Paszeks nächster Gold-Flug
Hannovers Kanu-Ass gewinnt trotz Infekts bei der EM im Zweier. Thordsen verpasst das A-Finale.

In dieser Saison im K2 ungeschlagen: Paulina Paszek (links) und Pauline Jagsch.Foto: privat
Hannover. Paulina Paszek hatte keine Zweifel. „Wenn wir fahren, wird es klappen“, sagte die Rennkanutin des Hannoverschen Kanu-Clubs (HKC). Aber sie war angeschlagen, hatte einen hartnäckigen Infekt. Dass sie starten konnte, stand lange nicht fest. Letztlich sauste sie bei der Europameisterschaft im portugiesischen Montemor-o-Velho zu Gold im Zweier mit der Berlinerin Pauline Jagsch. „Wir haben es gerockt und bewiesen, dass die beiden Siege im Weltcup kein Zufall waren“, sagte Paszek.

Fast drei Wochen hatte die 28-Jährige nach dem Weltcup-Erfolg in Brandenburg nicht trainieren können. „Ich spürte und spüre es noch, dass da etwas im Körper ist“, so die Lindenerin. Mit einer Sauerstofftherapie beschleunigten die Ärzte ihre Genesung. „Wir haben sehr sorgfältig abgewogen, ob ein Start okay ist. Kleine Tests in Portugal haben gezeigt, dass es funktioniert“, sagte Landestrainer Jan Francik.

Nach den Vorläufen im K2 sowie im K4 „war mein Körper geschockt, das war ja von Null auf 120“, so Paszek. Vor dem Finale mit Jagsch, die im ebenfalls olympischen K1 mit 0,8 Sekunden Vorsprung Gold holte, hatte Paszek ein jenes gute Gefühl, das sie vor Siegen hat: „Die Anspannung und den Fokus, aber auch die Leichtigkeit. Da wusste ich, wir werden wieder fliegen.“ Paszek/Jagsch verwiesen das polnische Boot mit einer halben Sekunde Vorsprung auf Platz zwei. Die EM habe fast den Stellenwert einer WM, sagte Francik: „Nur Australien und China hätten uns gefährlich werden können. Das war ein überragendes Rennen.“

Gut war auch der Auftritt des deutschen Vierers, in dem Paszek am Schlag saß. Mit der Dresdnerin Nele Reinwardt, Jagsch und Finja Hermanussen vom KC Limmer kämpfte sich die Crew nach schwachem Start im Vorlauf ins Finale. Da lief es deutlich besser, reichte allerdings knapp nur zu Platz vier. „Unter den Bedingungen war das in Ordnung, zufrieden sind wir aber nicht“, sagte Paszek, „es war nicht cool, ich musste kämpfen.“ Die DKV-Crew war diesmal gut gestartet. „Aber zwischendurch haben sie sich verloren. Das passiert, wenn eine Besetzung nicht so zusammenfährt“, sagte Francik.

Diese Crew habe allerdings Potenzial, unterstrich der Landestrainer: „Wir wollen beim nächsten Weltcup und bei der WM um eine Medaille mitfahren, das ist klar.“ Hermanussen ist inzwischen Sportsoldatin und macht ihre Sache gut, sagte Francik: „Sie hat sich etabliert in diesem Boot.“

Für Paszek ist nun Regeneration angesagt. „Die Sonne und die Luft am Atlantik haben mir gutgetan. Sie haben positive Energie gebracht“, so Paszek. Bis zum Weltcup in Montreal bleiben zwei Wochen, sich zu erholen.

Für Jakob Thordsen vom HKC reichte es in Portugal nur zu Platz zwei im K1 im B-Finale. Der Olympia-Finalist der Spiele von Paris plagte sich lange mit einem Infekt herum, dazu kamen Probleme mit der Hüfte. „Jakob quält sich durch die Saison, aber es wird besser“, so Francik. Mit Hilfe eines Kinesiologen sei es gelungen, die Blockaden Stück für Stück zu lösen, sagte der Landescoach. „Aber ihm fehlt noch ein Quäntchen. Spätestens in Kanada sollte Jakob fitter sein.“

In Montreal geht es nicht zuletzt um das Ticket für die WM ab 27. August in Poznan. Dabei gilt es für Thordsen, den jungen Dresdner Tobias Hammer hinter sich zu lassen. „Wir haben schon etwas Druck“, räumte Francik ein. Generell ist die Konkurrenz größer geworden, in Portugal waren russische Athleten und neutraler Flagge zugelassen. Im K1 platzierten sich zwei von ihnen vor Thordsen. „Die sind aus dem Nichts aufgetaucht. Aber damit müssen und werden wir umgehen“, betonte Francik.

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