Suchthilfe veröffentlicht neuen Film

Hannover. Niedersachsen verfügt derzeit nur über einen einzigen Drogenkonsumraum. Darauf macht die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen anlässlich des bundesweiten Gedenktags für verstorbene Drogengebrauchende aufmerksam. Begleitet wird der Aktionstag von einem neu veröffentlichten Film über den Kontakt- und Konsumraum „Stellwerk“ in Hannover, der die Arbeit der Einrichtung vorstellt und zugleich auf die Situation suchtkranker Menschen aufmerksam machen soll.

Das Stellwerk besteht seit 2017 und bietet Menschen, die illegalisierte Drogen konsumieren, die Möglichkeit, mitgebrachte Substanzen unter fachlicher Aufsicht einzunehmen. Nach Angaben der Suchthilfe verfolgt das Angebot das Ziel, gesundheitliche Risiken zu verringern, drogenbedingte Todesfälle zu verhindern und Betroffene an weiterführende Hilfen heranzuführen.

Nach Darstellung des Trägers beschränkt sich die Arbeit der Einrichtung nicht auf die Begleitung des Konsums. Besucher erhalten dort unter anderem medizinische Erstversorgung, psychosoziale Beratung sowie Unterstützung im Alltag. Zum Angebot gehören außerdem Dusch- und Waschmöglichkeiten, die Ausgabe von Lebensmitteln und Hilfe bei der Vermittlung weiterer sozialer und medizinischer Angebote. Ergänzt wird die Arbeit durch Streetwork, bei der Mitarbeitende Menschen direkt in ihrem Lebensumfeld aufsuchen.

Mit der Veröffentlichung des Films will die Paritätische Suchthilfe nach eigenen Angaben die Bedeutung niedrigschwelliger Hilfsangebote verdeutlichen. „Der Film zeigt, wie wichtig niedrigschwellige Angebote sind und welche Rolle persönliche Begegnung in der Suchthilfe spielt. Menschen werden hier nicht auf ihren Konsum reduziert, sondern mit ihren individuellen Bedürfnissen und Lebensgeschichten wahrgenommen“, sagt Fabienne Kuschel, stellvertretende Einrichtungsleiterin des Stellwerks.

Der Aktionstag erinnert seit 1998 bundesweit an Menschen, die an den Folgen ihres Suchtmittelkonsums gestorben sind. Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurden im Jahr 2025 deutschlandweit 2.150 drogenbedingte Todesfälle registriert. Die Zahl bewegt sich damit weiterhin auf einem hohen Niveau. Nach Einschätzung der Suchthilfe verschärfen neue Entwicklungen wie die stärkere Verbreitung von Crack, synthetischen Opioiden und Mischkonsum die Situation zusätzlich.

Vor diesem Hintergrund fordert die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen einen weiteren Ausbau der Suchthilfe. „Die steigende Zahl drogenbedingter Todesfälle zeigt, dass wir die Suchthilfe nachhaltig stärken müssen. Gerade auch im Hinblick auf das sich ändernde Konsumverhalten junger Menschen brauchen wir mehr Prävention. Wir benötigen flächendeckend niedrigschwellige Angebote wie Drogenkonsumräume, die einen wichtigen Beitrag zur Überlebenshilfe leisten. Wir müssen die Betroffenen dort abholen, wo sie sind. Mobile und aufsuchende Angebote müssen ausgebaut werden. Und ganz entscheidend ist eine verlässliche Finanzierung der gesamten Versorgungslandschaft. Nur eine dauerhaft abgesicherte Suchthilfe kann Menschen in schwierigen Lebenssituationen erreichen und ihnen passende Hilfen und Überlebenshilfen anbieten“, so Geschäftsführer Serdar Saris.

Die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen gehört mit mehr als 600 Beschäftigten an über 50 Standorten zu den größten Trägern der Sucht- und Jugendhilfe im Land. Das Stellwerk in Hannover ist nach Angaben der Organisation weiterhin der einzige Drogenkonsumraum in Niedersachsen. Der jetzt veröffentlichte Film dokumentiert die Arbeit der Einrichtung und ist auf dem YouTube-Kanal der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen unter youtu.be/jxLv5qLbSHQ abrufbar. RED
Druckansicht