Kulturboot „ZuKunst“ darf bleiben
Nach einstimmiger Unterstützung im Kulturausschuss ist die Zukunft des Ihmeanlegers gesichert

Ein engagiertes Projekt: das Kulturboot "ZuKunst" des Vereins Makers for Humanity e.V.Foto: Joy Lohmann
Hannover. Die „ZuKunst“ hat wieder festen Boden unter dem Anleger – oder besser: verlässliches Wasser unter dem Rumpf. Das schwimmende Kulturprojekt des Vereins Makers for Humanity e. V. kann seinen Standort am Ihmeanleger beim Kraftwerk Linden behalten. Damit ist vorerst gesichert, dass der selbstgebaute Motorkatamaran auch künftig auf Ihme und Leine unterwegs sein und zugleich als Lern-, Begegnungs- und Erlebnisort genutzt werden kann.

Anfang April war das Kulturboot aus dem Misburger Winterhafen zurück an seinen Anleger nahe den „Drei Warmen Brüdern“ gekommen. Eigentlich sollte dort die neue Saison beginnen: mit Workshops, Musik, Bootsfahrten und Begegnungsformaten rund um nachhaltige Freizeit, Kultur und gesellschaftlichen Wandel. Doch kurz nach der Rückkehr stand das Projekt plötzlich vor einem ernsten Problem. Der Mietvertrag für den Bootsanleger am Kraftwerk Linden sollte vonseiten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes ab Mai nicht verlängert werden. Ohne Liegeplatz wäre der Betrieb des Bootes jedoch kaum möglich gewesen.

Die Crew wandte sich daraufhin an die Politik. Im Kulturausschuss wurde ein Dringlichkeitsantrag zum Erhalt des Bootsanlegers eingebracht – und einstimmig unterstützt. Damit wurde die Stadtverwaltung ermächtigt, direkte Gespräche mit der Bundesbehörde zu führen. Mehrere Dezernate und auch Oberbürgermeister Belit Onay machten deutlich, dass Hannover den Anleger am Kraftwerk Linden und damit auch das Kulturboot an diesem Ort erhalten möchte.

In Gesprächen zwischen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), enercity und der Landeshauptstadt Hannover konnte nun eine Lösung entwickelt werden. Onay hat der WSV die grundsätzliche Bereitschaft der Stadt übermittelt, den bislang von enercity genutzten Schiffsanleger zu übernehmen und für eine öffentliche kulturelle Nutzung zu sichern. Die ursprüngliche Räumungsfrist zum 30. April ist damit vom Tisch. In den kommenden Wochen sollen die vertraglichen Details geklärt werden.

Entsprechend groß ist die Erleichterung bei den Initiatoren. Künstler Joy Lohmann vom Verein Makers for Humanity sagt: „Kultur ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und wir sind deshalb sehr froh und dankbar, dass sich die Stadtverwaltung, insbesondere Wirtschaftsdezernentin Anja Ritschel - auch als Aufsichtsratsvorsitzende der enercity AG - so engagiert um den Dialog aller Partner zum Erhalt des Ihmeanlegers des Kraftwerk Linden und damit verbunden zum Fortbestand unseres Projektes „Kulturboot ZuKunst“ einsetzt. Unser großer Dank gilt ebenso Oberbürgermeister Belit Onay, der sich aktiv für eine Lösung im Dialog mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) eingesetzt und damit neue Perspektiven für den Erhalt unseres Projektstandorts eröffnet hat, sowie dem Kulturausschuss des Rates, der mit seinem Dringlichkeitsantrag den Verbleib der „ZuKunst“ auf Hannovers Gewässern einstimmig unterstützt hat. Im gemeinsamen Wirken für Hannover kann sich nun ein weiteres Leuchtturmprojekt der Kulturhauptstadtbewerbung mit seinen kulturellen Beteiligungsangeboten verstetigen“.

Die „ZuKunst“ ist dabei nicht einfach ein Ausflugsschiff. Der rund 50 Quadratmeter große Motorkatamaran ist ein schwimmendes Kunstwerk, ein Vereinsboot und ein Möglichkeitsraum zugleich. Auf dem Wasser entstehen Formate, die Kultur, Nachhaltigkeit, Musik, Begegnung und Stadtentwicklung miteinander verbinden. Wer an Bord kommt, erlebt Hannover aus einer anderen Perspektive: vom Fluss aus, mitten in der Stadtnatur, mit Blick auf Ufer, Brücken, Nachbarschaften und Geschichten.

Rechtlich ist die „ZuKunst“ als Sportboot registriert und steht grundsätzlich den Vereinsmitgliedern zur Verfügung. Damit auch andere Menschen das Boot kennenlernen können, arbeitet der Verein bei bestimmten Angeboten mit temporären Mitgliedschaften. Wer etwa an einer KulturBootsFahrt teilnimmt, wird für einen begrenzten Zeitraum Teil der Vereinsgemeinschaft und kann so an dem besonderen Bootserlebnis teilnehmen. Für die sonntäglichen Fahrten kostet die Teilnahme 25 Euro, ermäßigt 20 Euro; enthalten ist eine einwöchige Schnuppermitgliedschaft. So bleibt das Angebot organisiert, zugleich aber für Interessierte niedrigschwellig zugänglich.

