Gerüchte über ein mögliches Aus von „Mövenpick“ in Hannovers Stadtkern gab es bereits länger. Schon allein deswegen, weil es sich bei dem Standort um das mittlerweile letzte Innenstadt-Restaurant unter dem Namen „Mövenpick“ weltweit handelt.
Mehrfach wurde die Gastro-Marke „Marché-Mövenpick” zuletzt verkauft und umorganisiert. Weltweit ist sie als Label für Hotels, Weine, Konfitüren und andere Feinkost aktiv, aber gastronomisch nur noch in Flughäfen, Bahnhöfen und in Zoos präsent.Jetzt haben die neuen Eigentümer der Muttergesellschaft Lagardère aus Paris entschieden, den 2027 endenden Mietvertrag in der Kröpcke-Immobilie nicht zu verlängern. „Der Abschied vom Café am Kröpcke fällt uns alles andere als leicht“, teilte Deutschland-Geschäftsführer Jochen Halfmann am Donnerstag mit. Dieser Standort sei für das Unternehmen „mit sehr viel Geschichte, Emotion und Erfolg verbunden“, gleichzeitig treffe man damit eine „klare strategische Ausrichtung“. Während der verbleibenden Zeit bis Juni 2027 wolle man aber weiter guter Gastgeber in Hannover sein. Wer auf „Mövenpick“ folgen wird, sei noch offen, sagt Thorsten Kröger. Er managt die Café-am-Kröpcke-Betriebsgesellschaft in Hannover, der die Immobilie gehört. Erst mal stehe jetzt ein Komplettumbau in der 1976 erbauten Immobilie mit den markanten Rundbögen und dem rückwärtigen Enercity-Kundencenter bevor. Ziel der Eigentümer sei, das Gebäude „Zug um Zug weiterzuentwickeln – energetisch, architektonisch und funktional“, sagt Kröger.
Die Immobilie ist eine echte Besonderheit in Hannover, denn sie gehört seit Anbeginn knapp 20 hannoverschen Familien. Sie schlossen sich auf Initiative des Notars Arno Böx in der Betriebsgesellschaft zusammen, als der Vorgängerbau des Kröpcke-Cafés dem gewaltigen U-Bahn-Baustellenloch weichen musste. Die Familien errichteten den Neubau und betreiben ihn bis heute.
Alle sind bis dato im Boot geblieben, wenn auch naturgemäß Generationswechsel stattgefunden haben. Cosima Kröger, Enkelin von Gründer Arno Böx, sagt deshalb: „Die Immobilie weiterzuentwickeln ist uns Verpflichtung.“ Ihre Besonderheit sei, dass sie „eine Mischung aus Gastronomie, Handel, Dienstleistung bietet, die der Stadt gut tut“.
Gut ein halbes Dutzend weitere Mieter sind im Gebäude ansässig. Die Bandbreite reicht von Handwerk wie Trüffel Güse, Goldschmiede Stichnoth und dem Optikgeschäft Kasten bis zu Handel wie dem Einrichtungsgeschäft Bockhorst. Zwei weitere Großmieter sind der Dienstleister Enercity, der das Kundencenter im 1998 angebauten, ehemaligen Expo-Café betreibt, und das Burgerrestaurant „Jim Block“, das seit 2011 das gastronomische Angebot im Haus verbreitert.
Enercity hat seinen Vertrag bereits um 15 weitere Jahre verlängert. Allerdings soll auch dieser Gebäudeteil von Grund auf modernisiert werden. Das Kundencenter werde daher voraussichtlich ab Spätsommer auf Interimsflächen im Gebäude ausweichen, sagt Geschäftsführer Kröger. Zudem habe „Jim Block“ signalisiert, dass man nach dem Umbau grundsätzlich weiter am Standort bleiben wolle. Auch mit allen anderen Mietern liefen Gespräche.
Die Immobilie ist technisch eine Holzständerkonstruktion, auf der die runden Kupferdächer montiert sind. Sie entspreche den heutigen Anforderungen an Klimatisierung und Dämmung sowie Haustechnik nicht mehr, sagt Geschäftsführer Kröger. Derzeit arbeite das Architekturbüro Seeberger Walenta an Entwürfen für die behutsame Modernisierung. „Es wird aber eher das, was man in der Automobilbranche ein Facelift nennen würde“, sagt Kröger. Die markante Form bleibe erhalten.
Einer ist auch heute noch dabei, der für die vergangenen 50 Jahre am Kröpcke steht: Dietmar Althof. Der langjährige Café-Direktor hat die „Mövenpick“-Gastronomie 1976 eröffnet und begleitet das Projekt heute als 74-jähriger Vorsitzender des Beirats der Gesellschafterfamilien. Er gibt sich zuversichtlich, dass sich nach dem Umbau eine gute Nachfolge für „Mövenpick“ findet. „Am Kröpcke haben wir schon immer die Zukunft gestaltet“, sagt Althof.