Sie bringen eine
Ikone auf die Bühne
Das Tanztheater „Viva La Vida – A Tribute to Frida Kahlo“ kommt ab dem 30. Juni in die Oper

Zeigen Frida Kahlo aus unterschiedlichen Perspektiven: Lara Brandi (links) und Alice Amorotti.Foto: Florian Petrow
Hannover. Auch wenn es gut zwei, drei Stunden dauern kann, bis ihr „Frida“-Outfit samt Haaren und Make-up richtig sitzt, ist für Alice Amorotti (28) etwas ganz anderes entscheidend. „Sich in den Charakter hineinzuversetzen, ist ziemlich intensiv und anspruchsvoll. Frida Kahlo hat in ihrem Leben viel Schmerz erfahren, und du musst in genau diesem Schmerz sein, um sie richtig zu verkörpern.“

Die Tänzerin setzt dafür auf eine unkonventionelle Maßnahme – und greift zur Haarnadel. Die heftet sie sich so streng ins Haar, dass es schmerzt. Ihre Kollegin Lara Brandi (33) kann das nachvollziehen und ergänzt: „Jedes Mal, wenn du eine Rolle spielst, willst du diese Geschichte erzählen. Und der Tanz ist dafür unsere Sprache.“ Die beiden Frauen stehen ab dem 30. Juni fürs Gastspiel „Viva La Vida – A Tribute to Frida Kahlo“ auf der Bühne der Staatsoper, beide Frauen verkörpern Frida Kahlo.

Der Grund dafür ist einfach: Eine Tänzerin zeigt das äußere Leben der mexikanischen Künstlerin, also etwa ihre Rolle in der Gesellschaft und ihre Beziehungen. Die andere trägt Kahlos innere Welt – ihren Schmerz, tiefste Gedanken und auch die Fantasie – nach außen. „Frida ist nicht nur hier oben“, betont Brandi und tippt sich mit ihrem Finger an den Kopf. Dann legt sie die Hand flach auf ihren Bauch. „Sie ist hier. Es ist nicht möglich, distanziert zu sein.“

Dass dieses Gefühl nicht immer im Handumdrehen abrufbar ist, wissen die Darstellerinnen. „Ich bin Tänzerin und habe meine Stimme vorher nie genutzt“, erzählt uns Alice Amorotti, als sie mit Teilen des Ensembles schon mal auf Stippvisite in Hannover war. Für eine Szene muss die 28-Jährige schreien, nämlich als es um die medizinisch notwendige Abtreibung bei Frida Kahlo geht. Leicht gefallen ist ihr das nicht, sie ließ sich coachen. „Wenn du dich nicht voll reingibst, klappt es nicht.“

„Sie hat geschrien wie verrückt“, erinnert sich Bühnenpartnerin Brandi. „Und danach habe ich geheult wie ein Baby“, ergänzt ihr Gegenüber. „Du tauchst so tief in ihr Leben ein, dass du dich mit ihr verbunden fühlst. Die Tränen sind meine, nicht Fridas.“ Seit einiger Zeit tourt die Truppe mit dem ergreifenden Stück durch die Lande. Sie hat in München gespielt, in Istanbul und in Wien. Nach Hannover – das Stück läuft bis zum 5. Juli, Tickets kosten zwischen 44,90 und 109,90 Euro – stehen Auftritte in der Semperoper Dresden, Stuttgart und in Hamburg an. Möglich macht das übrigens ein Hannoveraner, Limelight-Live Entertainment-Chef Ralf Kokemüller (62).

Choreograf Enrique Gasa Valga (50), der das Leben von Frida Kahlo auf die Bühne gebracht hat, ist davon überzeugt, dass das Stück bei uns in der Stadt gut ankommen wird: „Das Publikum ist höchste Qualität gewöhnt und weiß genau, was guter Tanz bedeutet.“ An der Oper in Hannover leitet ja ein Mann das Ballett, den er gut kennt: Goyo Montero (51). Die zwei sind Landsleute, haben beide die Schule des kubanischen Nationalballetts besucht. „Er war ein Jahrgang über mir.“

Dann hat der 50-Jährige noch eine Anekdote parat: „Meine Mutter war Krankenschwester in Barcelona, wo mal Salvador Dalí Patient war.“ Dort soll sie der exzentrische Künstler angegrapscht haben. „Daraufhin hat sie ihm eine geklatscht.“ Solche Begebenheiten haben Einfluss auf die Handschrift seiner Arbeit, in der er sich immer wieder den Lebensgeschichten berühmter Frauen widmet – wie auch in „Carmen“ und „Romy Schneider“.

Nun mit „Frida“ auf Tour zu sein, elektrisiert den Katalanen besonders: „Meine Company liebt es, dieses Stück zu tanzen. Auch im Publikum ist die Identifikation mit Frida riesig. Ganz gleich, wo auf der Welt wir spielen, kommen häufig Frauen in Frida-typischer Kleidung in die Vorstellungen.“ Mal sehen, wie das bei uns in Hannover wird!

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