Wenn die Kultur nach draußen zieht
Sommer im Kulturdreieck: Kino, Konzerte, Gesang, Tanz und mehr – bei freiem Eintritt

Open-Air-Kino zwischen Oper, Schauspiel und Künstlerhaus: Im Kulturdreieck werden Kultfilme auf die Leinwand gebracht.Foto (Archiv): Irving Villegas
Hannover. Die Kultur zieht nach draußen, und Hannovers Innenstadt bekommt Ende August eine Woche lang eine große Bühne unter freiem Himmel und bei freiem Eintritt. Beim „Sommer im Kulturdreieck“ rücken von Donnerstag, 27. August, bis Mittwoch, 2. September, Film, Musik, Tanz und Theater hinaus auf Plätze, in Höfe, Foyers, Geschäfte und auf den Opernplatz. Rund um Oper, Schauspiel und Künstlerhaus verlagert sich Kultur für eine Woche aus den Häusern hinaus in den öffentlichen Raum.

Im Mittelpunkt steht das Open-Air-Kino des Kommunalen Kinos im Künstlerhaus. Wenn es abends dunkler wird, verwandelt sich der Opernplatz in einen Kinosaal ohne Dach. Auf einer großen LED-Leinwand laufen Filme, bei denen Musik und große Gefühle den Ton angeben. Das Publikum sitzt auf mitgebrachten Picknickdecken, Campingstühlen oder Klapphockern.

Los geht es am Donnerstag, 27. August, um 19 Uhr einem Format, das auf Gemeinschaft setzt. Erstmals ist auf dem Opernplatz „Musste Singen! Live“ zu erleben, ein Abend von HAZ-Redakteur Volker Wiedersheim. Die Hauptrolle spielt dabei nicht eine einzelne Sängerin oder ein einzelner Sänger, sondern das Publikum selbst. Eine Band aus Studierenden der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover begleitet bekannte Songs, die viele sofort mitsingen können. Die Auswahl reicht von Popklassikern bis zu aktuellen Hits.

Danach übernimmt das Kino. Zum Start des Filmprogramms zeigt das Kommunale Kino am Donnerstag, 27. August, „Dirty Dancing“ aus dem Jahr 1987. Der Film passt zum Festival wie kaum ein anderer: große Musik, große Gefühle und genügend Szenen, bei denen Mitsingen und Mitwippen schwer zu vermeiden sein dürfte. Auch an den folgenden Abenden bleibt Musik der rote Faden. Am Freitag, 28. August, trifft der Film „Das melancholische Mädchen“ von 2019 auf elektronische DJ-Sets. Am Sonnabend, 29. August, wird die Stummfilmkomödie „Ausgerechnet Wolkenkratzer“ von 1923 gezeigt, live begleitet von Richard Siedhoff am Klavier. Am Montag, 31. August, läuft der romantische Krimi „Bodyguard“ von 1992 mit Whitney Houston. Am Dienstag, 1. September, folgt mit „The Rocky Horror Picture Show“ von 1975 ein Film, der seit Jahrzehnten vom Mitmachen lebt. Den Abschluss macht am Mittwoch, 2. September, „Saturday Night Fever“ von 1977 mit John Travolta auf dem Tanzparkett.

Bevor die Filme beginnen, gehört die Fläche der freien Szene Hannovers. Unter dem Titel „Vorspann“ präsentiert die VereinteKultur an vier Abenden jeweils eine Stunde vor Filmbeginn Künstlerinnen, Künstler und Kollektive aus der Stadt. Geplant sind Performances, Musik, Tanz und Formate, die sich nicht sauber in eine einzelne Sparte einsortieren lassen. So wird der Opernplatz nicht nur zur Kinofläche, sondern auch zum Schaufenster für künstlerische Positionen, die Hannovers Kulturleben prägen.

Auch am Nachmittag gibt es Programm. Am Freitag, 28. August, verbindet die Reihe „HörMal! – Denkmal und Musik in Niedersachsen“ Stadtgeschichte mit Klang und Bewegung. Pianistin Marina Baranova spielt um 15 Uhr am Outdoor-Piano auf dem Opernplatz. Sie greift Geräusche der Umgebung auf und formt daraus eine musikalische Hommage an Hannover. Dazu treten die Tänzerinnen des Duos Livalucia auf. Klavier und Bewegung reagieren unmittelbar aufeinander; aus dem Zusammenspiel entsteht eine Performance ohne Worte. Schon ab 13.45 Uhr führen Janine Teßmer und Rocco Curti vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege über den denkmalgeschützten Opernplatz. Für die Führung ist eine Anmeldung per E-Mail an nld-veranstaltungen@nld.niedersachsen.de erforderlich, da die Zahl der Plätze begrenzt ist. Treffpunkt ist das Outdoor-Piano auf dem Opernplatz.

Am Sonnabend, 29. August, richtet sich der Blick besonders auf die freie klassische Musikszene. Das Format „hell handelt“ bringt in der Reihe „Der Handel tanzt mit!“ Konzerte an Orte, an denen man sie nicht unbedingt erwartet: unter anderem in das Foyer des Motel One Hannover-Oper, in die GALERIA Hannover, zu Kreipes CoffeeTime und in den Teeladen P&T. Initiiert wurde das Projekt vom Landesverband Freie Klassik Niedersachsen und Musikland Niedersachsen. Eröffnet wird „hell“ am Sonnabendvormittag beim „Offenen Foyer“ der Staatsoper mit Konzerten, einem Gesprächsformat und Mitsingangeboten für Kinder.Ein großer Festtag folgt am Sonntag, 30. August. Staatsoper, Staatsballett und Schauspiel Hannover starten mit einem Theater- und Hoffest in die neue Spielzeit. Bespielt werden der Opernplatz, der Kulturhof, das Opernhaus, das Schauspielhaus, der Ballhof und die Cumberlandsche. Shows, Führungen, Gespräche, Tanz und Musik geben Einblicke in das neue Programm und in die Arbeit hinter den Kulissen. Das Fest beginnt um 11 Uhr mit einem Frühstück auf dem Opernplatz. Ab 20 Uhr geht es im Opernhaus mit dem Eröffnungskonzert und einer anschließenden Night-Show des GOP Varieté-Theaters weiter. In der Cumberlandschen feiert das Schauspiel die Opening Party „That’s Amore“. Auch draußen kann das Eröffnungskonzert auf der Kinoleinwand am Opernplatz verfolgt werden.Zu m Finale am Mittwoch, 2. September, übernimmt der Tanz den Stadtraum. Das Projekt „Choreo to go“ von Tanzpunkt Hannover setzt auf Bewegung ohne feste Bühne. Sechs Choreografinnen und Choreografen aus verschiedenen Tanzrichtungen haben dafür gemeinsam einen Score entwickelt, eine Art Partitur für Körper im öffentlichen Raum. Lokale Tänzerinnen und Tänzer aus Urban Dance, zeitgenössischem Tanz und Ballett setzen ihn in der Innenstadt um – ohne Proben, direkt im Moment und im Zusammenspiel mit der Umgebung. Der Bewegungs-Score soll anschließend als Open-Source-Werkzeug auch an andere Orte in Deutschland weitergegeben wer den. R/HRDas detaillierte Programm
soll ab Anfang August unter
hannover.de/kulturdreieck
veröffentlicht werden.
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