klinische Studien Hinweise auf eine Wirksamkeit bei Prellungen, Verstauchungen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen.

Am häufigsten wird Beinwell in Form von Salben verwendet – insbesondere bei Verspannungen und Muskelkater. Diese sind als Fertigarzneimittel in der Apotheke erhältlich, lassen sich aber auch mit wenigen Handgriffen selbst herstellen. Dafür wird zerkleinerte Beinwellwurzel (oder Pulver) mit einem hautfreundlichen Öl wie Mandel- oder Jojobaöl gemischt und bei niedriger Temperatur etwa 30 Minuten erwärmt. Anschließend wird die Mischung abgeseiht und mit geschmolzenem Bienenwachs oder einer pflanzlichen Alternative verrührt, bis eine streichfähige Konsistenz entsteht.

Wer möchte, kann einige Tropfen ätherisches Öl für den Duft hinzufügen. Die Salbe ein- bis mehrmals täglich dünn auftragen und sanft einmassieren, das kann die Durchblutung zusätzlich anregen.

Ein Beinwell-Fußbad ist schnell zubereitet und kann nach langen Tagen auf den Beinen oder nach sportlicher Belastung dazu beitragen, beanspruchte Füße und Waden zu entspannen und die Muskulatur zu lockern. Dafür wird eine Handvoll getrockneter Beinwellblätter mit heißem Wasser übergossen und etwa zehn bis 15 Minuten ziehen gelassen. Anschließend mit warmem Wasser auffüllen und die Füße rund 15 Minuten darin baden. Bei Bedarf kann das Fußbad regelmäßig wiederholt werden.

Für die Anwendung zwischendurch eignet sich eine Beinwell-Tinktur – etwa bei kleineren Prellungen, leichten Verstauchungen oder muskulären Beschwerden. Dafür werden 150 Gramm frische oder 100 Gramm getrocknete, grob zerkleinerte Beinwellwurzel mit 500 Millilitern Alkohol (mindestens 40 Prozent) in ein verschließbares Gefäß gegeben. Dieses wird mindestens drei Wochen dunkel gelagert und gelegentlich geschüttelt, damit sich die Inhaltsstoffe gut lösen. Anschließend wird die tiefdunkle Tinktur abgeseiht und in eine saubere Flasche gefüllt. Kühl und lichtgeschützt gelagert ist sie rund zwei Jahre haltbar. Zur Anwendung werden einige Tropfen auf die betroffene Stelle gegeben oder als Umschlag verwendet.

Beinwell ist ein bewährtes Hausmittel bei stumpfen Alltagsverletzungen, Muskelkater oder leichten Überlastungsbeschwerden. Dennoch sollte die Pflanze stets verantwortungsvoll eingesetzt werden. Offene oder gereizte Hautstellen sollten nicht damit behandelt werden. Auch in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern im Alter unter drei Jahren wird von der Anwendung abgeraten, da hierzu keine ausreichenden Erkenntnisse vorliegen.

Außerdem gilt: nicht dauerhaft anwenden. Auch wenn die problematischen Alkaloide über intakte Haut kaum aufgenommen werden, sollte Beinwell ohne ärztlichen Rat insgesamt nicht länger als zehn Tage verwendet werden. Bei starken oder anhaltenden Beschwerden ist medizinischer Rat ohnehin immer empfehlenswert.

150 Gramm frische, grob zerkleinerte Beinwellwurzel mit 500 Millilitern Alkohol in ein Gefäß gegeben und mindestens drei Wochen dunkel gelagert, lässt eine Tinktur entstehen, die gegen leichte Prellungen und Verstauchungen wirkt.

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