Schon das Aufwärmprogramm der Cheerleaderinnen wirkt wie eine einstudierte Choreografie. Eine Anleitung der Trainerinnen ist nicht nötig. Die Mädchen wissen, was zu tun ist. Sie springen über die Weichbodenmatten, dehnen ihre Muskeln und bringen den Kreislauf in Schwung. Zwischendurch blödeln sie ein wenig herum. Doch mit einem Mal werden die Gesichter ernst. Als die Musik einsetzt, herrscht plötzlich volle Konzentration. Dann probt die Gruppe ihre Wettkampf-Kür – die 18 Mädchen fliegen durch die Luft, gehen in einen Spagat oder setzen einen Flic-Flac an den nächsten.
Die Volcanos Fire vom BSV Hannovera Gleidingen stecken mitten in den Vorbereitungen auf die größte Herausforderung ihres Lebens. In den USA treten sie in Ontario (Los Angeles) bei ihrer ersten internationalen Meisterschaft an und messen sich mit Teams aus aller Welt.
Dass es irgendwann auf die größtmögliche internationale Bühne geht, war für die Gruppe lange nicht abzusehen. Bei den ersten beiden Turnierteilnahmen belegten sie den letzten und vorletzten Platz. „Als wir das Ganze hier angefangen haben, war unser einziges Ziel, nicht zu versagen. Das haben wir aber“, sagt Trainerin Azin Meyer. Nach den ersten Misserfolgen wechselten einige Cheerleaderinnen sogar zu etablierteren Teams. „Das hat uns Trainerinnen, aber auch den anderen Mädels ganz schön zugesetzt“, sagt Meyer. Doch die, die geblieben waren, packte der Ehrgeiz. Die Trainingszeit wurde verdoppelt, das Trainerteam aufgestockt. Und nicht nur die Umstände wurden verändert, auch die Dynamik innerhalb des Teams veränderte sich. „Die Mädels haben viel Eigeninitiative gezeigt. Nach dem Schmerz kam die klassische Jetzt-erst-recht-Einstellung“, erklärt Meyer. Das wird auch in der Trainingseinheit deutlich. Bei einer Figur, die nur fünf Cheerleaderinnen üben, fiebern die anderen mit. Als der Salto gelingt, applaudiert das ganze Team. Die Fünfergruppe lächelt stolz.
Bei der dritten Meisterschaftsteilnahme in Lemgo, nur zwei Jahre nach ihrer Gründung, war dann alles anders. Im Dezember 2024 qualifizierten sich die Volcanos als absolute Außenseiter für die internationale Meisterschaft in den USA in der Altersgruppe 10 bis 16 Jahre. Damals noch ohne richtige Cheer-Uniform, nur in Leggings und T-Shirts. Mit einer fehlerfreien Performance zählte das Team aus rund 200 Mannschaften zu den vier besten des Turniers. „Wir haben nie gedacht, dass so etwas dabei herauskommt“, sagt Meyer.
Seitdem die Mannschaft die Reise in die Vereinigten Staaten plant, „ist der Zusammenhalt noch größer geworden“, sagt Trainerin Sonja Förster. „Irgendwann merken die Kinder, was es bedeutet, in einem Team zu sein“, ergänzt Meyer. Die Cheerleaderinnen haben viel Freizeit geopfert, um Geld zusammenzubekommen. Doch die benötigten 35.000 Euro sind zu viel für Kuchenverkauf und Spenden. Ein Fall für die NP-Sportstiftung! Mit 2500 Euro unterstützen wir neben vielen anderen Helfern die Volcanos auf ihrer Reise in die USA.
Bei einer der letzten Trainingseinheiten steht die Kür bereits und wird wieder und wieder trainiert. Trotzdem lassen Meyer und Förster Raum für Veränderungen. „Wir passen nochmal etwas an. Auf der drei schaut ihr nach oben“, ruft Meyer nach einem Durchgang. „Macht das mal intuitiv.“
Vor dem Wettkampf auf internationaler Bühne sind die Cheerleaderinnen aufgeregt. „Wir üben schon sehr lange dafür“, sagt Mina Lauenstein. „Die Vorfreude, in den USA auf der Matte zu stehen, ist riesig. Wir arbeiten alle für das gleiche Ziel.“ Und das ist klar formuliert: „Wir wollen ein ,Hit Zero‘, eine fehlerfreie Performance“, sagt Meyer. „Und Platz eins.“