Japankäfer gesichtet
Pflanzenschutzamt verstärkt Kontrollen und bittet Bevölkerung um Mithilfe

Bei Gefahr spreizt der Japankäfer ein Beinpaar ab. Bei heimischen Käferarten ist dieses Verhalten nicht bekannt.Foto: Pascal Schmidt / LWK Niedersachsen
Hannover. Am Flughafen Hannover sind erstmals in Niedersachsen zwei Japankäfer entdeckt worden. Der meldepflichtige Pflanzenschädling ging dem Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Lockstofffallen ins Netz. Nach Einschätzung des Pflanzenschutzamtes wurden die Tiere wahrscheinlich als „blinde Passagiere“ mit einem Flugzeug oder Lastwagen aus einem bereits befallenen Gebiet eingeschleppt. Hinweise auf eine größere Population gibt es bislang nicht. Dennoch wird die Überwachung rund um den Flughafen ausgeweitet.

Bei der Suche nach weiteren Tieren ist auch die Bevölkerung gefragt. Wer einen verdächtigen Käfer entdeckt, sollte ihn fotografieren und möglichst in einem verschlossenen Glas einfangen. Funde und Verdachtsfälle müssen dem Pflanzenschutzamt unverzüglich gemeldet werden. Entdeckungen in der Umgebung des Flughafens Hannover können zusammen mit einem Foto per E-Mail an japankaefer@lwk-niedersachsen.de geschickt werden. Für alle anderen Fundorte ist die Adresse pflanzengesundheit@lwk-niedersachsen.de vorgesehen.

Der Japankäfer gilt als Unionsquarantäneschädling und kann erhebliche Schäden verursachen. Seine Larven entwickeln sich im Boden und fressen bevorzugt an den Wurzeln von Gräsern in Rasenflächen, Wiesen und Weiden. Die ausgewachsenen Käfer schädigen Blätter, Blüten und Früchte. Mehr als 400 Pflanzenarten können befallen werden. Dazu zählen unter anderem Ahorn, Buche, Eiche, Obstbäume, Weinreben, Haselnuss, Rosen, Mais und Soja. Eine dauerhafte Ansiedlung könnte daher den Obstbau, Baumschulen, Land- und Forstwirtschaft sowie private Gärten und öffentliche Grünanlagen betreffen.

Die erwachsenen Käfer fliegen hauptsächlich von Juni bis September. Sie werden häufig unbemerkt über Verkehrswege verbreitet. Tiere können in Güterzügen, Lastwagen, Autos oder Campingwagen mitreisen und sich im Reisegepäck verbergen. Eier und Larven können zudem über Erde, Pflanzballen oder Substrate aus Befallsgebieten verschleppt werden.

Der Schädling wurde 2014 nach Norditalien eingeschleppt und hat sich von dort in weitere Teile Europas ausgebreitet. Vorkommen gibt es inzwischen auch in der Schweiz sowie in Teilen Hessens und Baden-Württembergs. Reisende, die aus solchen Gebieten zurückkehren, können eine weitere Verbreitung verhindern, indem sie Fahrzeuge und Gepäck vor der Heimfahrt gründlich kontrollieren. Pflanzen und Schnittblumen sollten nicht aus Befallsgebieten mitgebracht werden.

Der Japankäfer ist etwa so groß wie eine Kaffeebohne. Er besitzt bräunliche Flügeldecken sowie einen grün-metallisch schimmernden Kopf und Halsschild. Dadurch kann er mit heimischen Arten wie dem Gartenlaubkäfer verwechselt werden. Ein wichtiges Erkennungsmerkmal sind fünf weiße Haarbüschel an jeder Körperseite unterhalb der Flügeldecken und zwei weitere am Hinterende. Fehlen diese weißen Büschel, handelt es sich nicht um einen Japankäfer. Auffällig ist zudem sein Verhalten bei Gefahr: Dann spreizt das Tier ein Beinpaar seitlich ab. Dieses Alarmverhalten ist von einheimischen Käfern nicht bekannt. RED

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