„Angesichts gesellschaftlicher Polarisierung und sinkender Wahlbeteiligung wird politische Bildung in jungen Jahren immer wichtiger“, erklärt Andrea Hanke, Jugenddezernentin der Region Hannover.
„Demokratie lebt davon, dass Menschen sich beteiligen und Verantwortung übernehmen.“ Die U16-Wahl solle es jungen Menschen ermöglichen, ihre Meinung sichtbar zu machen.
„Für viele Kinder und Jugendliche kann die U16-Wahl der erste konkrete Kontakt mit demokratischen Entscheidungsprozessen sein“, sagt Regionsjugendpflegerin Nina Krüger.
Doch wie ist überhaupt die politische Stimmung unter Jugendlichen? Das erforscht Simon Schnetzer, Mitautor der Studie „Jugend in Deutschland“. Die politische Meinung sei sehr stark von Sorgen geprägt, erklärt der Jugendforscher. „Da stehen ganz oben die Kriege in Europa und Nahost, gefolgt von Inflation, Spaltung der Gesellschaft, knappem Wohnraum, Klimawandel, Wirtschaftskrise und dem Erstarken von rechtsextremen Parteien“, sagt er.
Zudem dominiere das Gefühl, von der Politik nicht ernstgenommen und berücksichtigt zu werden – etwa bei Themen wie dem Wehrdienst, dem Rentenpaket oder auch dem Sondervermögen. „Das sind Schulden, die wir den Jungen auferlegen“, sagt er. Zugleich könnten junge Menschen nicht über die Investitionen entscheiden, die sie später abbezahlen müssten. Eine Folge sei, dass sich die Jugend von der politischen Mitte abwende und in Richtung der Ränder orientiere – sowohl nach links als auch nach rechts. Wie wirksam ist angesichts dieser angespannten Lage eine Wahl, bei der die Stimme der Kinder und Jugendlichen am Ende doch nicht zählt? Jugendforscher Schnetzer ist skeptisch. „Politische Selbstwirksamkeit wird damit bei jungen Menschen nicht erzeugt“, sagt er. Viel sinnvoller sei es, das Wahlalter abzusenken – am besten auf 14 Jahre, meint der Experte.
Seine Begründung: Wer erst mit 16 oder 18 wählen dürfe, sei oft schon nicht mehr Teil des Schulsystems. „Dann übernimmt Social Media, und wir überlassen es den Algorithmen von Tiktok und Instagram, welche Parteien und Politiker die Aufmerksamkeit von jungen Menschen bekommen“, sagt Schnetzer. Darin sieht er eine „Riesengefahr für die Demokratie“.
Neben einer Absenkung des Wahlalters müsse politische Bildung noch stärker im Schulsystem verankert werden, fordert Schnetzer. Und auch in anderen Bereichen wie Vereinen und Kommunen sollten Jugendliche mehr Mitbestimmung und Verantwortung erhalten.