Es war das Jahr 1922, als der Ägyptologe Howard Carter vor der Krönung oder dem Tiefpunkt seiner Karriere stand. Mehrere Jahre durchforstete er nun schon auf Kosten seines Bekannten Lord Carnarvon das „Tal der Könige“ in Ägypten, um das Grab von „Tutanchamun“ zu finden. Der Pharao herrschte von 1332/33 v. Chr. bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1323 v. Chr. über das Alte Ägypten.
Anschließend wurde „Tutanchamun“ traditionell in einem prunkvoll ausgestatteten Grab bestattet – wo, war allerdings lange unklar. Trotz intensiver Suchen blieb das Grab mehr als 3000 Jahre lang verschollen. Es wurde bereits als Mythos gehandelt. Doch dann die Sensation: Im Jahr 1922, im fünften Jahr seiner Suche, entdeckte Howard Carter das lang ersehnte Grab. Was er darin entdeckte, lässt sich seit dem 6. Mai in der Ausstellung „Tutanchamun: Ein Immersives Abenteuer“ in der Alten Druckerei erleben.
Die Ausstellung gehört zum Portfolio der Cofo Entertainment GmbH, die seit 2023 bereits mehrere erfolgreiche Pop-up-Museen in die Stadt gebracht hat. Dazu gehören„The Mystery of Banksy“, die „Körperwelten“ und zuletzt „Van Gogh – The Immersive Experience“. Nun sei es Zeit für den nächsten „Ausstellungs-Blockbuster“, wie Oliver Förster bei der Eröffnung am Mittwochvormittag sagte. Sechzehn Tage habe sein Team die Ausstellung aufgebaut, die nun bis Ende August gezeigt wird. Parallel läuft sie derzeit nur in Bratislava. Eine dritte Ausführung kommt gerade aus den USA zurück.
Seine Premiere feierte „Tutanchamun“ bereits im Jahr 2008. Seither tourte die Ausstellung bereits durch über 50 Städte weltweit und entwickelte sich stetig weiter. So gehören seit der letzten Station in Köln ein Film auf einer 360‑Grad-Leinwand zum Inventar. In Hannover feiert zudem eine Virtual-Reality-Experience ihre Premiere. Zusätzlich gibt es bereits seit Jahren einen Audioguide mit drei verschiedenen Stimmen. So führen einen Erzähler, Howard Carter und eine Ägyptologin durch die Ausstellung. „Damit hat diese Ausstellung etwas, das viele immersive Shows nicht haben“, meint Wolfgang Wettengel, einer der wissenschaftlichen Leiter der Ausstellung: „nämlich einen wissenschaftlichen Hintergrund.“
Bei einem geführten Rundgang zur Eröffnung wird schnell deutlich, dass die Ausstellung gelungen durchdacht ist. So dienen die ersten zwei Ausstellungsräume der Einführung – zunächst per Texttafeln und schließlich mithilfe eines achtminütigen Films. Darin wird die mühsame Suche Carters porträtiert und schließlich auch der Moment des Funds. Damit kommt der Film schließlich zu seinem Ende und schlägt eine gelungene Brücke zum Herzstück der Ausstellung: einer originalgetreuen Nachbildung der Grabkammern.
Zum Abschluss der Ausstellung zeigt ein Film in einer 360-Grad-Kabine „Tutanchamuns“ Eintritt ins „Jenseits“, so wie ihn sich die Ägypter früher vorstellten. Während anfangs noch fraglich ist, warum der Film auf vier Leinwänden um einen herum spielt, macht das Ganze nach einigen Minuten Sinn: So lassen die Animationen die Besucher scheinbar mit einem Boot in den Tempel oder in der Kutsche über die Felder fahren. Wer danach noch tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, kann sich für vier Euro zusätzlich eine Virtual-Reality-Experience buchen und zwölf Minuten durch ein imaginäres Museum mit Audiostationen schlendern. Ein Selbsttest zeigt: Das ist eine aufregende Erfahrung.