„Es freut mich sehr, dass Jonas neben mir sitzt“, sagte Co-Geschäftsführer Henning Bindzus: „Wir werden gemeinsam die Dinge bewegen.“ Aber wohin? Boldt deutete sofort an: Es muss in Richtung 1. Liga gehen mit Hannover.
Der 44-Jährige spricht bei seinem 96-Start über:
…den nächsten Umbruch. „Ich weiß, was ich nicht vermisst habe, wie die Frage nach dem kompletten Umbruch. Ich habe den Club nicht als schlafend wahrgenommen. Gerade das Thema Führung möchte ich noch mehr vorleben. Dass man noch mehr die Gier entwickelt, die 1. Bundesliga zu erreichen. Dafür muss man etwas tun. Ich habe da sehr viel Energie in Hamburg reingesteckt. Ich kann nicht versprechen, wann wir aufsteigen. Aber ich kann versprechen, dass es die Ambition sein wird.“…die Entscheidung für 96: „Wenn ich keinen Bock hätte, wäre ich nicht hier. Ich kannte Hannover nicht wirklich. Klar habe ich das beobachtet. Ehrlicherweise habe ich die 2. Liga nicht ganz so intensiv verfolgt, weil es eigentlich nicht mein Ziel war, in der 2. Liga zu arbeiten. Entscheidend war für mich, dass ich wieder gestalten kann. Ich bin eher Gestalter als Verwalter.“…die Entscheidung, weiter auf Trainer Christian Titz zu setzen: „Acht ausverkaufte Spiele, Tabellenplatz vier, so gut wie lange nicht mehr. Das ist schon auch ein Verdienst des Trainers. Er hat ein paar Sachen herausgearbeitet, die man verbessern muss. Ralf Becker (Sportdirektor, d. Red.) hat sich da auch sehr klar positioniert. Ich bin keiner, der mit dem Finger auf jemanden zeigt und sagt: Du bist schuld, du musst weg. Die Anforderung ist da, nicht nur aufzuzeigen, warum es nicht gereicht hat, sondern auch Lösungsansätze zu zeigen, was man verbessern kann.“…den Stand bei 96: „Das Ziel, oben dabei zu sein, ist zum Glück da. Ohne Ambitionen hätte ich mich schwergetan. Ich möchte das mit einer Idee und Strategie weiterentwickeln. Ich finde, dass der Club ein sehr gutes Fundament hat, wirtschaftlich sehr solide ist. Da gibt es andere, hoch verschuldete Clubs. Und es ist ein gutes, kompaktes Mitarbeiterteam.“…die ersten Aufgaben: „Der erste Impuls ist erst einmal der Sport. Mit Ralf Becker und Christian Titz gab es schon einen Austausch. Ralf Becker soll derjenige sein, der die sportlichen Belange steuert. Ich hatte in der Tat ein paar nette Erlebnisse, ich war beim Frauenspiel hier. Da habe ich die Sympathie der Menschen gespürt. Es ist schon sehr sympathisch hier. Ich habe sehr viel Zuspruch für die Entscheidung bekommen.“…den Kader: „Natürlich habe ich da Ideen. Ich komme jetzt aber nicht hierher und packe den Koffer aus und sage, welche Spieler ich mitbringe. Meine Rolle wird eher die sein, etwas vorzugeben. Da gibt es aber auch schon eigene Ideen.“…Transfer-Timing: „Festes Datum ist das Transferfenster-Ende. Ich werde keine festen Termine nennen. Aber ich glaube, ich bin bekannt dafür, dass am Ende des Transferfensters Dinge gelingen, die man nicht unbedingt erwartet hat.“…sich als Typ: „Ich bin im Sport, das Thema ‚Du‘ ist für mich gang und gäbe. Aber jeder weiß genau, wie die Autorität verteilt ist. Die größte Autorität in meinem Leben sind meine Eltern, und die habe ich auch immer geduzt. Humor habe ich auch, ich mag Wortspiele. In erster Linie bin ich hier, um zu arbeiten. Ich habe schon Anforderungen und ich glaube, das werden alle schon merken.“…Konfliktpotenzial zwischen Verein und Geldgebern bei 96: „Die Struktur hier ist allgemein bekannt. Da hilft definitiv die Erfahrung aus Hamburg. Ich glaube, mehr zerstrittene Lager gibt es nicht als in Hamburg, als ich begann. Ich möchte auf der kommunikativen Seite alles tun, damit sich jeder abgeholt fühlt. Ich möchte den Club auf seine einzigartige Art weiterbringen.“…Rudi Völler, seinen Förderer aus Leverkusener Zeiten: „Rudi Völler hat mir gratuliert. Ich habe ihn auch schon in die Entscheidungsfindung mit einbezogen. Er kennt mich gut und weiß, dass ich jemand bin, der Verantwortung sucht. Er hat es schon gemerkt und gesagt, dass er glaubt, dass ich mich innerlich schon entschieden habe.“