Jérémy Gobé – Korallen-Kunst aus Spitze

Der französische Künstler Jérémy Gobé stellterstmals in Deutschland aus.Foto: Museum für textile Kunst
Hannover. Blau schimmert das Licht, textile Strukturen ziehen sich über rauen Beton, als wären sie organisch gewachsen. Mit „Lace is more – Die Kunst mit Spitze Korallen zu retten“ zeigt das Museum für textile Kunst, Borchersstraße 23, ab Sonnabend, 28. Februar, erstmals in Deutschland Werke des französischen Künstlers Jérémy Gobé. Die Ausstellung verbindet fragile Handarbeit mit drängenden Fragen des Umweltschutzes – und verwandelt den ehemaligen Bunker in eine maritime Bildwelt.

Gobé, Jahrgang 1986, zählt zu den international renommierten Vertretern der Environmental Art. Der in Paris lebende Künstler, ausgebildet an den Beaux arts de Nancy sowie an den Arts Décoratifs in Paris, bewegt sich seit Jahren an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und gesellschaftlichem Engagement. Als er 2017 die traditionelle Technik des Spitzenklöppelns entdeckte, erkannte er in den ornamentalen Mustern eine verblüffende Nähe zu Korallenstrukturen, mit denen er sich künstlerisch bereits intensiv beschäftigt hatte.

Ein Versuch im Meeresaquarium bestätigte seine Intuition: Korallen siedelten sich an geklöppelter Spitze an, deren Muster ihren natürlichen Formen ähnelte. Aus dieser Beobachtung entwickelte Gobé das Projekt „Corail Artefact“. Seither bringt er Unternehmen, Forschungseinrichtungen, innovative Technologien und Bildungsakteure zusammen. Die textile Struktur wird dabei zum Trägermaterial für neues Wachstum – und zum Sinnbild für die Möglichkeit, Kunst als Impulsgeberin für ökologische Transformation zu begreifen.

Seine Arbeiten, darunter das Werk „Corail Artefact“, erscheinen wie Fundstücke aus der Tiefe. Leuchtend gefärbte Spitze umhüllt skulpturale Formen, überzieht Wände und lässt künstliche Riffe entstehen. Die filigranen Ornamente entfalten im Zusammenspiel mit Licht und Raum eine eigentümliche Spannung zwischen Zartheit und Widerstandskraft. Gobé eröffnet damit einen poetischen Zugang zur Unterwasserwelt und verweist zugleich auf die Fragilität mariner Ökosysteme.

Im Museum für textile Kunst trifft diese „Sea Art“ auf einen Ort mit Geschichte. Der im Zweiten Weltkrieg errichtete Bunker, heute Sitz des Museums, bildet einen bewussten Kontrast zur Feinheit der Installationen. Zwischen meterdicken Wänden entfaltet sich eine Szenerie, die an ein Korallenriff erinnert und die Wahrnehmung des Raumes grundlegend verändert.

Das Museum engagiert sich für einen achtsamen, sozialverträglichen und umweltfreundlichen Umgang mit Kleidung und zeigt in seiner Dauerausstellung „Textile Weltreise“ kostbare Textilien aus aller Welt. „Lace is more“ ist bis zum 28. Februat 2027 dienstags bis freitags sowie sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen sind nach telefonischer Anmeldung unter (0511) 5295517 möglich. R/HR

museum-fuer-textile-kunst.de

Druckansicht