Dauerhafte Frühlingsboten
Als Topfpflanzen landen Primeln nach der Saison oft im Müll – zu Unrecht.
Wie überleben die Frühblüher mehrere Jahre? Eine Gartenexpertin hat Tipps
und verrät, welche Arten im Garten besonders schön sind.

Nicht zu lange warten: Wer seine Primel ins Freiland setzen möchte, sollte dies bereits nach der ersten Blüte tun.Foto: IMAGO/Dreamstime

Zusammen mit den ersten Schoko-Osterhasen stehen sie wieder in den Regalen und machen Lust auf Frühling: Primeln. Sie leuchten in Gelb, Pink, Lila, Weiß und vielen weiteren Farben. Im Baumarkt oder Discounter landen sie fast wie von selbst im Einkaufswagen. Doch ähnlich wie der Schoko-Osterhase ist auch die Primel für viele nur ein kurzgesehener Saisongast. Zwar wird sie nicht vernascht, aber nach wenigen Wochen erlischt ihr Leuchten, schlapp lässt sie ihre Blätter hängen. Und dann? Lässt sich das kleine Pflänzchen retten?

„Primeln sind typische Frühjahrsstauden“, erklärt Gunhild Rudolph. Die gelernte Gärtnerin kennt sich bestens im Hausgarten aus und bietet Online-Kurse an, in denen sie als „Gartenhebamme“ Hilfe zur Selbsthilfe vermittelt. Grundsätzlich ziehen sich Primeln im Winter zurück und treiben im folgenden Jahr erneut aus – zumindest theoretisch.

In der Praxis kommt es auf die Art an. Man unterscheidet zwischen winterharten Gartenarten wie der Schlüsselblume und wärmeliebenderen Zimmerprimeln wie der Becherprimel. Letztere wird meist als saisonale Topfpflanze kultiviert und ist nicht winterhart. Bei dem farbenfrohen Klassiker, der ab Februar in Supermärkten angeboten wird, handelt es sich meist um Kissen-Primeln – auch bekannt unter ihren botanischen Namen Primula vulgaris oder Primula acaulis. Sie sind laut Rudolph eine gute Wahl für alle, die sich zunächst an der Blüte im Haus erfreuen und die Pflanze später in den Garten setzen möchten.

Im Innenraum empfiehlt die Expertin einen möglichst kühlen Standort mit Temperaturen um 15 Grad Celsius. Ein Platz direkt über der Heizung am sonnigen Fenster bekommt der Pflanze indes schlecht. Wichtig ist außerdem die richtige Wasserversorgung: Der Wurzelballen sollte weder austrocknen noch dauerhaft im Wasser stehen. Am besten wird von unten gegossen oder direkt auf die Erde, sodass die Blätter trocken bleiben.

„Ein oft unterschätzter Pflegetipp ist das regelmäßige Entfernen verwelkter Blütenstände. Bleiben sie stehen, kann sich leicht Grauschimmel entwickeln“, sagt Rudolph. Tatsächlich hält eine einzelne Blüte nur wenige Tage. Wer Verblühtes regelmäßig entfernt, regt die Bildung neuer Knospen an und verlängert so die Blütezeit deutlich. Soll die Primel später ins Freiland umziehen, empfiehlt die Gärtnerin, nicht zu warten, bis die Pflanze schwächelt, sondern sie bereits nach der ersten Blüte auszupflanzen.

Wer von Anfang an eine Primel für den Außenbereich sucht, greift am besten zu besonders robusten Arten wie der Echten Schlüsselblume (Primula veris) oder der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior). Beide sind heimische, mehrjährige Stauden und kommen mit mitteleuropäischen Wintern gut zurecht. In der Natur wachsen Primeln häufig an Waldrändern oder auf Wiesen – also an halbschattigen bis lichtschattigen Standorten. Diese Vorliebe gilt auch für Kulturformen. Genau hier liegt laut Rudolph ein häufiger Pflegefehler: „Primeln werden oft wie Sommerblumen behandelt und in die pralle Sonne gesetzt, weil sie so schön leuchten. Dort trocknet der Boden schnell aus, und die Pflanzen bauen rasch ab.“

Auch Staunässe vertragen sie schlecht. Während Kissen-Primeln und Hohe Schlüsselblumen humosen, leicht sauren bis neutralen Boden bevorzugen, wächst die Echte Schlüsselblume besonders gut in kalkhaltigem, durchlässigem Substrat. Stark wuchernde Nachbarpflanzen sind dagegen ungünstig, da sie die niedrigen Stauden schnell verdrängen.

Damit sie gut wachsen und jährlich blühen, brauchen sie im Frühjahr etwas reifen Kompost. Wichtig ist außerdem, das Laub nach der Blüte stehen zu lassen, denn darüber sammelt die Pflanze Nährstoffe für die nächste Saison. Die Gartenberaterin empfiehlt bewusst heimische Arten wie die Echte Schlüsselblume und die Hohe Schlüsselblume: „Sie liefern früh im Jahr Nektar und Pollen für Wildbienen und andere Insekten. Ihre Samen werden zudem von Ameisen verbreitet, die durch nährstoffreiche Anhängsel angelockt werden. So können sich mit der Zeit stabile Bestände entwickeln.“

Besonders natürlich wirken Primeln in Gruppenpflanzungen oder in Kombination mit anderen Frühblühern. Gut harmonieren sie etwa in einem bunten Frühlingsbeet mit Schneeglöckchen, Krokussen, Blaustern, Lungenkraut oder Buschwindröschen, die ähnliche Standortansprüche haben. In ganzjährig angelegten Beeten passen frühe Gräser wie Wald-Segge oder Hainsimsen-Gras dazu. „Sie bringen Ruhe in die Fläche und übernehmen später optisch, wenn die Primeln einziehen“, erklärt Rudolph. Auch Farne oder Vergissmeinnicht schließen im Sommer entstehende Lücken.

Und was tun, wenn kein eigener Garten vorhanden ist, man der Kissen-Primel nach der Blüte aber eine zweite Chance geben möchte? Rudolph rät, die Pflanzen an Freunde oder Nachbarn mit Garten weiterzugeben. Wer einen Balkon besitzt, kann Primeln auch in Kästen oder Kübel setzen und dort über das Jahr bringen. Bei passendem Standort und etwas Pflege stehen die Chancen gut, dass die Stauden im nächsten Frühjahr erneut blühen – und aus der vermeintlichen Wegwerfblume ein dauerhafter Frühlingsbote wird..



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