Auch der Mitte März eingeführte Tarif „Üstra easy“ wird erhöht. Der per App gesteuerte Digitaltarif rechnet nach dem Luftlinien-Prinzip ab – der sogenannte Fahrtendeckel beträgt künftig 5,90 Euro statt 5,70 Euro, der Monatsdeckel steigt um 5 Euro auf 70 Euro.
Das Deutschlandticket ist von der Preisanhebung allerdings nicht betroffen, es kostet monatlich 63 Euro (35,40 Euro im Sozialtarif). Die Finanzierung durch Bund und Länder ist gesetzlich bis 2030 gesichert. Ende 2025 besaßen nach Üstra-Angaben 112.413 Personen ein Deutschlandticket oder ein Deutschlandticket Job.
Die Region als Trägerin des Nahverkehrs begründet den Preisanstieg mit allgemeinen Kostensteigerungen etwa beim Strom und höheren Personalkosten durch Tarifanhebungen. Seit 2024 hebt die Region die Preise im Nahverkehr des GVH jedes Jahr an. Regions-Verkehrsdezernent Ulf Birger Franz (SPD) sagt dazu: „Es ist besser, jedes Jahr etwas kleiner anzuheben, als längere Zeit nichts zu machen, um dann kräftig zu erhöhen.“
Die Tariferhöhungen bei der Üstra lagen zu Beginn der Jahre 2025 und 2026 bei durchschnittlich 3,3 Prozent und 3,12 Prozent. Im Jahr 2024 waren es sogar mehr als 7 Prozent. Die für Januar 2027 geplante Anhebung bezeichnet die Region als „moderat und marktgerecht“. Ab 2027 rechnet sie mit Mehreinnahmen von 4,4 Millionen Euro.Auch weitere Ticketformate werden ab Januar teurer. Das Kurzticket (maximal drei Stationen mit der Stadtbahn oder bis zu fünf Stationen mit dem Bus) kostet dann 1,90 Euro, das sind 10 Cent mehr. Am stärksten steigen die Preise für die 6er-Einzelkarten. Für zwei Zonen werden künftig 27 Euro fällig, das sind 2,50 Euro mehr (gut 10 Prozent). Wer in allen drei Zonen unterwegs ist, bezahlt künftig 32,50 Euro (plus 8 Prozent oder 2,40 Euro mehr). Die Kosten für den 6er-Block in einer Zone betragen 20,90 Euro – ein Plus von 1,20 Euro oder 6,1 Prozent.
Die Verkehrspolitiker der Region haben der neuen Tarifstaffelung mehrheitlich bereits zugestimmt, die abschließende Behandlung in der Regionsversammlung Ende Juni ist deshalb nur noch Formsache. Ein Nein kommt hingegen von der CDU. Die Fraktion fordert eine grundlegende Vereinfachung der Tarife.
Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) ist gegen eine Anhebung, sie begründet dies mit den seit Jahren steigenden Tarifen im Nahverkehr. „Der aktuelle Preisanstieg liegt deutlich über der Inflationsrate in Deutschland“, sagt Vize-Fraktionsvorsitzender Ulrich Wolf. Seit Anfang der 2020er-Jahre handele es sich insgesamt um einen Preisanstieg von etwa 20 Prozent – zu viel, findet das BSW. Gegenargument der SPD: „Das Fahrpersonal fordert höhere Löhne, das Geld muss ja irgendwoherkommen“, merkte der Abgeordnete Jonas Farwig an.
Die Region Hannover argumentiert, dass nur ein Teil der Üstra-Kunden von den Tariferhöhungen betroffen sei. So würden die Preise für Einzelkarten und Gruppentickets für Kinder nicht angehoben, auch nicht im „Easy Tarif”. Die Jugendnetzkarte und das Semesterticket bleiben ebenfalls preisstabil.
Im Vergleich zu anderen Verkehrsverbünden liegt die Üstra im Schnitt, wie sich am Beispiel des Einzeltickets zeigt. In München und Augsburg kostet es 4,20 Euro, in Berlin 4 Euro (Tarifbereich AB; für die Kurzstrecke 2,80 Euro). In Hamburg zahlen Fahrgäste für das Einzelticket 4,10 Euro (Bereich AB; im Nahbereich 3,50 Euro). In Frankfurt am Main, Düsseldorf und Köln liegt der Preis bei jeweils 3,80 Euro.