„Es war ganz schön, aber auch eine Überforderung“ Auszeit vom Tanz: „Let me be misunderstood“ ist eines der vorerst letzten Stücke der Compagnie von Felix Landerer
Leitet noch eine eigene Compagnie und das Tanzensemble am Theater Bielefeld: Choreograf Felix Landerer.Foto: Samantha FransonHannover. Der Choreograf Felix Landerer will eine Weile nicht choreografieren. „Let me be misunderstood“ ist eine der letzten Produktionen, die von seinem Ensemble Landerer & Company zu sehen ist, bevor er sich eine Auszeit nimmt. Seit 2023 hat Landerer das Tanzensemble am Stadttheater in Bielefeld geleitet und gleichzeitig Landerer & Company weitergeführt, die eine der wichtigsten Gruppen der freien Tanzszene in Niedersachsen ist.„Das war ganz schön, aber auch eine Überforderung“, sagt Landerer. Zum Ende dieser Spielzeit hört er in Bielefeld auf und gönnt sich – wenn im Herbst die letzten Premieren von Landerer & Company gelaufen sind – auch in Hannover etwas Ruhe. „Die letzten 15 Jahre hatte ich gar keine Pause“, sagt er. „Ich bin mit internationalen Aufträgen durch die Welt getingelt, Landerer & Company lief, das war anstrengend. Dann habe ich überlegt: Vielleicht ändert sich das, wenn ich in Bielefeld einen festen Ort habe. Aber es ging genauso weiter.“„Let me be misunderstood“ ist nun im Rahmen des Tanzoffensive-Festivals in der Eisfabrik zu sehen. Dimo Milev hat den Abend choreografiert. „Ich weiß, dass ich schon einmal hier war“, sagt eine der Tänzerinnen, während zwei andere sich langsam an einer Wand aufrichten. Paare tanzen sich durch das Schweigen in ihren Beziehungen, durch das, was in ihrem Inneren passiert, von dem die jeweils anderen nichts ahnen.
Milev choreografiert das einerseits in großen, durchgestalteten Gesten – andererseits in präzisen Mikrobewegungen von Händen und Füßen, die man fast verpasst, wenn man nicht schnell genug hinschaut. Und immer wieder spielen die Tänzerinnen mit den Mikrofonen, die auf der Bühne liegen: Mal ziehen sie sich am Mikrokabel entlang, mal knallen sie sie auf den Boden, mal versuchen sie, miteinander zu sprechen. Und immer wieder gibt es die Wiederholung der ewig gleichen Fehler, es sind dieselben Schwierigkeiten, die auftauchen, immer dieselben fremdbestimmten Bewegungen, die sich nicht auflösen lassen.
Zwei Premieren hat Landerer jetzt noch vor, eine in Göteborg und eine in Hannover. Anfang des Jahres möchte die Kompanie sich dann – auch mithilfe des von der Stadt verabschiedeten Tanzentwicklungsplans - neu aufstellen. Landerer möchte sie gerne fortführen, in der freien Tanzszene fühlt er sich heimisch.
„Let me be misunderstood“ ist wieder am 20. (heute), 21. (morgen), 26. und 28. Juni in der Eisfabrik Hannover zu sehen.