Der Mann mit der grünen Jacke
Wie Desimo als künstlerischer Leiter das Kleine Fest im Großen Garten neu aufblühen lassen will

Blickt voraus: Detlef Simon alias Desimo beim Treffen in einem Café in Hannover-Linden.Foto: Nancy Heusel
Hannover. Desimo trägt seine grüne Jacke. Es ist seine Gartenjacke; er hat sie sich für dieses Jahr gekauft. Sein Job ist es, etwas zu hegen und zu pflegen und zu neuer Blüte zu verhelfen: In wenigen Wochen, am 2. Juli, startet das diesjährige Kleine Fest im Großen Garten, das erste unter seiner künstlerischen Leitung.

Es gedeiht: Schon jetzt sind gut zwei Drittel der Karten weg, fünf Tage (die Premiere und die Freitage und Samstage) ausverkauft. „Und die anderen Tage sind die mit dem guten Wetter“, scherzt Desimo. Der neue Gärtnermeister ist offenbar auch zweckoptimistischer Wetterfrosch.

„Dass die Leute uns in diesem Jahr schon im Vorfeld so sehr vertraut haben, ist schon toll“, sagt er. Der Vorverkauf startete erstmals bereits im November zum Weihnachtsgeschäft, und er lief gut an. Da war noch kein einziger Programmpunkt bekanntgegeben.

Man traut Desimo in Hannover, der eigentlich Detlef Simon heißt, und man kennt ihn: als Zauberer und Entertainer, Moderator und Veranstalter, aber eben auch vom Kleinen Fest. Unter der künstlerischen Leitung von dessen Erfinder Harald Böhlmann, dem „Mann mit dem Zylinder“, trat er selbst regelmäßig auf. In den zwei Jahren unter dessen glücklosem Nachfolger Casper de Vries bespielte er mit seinem Spezial-Club eigene Bühnen im Garten.

Als nach dem plötzlichen Abgang von de Vries im September 2025 eilends ein neuer künstlerischer Leiter gesucht wurde, schien er die logische Wahl. Es folgte eine herausfordernde Zeit: Binnen weniger Monate mussten Desimo und sein Team ein konkurrenzfähiges Programm zusammenstellen. Sein ehrgeiziges Ziel ist es, sowohl Fans der Arbeit von Böhlmann als auch der von de Vries zufrieden zu stellen - und zugleich eigene Marken zu setzen.

Sein Talent als Entertainer, sinmauch Anstrengendes und Diffiziles ganz leicht erscheinen zu lassen, kommt ihm jetzt zugute. 51 künstlerische Darbietungen werden im Juli zu erleben sein, darunter 24 Acts, die noch nie in Hannover waren, und sechs Premieren. „Der Reiz ist es, etwas Neues zu haben, aber es braucht ein paar Eckpunkte, damit man sagen kann: Da bin ich zuhause“, sagt Desimo.

Gruppen wie die Tukkers Connexion, Art Tremondo und das Scharniertheater sind dabei, die geradezu zur Folklore des Kleinen Fests der Böhlmann-Ära gehören, ebenso der Niederländer Frans Custers: Er war als Clown Frans mit der Bananengurke das Fest-Maskottchen; diesmal kommt er als schrille Wahrsagerin. Von de Vries übernimmt Desimo unter anderem die traumschöne Fontänenbar und erweiterten Sitzmöglichkeiten, dazu Acts wie das Duo Gap of 42 und die Gruppe Nieuw Lef.

Die spektakulärsten Neuzugänge sind die Berliner Trapezartisten GoGo Home und der Cirque Bouffon, für deren Bühne eine der Sternenfontänen teildemontiert und abgedeckt wird. „Das ist groß, und es ist erstaunlich, dass es überhaupt geht: dass das Team vom Garten das möglich macht und es sogar richtig super findet, hätte ich nicht erwartet”, sagt Desimo. „Was die Technik leistet, ist eigentlich nicht möglich.“

Und eigentlich nicht möglich ist auch sein Arbeitspensum. Längst ist Desimo dabei, die Ausgaben der kommenden zwei Jahre vorzubereiten, für die sein Vertrag gilt. Er besuchte bereits einschlägige Festivals in Freiburg, im belgischen Ieper und in Rotterdam. Zwei Drittel des Programms für 2027 möchte er im Spätherbst fertig haben. „Aber erst einmal muss ich gucken, was jetzt ankommt und was nicht.“

Eine Herausforderung ist das jeweilige Finale des Abends: Ein Feuerwerk wie unter Böhlmann wird es nicht geben; diese Vorgabe der Stadt bleibt. Desimo hat Verständnis: „Ich bin völlig überzeugt davon, dass die Entscheidung richtig ist, nicht drei Wochen lang jeden Tag ein Riesenfeuerwerk abbrennen zu können.“

Er hat sich ein alternatives Konzept überlegt, über das er noch nicht viel verraten möchte. Eine Rolle spielt eine Bühne hinter der Großen Fontäne, auf der alle Künstlerinnen und Künstler des Abends verabschieden werden. „Wir werden den Eindruck eines Feuerwerks nie ersetzen können. Aber wenn die Leute mit einer positiven Emotion nach Hause gehen, dann haben wir es erreicht. Mehr geht nicht ohne Feuerwerk.“

Desimo verbindet Menschen. Auch das schlägt sich im Programm nieder: in Form zahlreicher Kooperationen mit der lokalen Szene wie dem Pavillon und dem Theater am Küchengarten. Die Unesco City of Music bespielt ebenso eine Bühne wie die Poetry-Slam-Spezialisten von „Macht Worte!“ und das Kollektiv Candid Company. „Mir ist wichtig zu zeigen: Da ist eine ganze Menge in Hannover, das ihr euch noch hinterher angucken könnt.“

Desimo hat große Pläne für das Kleine Fest. Ein Mann mit dem Zylinder wie Böhlmann will er nicht werden. Er habe mal überlegt, auf das städtische Kulturrad zu steigen, das auf der Picknickwiese zum Einsatz kommen wird. „Dann wäre ich der Mann mit den vier Zylindern - der Motor hat vier Zylinder“, scherzt er und wiegelt ab: „Harald Böhlmann war als Mann mit dem Zylinder der Zirkusdirektor. Das war genial. Aber ich bin nicht so der Direktorentyp.“ Er bleibt Typ Gärtner. Hannover blüht etwas.

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