In der neuen Saison soll das Boot wieder musikalisch, kreativ, gesellig und informativ werden. Unter der Woche sind am Anleger Workshops und Community-Angebote geplant, an vielen Wochenenden öffnen sich Boot und Ufer für Veranstaltungen. Mittwochs von 17 bis 19 Uhr heißt es beim „KiezBoot“ und „Open Ship“: vorbeikommen, umsehen, ins Gespräch kommen. Das Angebot richtet sich an Nachbarinnen und Nachbarn, Interessierte und die Crew. Im Anschluss sollen thematische MakerMeets Raum für Austausch und neue Ideen bieten. Wer selbst mitgestalten möchte, kann mittwochs an Bord kommen oder Kontakt zum Verein aufnehmen.

Ein Schwerpunkt liegt auf Musik. Aus den bisherigen BordJams wird in diesem Jahr die „SessionSchool“. Jeden zweiten Dienstag beginnt um 18 Uhr ein musikalischer Impuls mit professionellen Musikerinnen und Musikern, danach wird gemeinsam gespielt. Von 20 bis 22 Uhr öffnet sich der BordJam auch für Gäste. An den übrigen Dienstagen sind offene Sessions für Musikerinnen und Musiker geplant. Willkommen sind verschiedene Instrumente, Altersgruppen und Erfahrungsstände – entscheidend sind Neugier und Lust am gemeinsamen Klang.

Auch die KulturBootsFahrten an Sonntagen bleiben ein zentraler Bestandteil des Programms. Dabei verbindet sich eine Fahrt über Hannovers Stadtflüsse mit künstlerischen und kulturellen Impulsen an Bord. Die nächsten Termine sind für den 3., 10. und 31. Mai angekündigt. Die Fahrten machen das Boot selbst erlebbar: als Kunstwerk, als sozialer Raum und als ungewöhnliche Bühne auf dem Wasser.

Ein weiteres großes Format ist „Café Global“. Zum Auftakt am Sonnabend, 9. Mai, kommt die „ZuKunst“ um 15.30 Uhr an, von 16 bis 18 Uhr sind interkulturelle Bootsfahrten geplant. Am Ufer im Ihmepark Süd gibt es Kurzpräsentationen, Mapping, Spiel, Sport, Begegnung und Suppe. Ab 18.30 Uhr folgen Musik an Bord und ein gemeinsames Dinner an Land, bevor der Abend gegen 19.30 Uhr endet oder mit einer Fahrt Richtung Linden-Nord ausklingt.

Mit „Café Global“ will der Verein Menschen und Initiativen aus Hannovers vielfältiger Stadtgesellschaft zusammenbringen. Geplant sind vier interkulturelle Uferfeste im Ihmepark Süd. Jeweils zu Beginn steht eine Bootsfahrt mit einer migrantischen oder postmigrantischen Partnerorganisation und ihrer Community. Dabei stellt sich die jeweilige Initiative mit ihren Angeboten vor. Anschließend legt die „ZuKunst“ im Ihmepark an, wo ein offenes Fest für alle Interessierten entsteht – mit kulturellen, sportlichen und kreativen Angeboten. Eine Mapping-Station soll helfen, interkulturelle Angebote in Hannover sichtbar zu machen und besser miteinander zu vernetzen.

Neben den regelmäßigen Formaten sind auch individuelle Kulturveranstaltungen auf der „ZuKunst“ möglich – etwa für Gruppen, Vereine oder private Anlässe. Darüber hinaus dient das Boot als Ausgangspunkt für internationale Projekte. Makers for Humanity plant unter anderem schwimmende Insel-Projekte und arbeitet aktuell an einer Floating-University in Kerala in Indien. Auch der „River-CleanUp 26“ ist vorgesehen; er soll voraussichtlich am 4. Juli stattfinden.

Dass all diese Pläne nun weiterverfolgt werden können, ist für das Projekt entscheidend. Denn ohne Anleger fehlt einem Kulturboot nicht nur ein Parkplatz, sondern sein Heimathafen: der Ort, an dem Menschen an Bord kommen, Werkzeuge verstaut werden, Veranstaltungen beginnen und Ideen wachsen. Die Lösung rund um den Ihmeanleger sichert damit nicht nur einen Liegeplatz, sondern auch einen öffentlichen Kulturort, der zwischen Wasser, Stadt und Nachbarschaft vermittelt.

Für Hannover bleibt die „ZuKunst“ damit ein ungewöhnlicher Baustein im kulturellen Leben der Stadt: kein klassischer Veranstaltungsraum, keine feste Bühne, kein gewöhnlicher Vereinssitz. Sondern ein Boot, das Menschen einlädt, Kultur buchstäblich in Bewegung zu erleben. R/HRNähere Informationen
zum Programm:
open-island.org/zukunst
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