Die spektakuläre Bergkulisse war noch vertraut. Auch das malerisch am Lago di Molveno gelegene Schwimmbecken – mit der verlockenden Wassertemperatur von knackigen 1,5 Grad. Vor einem Jahr wurden hier die Eisschwimm-Weltmeisterschaften ausgetragen. Tina Deeken kam damals mit fünf Gold- und zwei Silbermedaillen nach Hause. Jetzt fanden in Molveno die Eisschwimm-Europameisterschaften statt. Und die Para-Athletin vom VfL Eintracht Hannover fischte erneut einen großen Medaillensatz aus dem Wasser.
Deeken gewann dreimal Gold und viermal Silber in den Para-Wertungen. Damit war die 49-Jährige „super zufrieden“. Mit einer Medaillenflut hatte sie nicht gerechnet, sondern gehofft, dass es für wenigstens einen Sieg reicht. Ohne Medaille nach Hause zu kommen, wäre allerdings eine kleine Enttäuschung gewesen.
Am Ende einer langen Woche merkte sie die Anstrengungen. Gern hätte sie sich über 100 Meter Freistil noch einmal Gold geschnappt. „Aber ich war echt platt“, gestand sie und begnügte sich mit Platz zwei. Erste wurde sie in den Tagen zuvor über 50 Meter Brust, 50 Meter Freistil und 100 Meter Brust. Silber gab es außerdem über 250 Meter Freistil sowie über 50 und 100 Meter Rücken.
Weltrekorde waren für Deeken dieses Mal nicht drin. Dafür waren die Wassertemperaturen zu niedrig. Höchstleistung konnte sie nicht abrufen. Zumal die Vorbereitungen auf die EM schwierig waren. Es klingt paradox: Der Winter in Hannover war zu hart. Der Silbersee in Langenhagen, Deekens Trainingsrevier, war über Wochen zugefroren. Die Athletin konnte nur durch das an einer Stelle aufgebrochene Eis ins Wasser. Schwimmen war nicht möglich, nur Eisbaden. „Das ist schon ein Unterschied“, sagt sie. So war die Gewöhnung an das Eisschwimmen im Molveno mit Kopf im Wasser schwieriger als sonst.
Auch wenn die Wassertemperatur im Laufe des Wettbewerbs auf drei bis vier Grad stieg, blieb es eine sehr kalte Angelegenheit. Für einen Abstecher zu den Olympischen Spielen, die parallel in Mailand und Cortina losgegangen sind, blieb keine Zeit. Deeken war jeden Tag im Wasser. Sonntag stand die Rückreise an. Am Montag ging sie schon wieder arbeiten. Vor der Abreise ließ sie es sich aber nicht nehmen, eine entspannte Runde im eiskalten Bergsee zu schwimmen.Die Eisschwimm-Saison ist noch nicht vorbei für die Multisport-Athletin. In knapp einer Wochen will sie bei den deutschen Meisterschaften in Neuhermsdorf bei Altenberg erneut nach Medaillen fischen.