Der Friedhof an der Straße „Am Judenkirchhof“ gehört heute dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen. Entstanden ist er bereits um 1550 und wurde über mehr als drei Jahrhunderte hinweg als Begräbnisstätte genutzt. Die letzte Bestattung fand Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Bis heute sind mehr als 700 Grabsteine erhalten, der älteste stammt aus dem Jahr 1654. Die besondere Form des Geländes geht auf eine historische Praxis zurück: Aus Platzmangel wurden Gräber in mehreren Schichten angelegt, wobei ältere Grabsteine jeweils nach oben versetzt wurden, um das Gedenken zu bewahren.
Für Belit Onay steht die neue Tafel für mehr als reine Information: „Die Stadttafel beschreibt wesentliche Aspekte der jüdischen Geschichte und Kultur in unserer Stadt. Dies ist von hoher Bedeutung, weil Judentum in Deutschland häufig nur aus dem Blickwinkel der Verfolgung und Vernichtung während der Zeit des Nationalsozialismus wahrgenommen wird. Jüdinnen und Juden waren aber nicht nur Opfer, sie sind eine Gruppe mit einer jahrhundertelangen Geschichte in Deutschland und sie haben damit auch unsere Stadt geprägt.“
Auch Michael Fürst verwies auf die besondere Bedeutung des Ortes, der sowohl für Ausgrenzung als auch für Kontinuität jüdischen Lebens steht: „Ein Hügel mitten in Hannover – Ausgrenzung auf der einen Seite, aber eine Selbstverständlichkeit für jüdisches Leben auf der anderen Seite.“
Der Alte jüdische Friedhof gilt als ältester noch erhaltener jüdischer Begräbnisplatz im norddeutschen Raum und ist ein bedeutendes Kulturdenkmal. Unter den hier bestatteten Persönlichkeiten finden sich Rabbiner und Gelehrte ebenso wie der Mathematiker und Astronom Rafael Levi oder der Hofmedicus Marcus Jacob Marx. Auch Vorfahren des Dichters Heinrich Heine liegen hier begraben.
Erarbeitet wurde die neue Stadttafel in Zusammenarbeit mit dem ZeitZentrum Zivilcourage. Sie ist Teil eines umfassenderen Programms: Die Stadt Hannover erneuert seit einigen Jahren schrittweise ihre historischen Informationstafeln. Diese gehen auf eine Initiative des ehemaligen Stadtbaurats Rudolf Hillebrecht zurück und sollen Geschichte dort sichtbar machen, wo sie stattgefunden hat – mitten im Alltag der Stadt.