Krebspatienten und viele andere werden profitieren: Als erste Klinik bundesweit und vierte in der Welt betreibt die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) jetzt ein hochmodernes System, das dreidimensionale Bilder fast des gesamten menschlichen Körpers erfassen kann. Mit dieser Hochtechnologie-Röhre – Total-Body-PET/CT-System genannt – können die MHH-Fachleute in einem Schritt äußerst genaue 3D-Aufnahmen machen.
„Das bringt uns meilenweit nach vorn. Das Gerät kommt Patientinnen und Patienten dank seiner hochpräzisen und schnellen Bildgebung zugute“, erklärt Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD). Außerdem eröffne es neue Möglichkeiten bei der Erforschung bestimmter Krankheiten und ihrer Zusammenhänge.
Wenn Patienten in der Röhre liegen, erfasst das Gerät ganze 150 Zentimeter des Körpers. „Wir können damit sämtliche Organe simultan aufnehmen, vom Kopf bis zum Knie“, erklärt MHH-Professorin Sibylle Ziegler. Ältere Modelle decken jeweils nur 20 bis 25 Zentimeter ab, dann wird der Patient weitergeschoben; der ganze Vorgang kann bis zu 30 Minuten dauern. In dem innovativen Gerät entstehen großflächige Darstellungen dagegen schon binnen einer Minute.
Die Ganzkörperbilder eröffnen neue Möglichkeiten in der Diagnostik. MHH-Präsidentin Denise Hilfiker-Kleiner spricht von einer ganzheitlichen Betrachtung. „Damit haben wir die Chance zu sehen, welche Effekte ein krankes Organ auf andere hat“, erklärt Professor Frank Bengel, Direktor der MHH-Klinik für Nuklearmedizin.
Gleichzeitig liefert das innovative Total-Body-PET/CT-System Bilder in bisher unerreichter Präzision. Das Gerät kombiniert zwei Bildgebungsverfahren. Die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) dient dazu, molekulare Prozesse im Körper darzustellen. Bei der Computertomografie (CT) entstehen 3D-Schnittbilder von Knochen, Organen und Gefäßen. Die Aufnahmen von beiden Scans werden per Hochleistungsrechner zusammengeführt.
„Wir können Tumore und die Ausbreitung von Entzündungen genau lokalisieren“, sagt Professorin Ziegler. Die Darstellung zeigt neben dem Ursprungstumor auch im Körper verteilte Metastasen. Durch die Genauigkeit der Bilder lasse sich auch der Erfolg etwa einer Krebstherapie früher und besser erkennen, betont Professor Bengel.
Die kurze Untersuchungszeit kommt besonders Patienten mit Schmerzen und Kindern zugute, die nicht lange ruhig liegen können. Durch eine besonders sensible Messtechnik kommt zugleich weniger Strahlung zum Einsatz.
Die MHH profitiert jedoch nicht nur von dem neuen Gerät. Mit der Anschaffung konnte das Land Niedersachsen Professor Bengel in Hannover halten. Der Klinikdirektor hatte den Kauf der Hightech-Röhre zur Bedingung für sein Bleiben gemacht.
„Wir sind stolz, dass uns das gelungen ist. Es ging ihm nicht um ein höheres Gehalt, sondern darum, seine Arbeit besser zu machen“, erläutert Mohrs. 10 Millionen Euro hat das Land mithilfe der Volkswagen-Stiftung dafür ausgegeben.
Das Land konnte zugleich Professorin Ziegler neu für die MHH gewinnen, die seit einem Jahr die PET-Forschung an der Klinik für Nuklearmedizin leitet. Die Spezialistin kommt von der renommierten Ludwig-Maximilians-Universität München. „Es hat mich sehr gereizt, mit dem modernsten Gerät in meinem Gebiet zu arbeiten“, sagt sie.
Klinikdirektor Bengel betont, dass die MHH eine lange Erfahrung in der Nuklearmedizin habe. „Unser Ziel ist es, an der Spitze dabei zu bleiben.“ Bengel hat selbst Pionierarbeit in der Entwicklung von modernen bildgebenden Verfahren geleistet. Seit September 2025 hat die Klinik bereits viele Krebs- und Herzpatienten mit dem Gerät untersucht.