Stadtbezirksbürgermeister Thorsten Baumert und Dr. Jens Binner, Direktor des ZeitZentrums Zivilcourage, enthüllten die Tafel in der vergangenen Woche. Interessierte können sich seitdem an der Podbielskistraße/Ecke Pelikanplatz über die Industriegeschichte des Quartiers und die Rolle der früheren Pelikan-Werke im Nationalsozialismus informieren.
Die Tafel ordnet den Pelikanplatz in die industrielle Entwicklung der List ein. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelten sich entlang der damaligen Celler Chaussee, der späteren Podbielskistraße, zahlreiche Betriebe an. Zu den prägenden Unternehmen gehörten die Günther Wagner Pelikan-Werke, deren Hauptsitz ab 1905/06 an der Podbielskistraße entstand. Nach dem Ende der Fabriknutzung entwickelte sich aus dem früheren Werksgelände das heutige Pelikanviertel mit Wohnungen, Büros, Dienstleistungen und denkmalgeschützten Gebäuden.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Jahren 1939 bis 1945. Die Pelikan-Werke und die ausgegliederten Verpackungswerke galten im Zweiten Weltkrieg als kriegswichtig. Mehr als 2000 Menschen, überwiegend aus Polen und der Sowjetunion, mussten an den Standorten Podbielskistraße und Hansastraße Zwangsarbeit leisten. Die Tafel thematisiert auch die sogenannten Arbeitserziehungslager auf dem Werksgelände, die der Gestapo unterstanden und mit Zustimmung der Unternehmensleitung betrieben wurden.Damit verbindet die neue Informationstafel die sichtbare Stadtentwicklung am Pelikanplatz mit einem bislang weniger präsenten Kapitel der lokalen Erinnerungskultur. Denn hinter dem heutigen Wohn- und Gewerbequartier steht nicht nur Industriegeschichte, sondern auch eine Geschichte von Ausbeutung, Verfolgung und Verantwortung.