Das frühe Gold
Dank des schnellen Umschwungs von Winter auf frühlingshafte Temperaturen ist die
Spargel­saison besonders zeitig gestartet. Mutige probieren es mit den Stangen im eigenen Gartenbeet.

Foto: M. Gambarini

Erst Grünkohl, dann Spargel. So könnte man es zumindest im Norden sagen. Ähnlich wie der plötzliche Wetterumschwung, bei dem man einen Tag noch über den gefrorenen Teich flanieren und am nächsten die sprießenden Krokusse bewundern konnte, ist nun auf einen Schlag die Spargelzeit gekommen.

Erste Spargelstangen sind in den Supermärkten zu finden, auch Restaurants locken mit dem ersten Spargel der Saison. Dieser kommt meist jedoch aus Spanien oder Griechenland. Teils auch aus Italien, Mexiko oder Peru, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Dabei erhalten Spargelbauern gerade für frühen Spargel gutes Geld.

Einen festen Starttermin der deutschen Spargelsaison gibt es nicht, denn der Erntebeginn ist immer wetterabhängig. Meist geht man von Ende März, mitunter auch Anfang April, aus. In diesem Jahr hatte der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) die ersten deutschen Spargelstangen für Mitte März prognostiziert.

Ein offizielles Ernteende gibt es hingegen schon: in jedem Jahr der 24. Juni, Johannistag, auch gern mal als Spargelsilvester bezeichnet. Vereinzelt gibt es auch danach noch frischen heimischen Spargel zu kaufen, das ist jedoch die Ausnahme. Denn Spargelpflanzen sind mehrjährig und brauchen eine entsprechende Erholungsphase, um auch im nächsten Jahr wieder reiche Ernte liefern zu können.

Wer zuerst Sonne hat, isst auch zuerst. So könnte man die goldene Regel des Spargelanbaus zusammenfassen. Der Süden Deutschlands darf sich also traditionell ein bis zwei Wochen früher über den ersten Spargel freuen. Einfach, weil er auch früher Sonne und höhere Temperaturen vorweisen kann.

Trockener Herbst, kalter Winter und ein sonniges Frühlingserwachen: Das ist das Geheimrezept für eine frühe und üppige Spargelernte. In diesem Jahr waren die Wetterbedingungen ideal. Der Temperatursprung vom kalten Februar zu sonnigen Frühlingstagen mit beinahe 20 Grad biete optimale Startbedingungen für den deutschen Spargel, erklärt Spargelanbauberater Dr. Ludger Aldenhoff vom VSSE. „Mit der unerwartet schnellen Erwärmung des Damms können wir mit einem Turbostart rechnen“, resümiert der Profi, „für Ostern erwarten wir ausreichend Spargel für ­alle."

Ein weiterer Grund zur Freude ist das weitgehend stabile Preisniveau für weißen Spargel. Eine reiche Ernte wirkt sich für Verbraucher auch positiv auf den Preis aus. Allerdings ist die Erhöhung des Mindestlohns mit einzurechnen, der seit Januar 2026 bei 13,90 Euro brutto liegt und 2027 auf 14,60 Euro steigen soll. Auch die zuletzt stark gestiegenen Benzin- und Dieselpreise schlagen zu Buche. Diese höheren Betriebsausgaben dürften sich auch auf die Endpreise niederschlagen.

Aber wie viel kostet nun ein Pfund Spargel? Eine einfache Zahl lässt sich hier nicht benennen. Denn die Preise variieren nicht nur regional, sie sind ebenfalls abhängig von der Qualität der Stangen und vom Zeitpunkt des Kaufes. So ist Spargel im Süden am teuersten, und die ersten Stangen kosten deutlich mehr als im späteren Saisonverlauf.

Jedoch lässt sich sagen, dass die Preise im Verhältnis weitgehend konstant bleiben. Je nach Sortierung dürfte nach Branchenschätzungen mit einem Preis von 10 Euro pro Kilogramm für Suppenspargel und maximal 20 Euro für das Premiumsegment zum Saisonstart zu rechnen sein.

Ein Preistrend lässt sich mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre jedoch festmachen: Besonders früh oder spät in der Saison kosten Spargelstangen teils deutlich mehr als zur Saisonmitte.

Konkret rechnet man in Brandenburg etwa mit 12 bis 15 Euro pro Kilogramm zu Ostern in der ersten Aprilwoche. Danach werden die Preise nach Ansicht von Jürgen Jakobs, dem Vorsitzenden des Beelitzer Spargelvereins, wieder fallen, sodass man in der Hauptsaison ein Kilogramm Spargel ab 8 Euro bekommt. Mit der Einschätzung ist er recht konservativ. Andere Spargelbauern in Brandenburg rechnen zu Beginn mit 15 bis 18 Euro pro Kilogramm.

Kann man Spargel nicht einfach selbst im eigenen Garten anbauen? Im Gegensatz zu vielen anderen Gemüsesorten, die in unseren Beeten wunderbar gedeihen, ist vor allem weißer Spargel, der sogenannte Bleichspargel, etwas anspruchsvoller. Er benötigt Platz, Geduld und den richtigen Standort. Denn die Pflanzen mögen es sonnig in sandigem oder lehmhaltigem Boden.

Wer sich am Selbstanbau versuchen möchte, legt ein langes Beet mit einer Breite von 1,50 Metern an. Mittig wird ein Pflanzgraben von 50 Zentimetern ausgehoben und mit Kompost und Kalk aufgefüllt. Je nach Sorte wird weißer Spargel mit einem Abstand von etwa 35 Zentimetern ausgebracht, bei grünem Spargel sind es 20 Zentimeter. Danach die Wurzeln mit Erde bedecken.

Für Anfänger eignet sich besonders grüner Spargel, da er oberirdisch wächst und so weniger Arbeit macht. Für weiße Stangen muss nämlich noch der Stechdamm aufgehäuft werden, bis der Spargel ausgegraben und gestochen werden kann.

Anders als etwa Kartoffeln oder Zwiebeln, die nur einjährig geerntet werden, können Spargelpflanzen durchaus zehn bis 15 Jahre Erträge liefern. Der erste Spargel sollte erst im zweiten, besser noch im dritten Jahr geerntet werden.

Druckansicht