Die neuen Sitzschalen brachte der Geschäftsführer der E&G Kunststofftechnik gleich zum Anschauen mit. Zahlreiche Mitarbeiter hämmerten und schraubten die alten Stühle ab. 96-Arena-Chef Björn Bremer bringt viel Fantasie mit, wie es mal aussehen könnte: „Wir schaffen den Fans eine echte Heimstätte. Das wird gut.“
Mehr als 30.000 Fans hatten über die Optik abgestimmt: Das frühere Niedersachsenstadion wird in den Clubfarben gestaltet, Hauptfarbe ist ein edles Schwarz. Natürlich wird es keine Rückbenennung der Heinz von Heiden Arena in „Niedersachsenstadion“ geben – das wäre dann der Gipfel der Fan-Identifikation.
96 kommt seinen Fans bei der Stadion-Aktion schon sehr entgegen. 2000 alte Sitzschalen werden geschreddert und in neue Sitze verarbeitet. Über 70 Vereine bestellten inzwischen knapp alte 6000 Sitze für ihre Zwecke vor: für Tribünen etwa, Clubhaus-Stammtische oder Ersatzbänke. Ex-Star Marcel Halstenberg hatte gleich eine Reihe mitgenommen für seine soeben in die Bezirksliga aufgestiegene Germania aus Grasdorf.
96 verfolgt die Vereinsprozesse und startet eine Nachhaltigkeitskampagne, was mit den Schalen passiert. Nachhaltigkeit – das war ein wichtiges Versprechen gewesen, als es um den langen und günstigen Pachtvertrag ging, den die Arena GmbH mit der Stadt abschloss. Nun kommt 96 ins Tun.
Hannover und die Region bekommen demnächst 72.000 Stadionplätze – 40.000 in der Arena und 32.000 in Vereinen und Privathaushalten. Sonst kostet ein Stadionplatz im Westen bis zu 500 Euro pro Saison – jetzt gibt’s ihn geschenkt.
Am 27. Juni (12 bis 18 Uhr) können sich Dauerkarteninhaber und Fanclub-Mitglieder alte Schalen am Nordeingang abholen. Hier gilt die Regel: Jeder nur ein Stuhl. Der zweite Termin ist der 30. Juni (12 bis 20 Uhr) – zusätzlich für Mitglieder. Der Termin für die große, freie Verschenke ist noch nicht bekannt.
40.000 Sitze kosten in etwa so viel wie ein neuer Torwart: 1,2 Millionen Euro. Weitere Investitionen von einer Million für die Bundesliga-Voraussetzungen und die EM der Frauen 2029 kommen dazu. Während die Handwerker die Sitze abschraubten und einsammelten, fuhr eine gewaltige Gelenkarbeitsbühne aufs Dach der Arena. Ein Arbeiter putzte die Lampen, danach sah es aus. Tatsächlich wird demnächst das Flutlicht mit stärkeren LEDs modernisiert. Mehr Licht für die neue schwarz-weiß-grüne Pracht.
Bis zum 7. Juli (mit Unterbrechung wegen des Helene-Fischer-Konzerts) soll alles sitzen. Markus Elbert berichtet von der Materialschlacht: 15 volle Laster schleppen die Schalen aus dem westfälischen Dreierwalde nach Hannover. Die Sitze bestehen aus 60.000 Tonnen Kunststoff.
Die Klappsitze zwischen den Stehplätzen, für internationale Spiele verpflichtend, bleiben übrigens in der Arena.
„Die werden schwarz lackiert“, sagte Elbert. Zwischendrin verirrte sich jetzt schon immer mal ein schwarzer Sitz, der alte, beschädigte Schalen ersetzte. Demnächst wird es ein Gesamtbild ergeben, das aussehen wird wie eine riesige Fan-Choreografie. „Das wird ein ganz wichtiger Baustein für Identität und Verbindung zu unseren Anhängern“, sagt Bindzus.
Und sportlich? Selbst, wenn noch kein neuer Torwart da ist. Hannover 96 sendet ein Signal an die Region, ein Zeichen der Geschlossenheit an die Zweitligakonkurrenz und den Willen, sich auf die 1. Bundesliga vorzubereiten. Platz da! Hier kommt 96. Und zwar in schwarz, weiß und in grün.