Das Programm setzt in diesem Jahr besonders stark auf Vielfalt und atmosphärische Kontraste. Statt großer Mainstream-Namen dominieren Künstlerinnen und Künstler, die zwischen Genres arbeiten oder neue Bühnenformate ausprobieren. Elektronische Klangflächen treffen auf klassische Streicher, Balkan Brass auf Pop und Jazz, Indie-Pop auf Rap-Einflüsse, dazu kommen Poetry Slams, eine Sonnenaufgangslesung und Open-Air-Kinoabende. „Wer Lust hat, Neues zu entdecken und sich mitreißen zu lassen, ist hier genau richtig“, sagt Programmleiterin Hannah Luttermann mit Blick auf das diesjährige Line-up.
Den Start am Freitag, 31. Juli, macht das elfköpfige Kollektiv „Searching for Home“. Die Band verbindet Jazz, Funk, Indie-Rock, Klassik und Weltmusik zu einem vielschichtigen Sound, der gleichermaßen improvisatorisch wie tanzbar wirkt. Dass die Reihe damit beginnt, ist auch programmatisch gemeint: Die Grenzen zwischen den Sparten sollen bewusst verschwimmen.
Besonders sichtbar wird das am Sonnabend, 1. August, bei der ersten „Una Noche Latina“ im Gartentheater. Gemeinsam mit der Salsa del Alma Dance Academy und kargah holen die Veranstalter lateinamerikanische Tanzkultur nach Herrenhausen. Vor dem eigentlichen Abendprogramm gibt es einen Einführungskurs in Salsa, Bachata und Merengue, später folgen DJ-Sets, Live-Musik und Showtanz. Das historische Gartentheater wird dabei nicht nur Konzertort, sondern Tanzfläche.
Auch die elektronische Musik bekommt in diesem Jahr viel Raum. Das hannoversche Duo pølaroit entwickelt gemeinsam mit dem Canea Quartett am Sonntag, 2. August, eine Mischung aus Neoklassik und elektronischen Klangflächen. Zwischen Streichquartett und Clubästhetik entsteht ein Konzertformat, das eher auf Atmosphäre als auf klare Genrezuordnung setzt. Wenige Tage später folgt mit der „Herrenhausen Klubnacht“ erneut eine Bühne für die junge elektronische Szene Hannovers. Vier Acts bewegen sich dort zwischen House, Soul, Garage, Breakbeats und Underground-Electro.
Internationaler wird es am Donnerstag, 6. August, mit dem Balkan Paradise Orchestra aus Barcelona. Die zehn Musikerinnen verbinden Balkan Brass mit Pop, Jazz und elektronischer Musik. Die Formation entstand ursprünglich als Straßenmusikprojekt und tritt inzwischen europaweit auf Festivals auf. Ihr Auftritt in Herrenhausen ist Teil des Projekts „Sirup – Mehrsprachige Konzertreihe mit Female* Acts“.
Mit OTTOLIEN steht am Sonnabend, 8. August, zudem ein Heimspiel an: Das hannoversche Brüderduo verbindet Indie-Pop mit Rap-Elementen, komplexen Wortbildern und popkulturellen Referenzen. Nach Festivalauftritten beim Reeperbahn Festival oder Southside spielen sie nun ihr erstes großes Open Air in der Heimatstadt.
Neben Musik setzen die Sommernächte erneut stark auf Sprache und Literatur. Besonders atmosphärisch dürfte die Lesung „Zwischen Nachtigall und Lerche“ am Sonntag, 9. August, werden: Bereits um fünf Uhr morgens öffnet der Große Garten für eine literarische Morgendämmerung mit Schauspieler Justin Hibbeler und Musikerin Brosie. Während langsam die Sonne über den Garten steigt, treffen Lyrik, Gitarrenklänge und Vogelstimmen aufeinander.
Neu im Programm ist die „Lange Nacht der Lüttje Lage“. Die Kultglosse der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen und zieht nun erstmals ins Gartentheater. Rund ein Dutzend Redakteurinnen und Redakteure lesen am Mittwoch, 12. August, ihre liebsten Texte über die kleinen Absurditäten des Alltags.
Die beiden Poetry-Slam-Abende gehören ohnehin seit Jahren zu den publikumsstärksten Veranstaltungen der Reihe. Beim „Best of Slam!“ treten Poetinnen und Poeten aus Deutschland und der Schweiz gegeneinander an, einen Tag später folgt mit „Team Players!“ die Duo-Variante des Formats. Beide Abende setzen auf Tempo, Sprachwitz und unmittelbare Publikumsreaktionen – ein deutlicher Kontrast zur ruhigen Gartenkulisse.
Zum Abschluss verwandelt sich das Gartentheater wieder in ein Freiluftkino. Gezeigt werden aktuelle internationale Produktionen, darunter Fatih Akins Drama „Amrum“, Jim Jarmuschs Episodenfilm „Father Mother Sister Brother“ sowie die dänische Krimikomödie „Therapie für Wikinger“ mit Mads Mikkelsen und Nikolaj Lie Kaas. Inhaltlich reicht das Spektrum von Familiengeschichten über Gesellschaftssatiren bis zu melancholischen Roadmovies.
Die besondere Atmosphäre bleibt dabei fast wichtiger als jedes einzelne Genre. „Der Blick über den Großen Garten in Abendstimmung, dazu der betörende Duft der Sommerblumen“, sagt Gartendirektorin Anke Seegert, verleihe dem Gartentheater „einen ganz eigenen Zauber“.
Tickets für die Sommernächte gibt es online sowie an den bekannten Vorverkaufsstellen. Die Eintrittskarten berechtigen bereits zwei Stunden vor Veranstaltungsbeginn zum Besuch des Großen Gartens. Wer mag, kann den Abend also schon mit einem Picknick unter Lindenbäumen beginnen, bevor im Gartentheater die Lichter angehen.gartentheater-herrenhausen.de