Bei den meisten Honigmischungen sind das zwei bis vier Länder, es können aber auch mehr sein, teilt der Honig-Verband mit, der die Interessen der deutschen Honigimporteure und -abfüller vertritt. Die Organisation begrüßt die Transparenzoffensive ausdrücklich. Jedoch gäbe es in der praktischen Umsetzung Herausforderungen.
„Für importierende und abfüllende Betriebe bedeutet die gesetzliche Neuregelung einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand, da sich Mischungsverhältnisse bei einem Naturprodukt chargenbedingt ändern können und die Kennzeichnung entsprechend angepasst werden muss“, sagt Frank Filodda, Vorstandsvorsitzender des Honig-Verbands. Zudem bräuchten mehrsprachige Verpackungen erheblich mehr Platz auf dem Etikett.
Um den Honigimporteuren entgegenzukommen, erlaubt die EU bereits eine Toleranzspanne von fünf Prozent für jeden Teil der Mischung. Außerdem dürfen für Kleinstverpackungen unter 30 Gramm die Namen der Herkunftsländer durch zweistellige Länder-Codes ersetzt werden. Die neuen Vorschriften treten zum 14. Juni in Kraft. Die Supermarktketten dürfen Lagerbestände aber noch abverkaufen.
Die EU-Kommission will mit der neuen Deklarationspflicht drei Dinge erreichen: Zum einen sollen Verbraucher mehr Informationen zum Produkt erhalten, um im Supermarkt eine fundierte Kaufentscheidung treffen zu können.
Zum anderen hat die EU-Kommission das Ziel, europäische Imker zu stärken. Denn die haben meist erheblich höhere Produktionskosten und können preislich nicht mit Honigimporteuren konkurrieren. Zum Vergleich: Während ein Glas „Echter Deutscher Honig” derzeit etwa ab sechs Euro pro 500g-Glas zu haben ist, kostet ein Glas importierte Honigmischung im Discounter rund 2,70 Euro - und damit weniger als die Hälfte.
Und schließlich soll die neue Deklarationspflicht auch helfen, Betrüger zu entlarven. Denn immer häufiger werden Honigmischungen mit Zuckersirup gestreckt. Das ist verboten – bei Kontrollen können die gängigen Analyseverfahren den beigemischten Zuckersirup aber meist gar nicht erkennen. Betrüger, zum Beispiel aus China, bieten deshalb gezielt Zuckersirup an, der den sogenannten NMR-Test besteht. Das ist der gängige Honigtest in deutschen Laboren.
Wie groß das Problem ist, zeigt eine viel beachtete Studie der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2021, bei der Hunderte Honigproben an den EU-Außengrenzen mit modernster Technologie untersucht wurden. Fast die Hälfte der importierten Honige stand demnach unter Fälschungsverdacht. Vor allem Ware aus China und der Türkei war oft mit billigem Zuckersirup gestreckt.
Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund hat bei einer eigenen Prüfung von Supermarkthonig in Deutschland sogar noch höhere Fälschungszahlen ermittelt. Von 30 überprüften Honiggläsern waren demnach 25 mit Sirup gestreckt. Die Analyse hat der Verband mit modernster DNA-Metagenomik in einem Labor in Estland durchführen lassen. In den deutschen Standardtests blieben die gleichen Proben unauffällig.
Bernhard Heuvel, Präsident des Europäischen Berufsimkerbunds fordert deshalb mehr Kontrollen und einen modernen Methodenmix, „der nicht nur chemisch/physikalisch arbeitet, sondern auch biologische Marker einbezieht.“
Die neue Deklarationspflicht allein sei als Mittel gegen Honigfälschungen nicht ausreichend, sagte Heuvel dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die neuen Regeln könnten zwar die Verbraucherinformation verbessern und Rückverfolgung anregen. „Sie verhindern jedoch nicht, dass verfälschte Ware überhaupt in die Lieferkette gelangt. Entscheidend sind Kontrolle, Durchsetzung und Haftung entlang der Kette“, so Heuvel.
Auch die deutschen Honigimporteure und -abfüller wünschen sich strengere Kontrollen: „Ob Honig mit Zuckersirup verfälscht wurde, lässt sich nicht über Herkunftsangaben feststellen, sondern ausschließlich durch geeignete und rechtssichere Analytik sowie konsequente Kontrollen“, sagt Honig-Verbandschef Filodda. „Ziel muss es sein, ehrliche Imkerei- und Abfüllbetriebe zu schützen und Verbraucher und Verbraucherinnen wirksam vor Täuschung zu bewahren.“
Die deutschen Supermärkte sind auf Importware angewiesen. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium lag der Honigverbrauch in Deutschland 2024 bei rund 85.100 Tonnen. Deutsche Imker produzierten im selben Jahr aber nur etwa 31.800 Tonnen Honig. Insgesamt stammen also etwa zwei Drittel des in Deutschland konsumierten Honigs aus Importen oder Mischungen mit Importanteilen.
Im Vergleich der Bundesländer erntete Bayern mit rund 8900 Tonnen im Jahr 2024 mit Abstand den meisten Honig, gefolgt von Sachsen mit 2600 Tonnen und Baden-Württemberg mit 2500 Tonnen.