Verrückt nach Diddl
Lissy Elbeshausen ist Fan der Diddl-Maus. Jetzt feiert die Comicfigur aus den 90ern ein Comeback

Comeback der Diddl-Maus: Hier erinnert sich ein Fan zurück - und trauert einem verlorenem Ordner hinterher, der heute wohl mehrere Hundert Euro wert wäre.Foto: Tim Schaarschmidt

Die Retrowelle spült die Diddl-Maus in die Gegenwart. Ab Mitte 2026 soll das Kult-Wesen den deutschen Markt neu erobern. Hier erinnert sich ein Fan aus Hannover – und trauert einem verlorenen Ordner hinterher, der heute wohl mehrere Hundert Euro wert wäre.

Erst waren es zehn Diddl-Blöcke, dann 20, dann noch mehr. Und jetzt sind sie weg. Wie das nun mal so ist mit den Sachen aus der Kindheit: Vergangenheit. Lissy Elbeshausen hat mittlerweile selbst Kinder, drei an der Zahl, sie lebt mit ihnen und ihrem Mann in Barsinghausen. Die 35-Jährige ist Fan der Diddl-Maus geblieben, wenn auch die Erinnerung reichen muss. Vorerst: Denn die Comicfigur steht vor einem Comeback. „Ich habe die ganzen Jahre gehofft“, sagt Lissy Elbeshausen.

In Deutschland waren Produkte der Maus mit den klobigen Füßen in den 90er-Jahren Sammel- und Tauschobjekte. Besonders die Blätter der Schreibblöcke, eingeheftet in großen Ordnern, gehörten zum Alltag vieler Schulkinder. Pausenhöfe verwandelten sich zeitweise in regelrechte Tauschbörsen. Die Maus zierte auch Briefpapier, Tage- und Freundebücher, Kaffeebecher, Bettwäsche und Schulranzen.

Nach mehr als zehn Jahren Pause gibt es all das wieder zu kaufen – vorerst nur in Frankreich und der Wallonie in Belgien. Deutschland soll Mitte 2026 folgen, wie das französische Vertriebsunternehmen Kontiki mitteilte. „Ich freue mich jetzt schon darauf, die ersten neuen Objekte zu kaufen“, sagt Elbeshausen.

Für die Barsinghäuserin geht es um den emotionalen Wert der Produkte. Damit ist sie nicht allein: Tatsächlich ist Nostalgie ein starker Kaufanreiz, sagt Mira Fauth-Bühler, Professorin für Wirtschaftspsychologie und Neuroökonomie an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management in Stuttgart. „Menschen kaufen dabei weniger das Produkt an sich, mit seinem praktischen Nutzen – sie kaufen ein Gefühl. Mit einem Diddl-Block oder einem Kuscheltier bekommen sie ein Stück Kindheit zurück.“ Diese erinnern viele Menschen tendenziell als besonders positive Zeit. Auch wenn dem vielleicht gar nicht so war: „Mit jedem Abruf verändert sich die Erinnerung immer leicht“, sagt Fauth-Bühler. „Das bedeutet, dass sich das, was wir heute über die Vergangenheit zu wissen glauben, sehr wahrscheinlich nicht komplett mit dem tatsächlich Erlebten deckt.“ Oft wirke die Zeit wie eine rosarote Brille, die an ein unbeschwertes Früher denken lasse.

Bei Elbeshausen ist es die Grundschulzeit, die sie mit Diddl verbindet. „In der zweiten oder dritten Klasse hat meine Sammelleidenschaft begonnen. Oft war ich mit meiner Omi bei Nanu-Nana, wo sie mir einen Diddl-Block gekauft hat. Ich hatte Magnete, zwei Freundebücher, Diddl-Buntstifte und einen Kugelschreiber.“ Teilweise lebt die Tauschkultur neu auf, wenn auch in veränderter Form: Während früher auf dem Schulhof gefeilscht und getauscht wurde, finden sich Diddl-Liebhaber aktuell etwa in Whatsapp- oder Facebook-Gruppen zusammen.

Dabei arbeitet die Marke Diddl mit einem beliebten Werbekonzept: dem „Cute Marketing“. Der Gedanke dahinter ist, dass sich Niedliches besonders gut verkauft. Und das wiederum funktioniert meistens mithilfe des Kindchenschemas – optische Merkmale, die dafür sorgen, dass wir etwas süß finden. „Das haben wir sehr stark bei der Diddl-Maus“, sagt Fauth-Bühler. „Die Maus ist bewusst extrem überzeichnet, gerade der Kopf ist sehr groß und die Maus weich und freundlich gestaltet.“ Und: „Denn je geringer der Betrag und damit das finanzielle Risiko, desto weniger schalten wir unseren Verstand ein und desto eher kaufen wir intuitiv. Produkte, die positive Gefühle auslösen, setzen sich dabei natürlich sehr leicht und schnell durch, weil man sie als kleine Stimmungsaufheller sehen kann.“

Gut zu sehen sei das derzeit bei der sogenannten „Little Treat Culture“: Bei diesem Konsumtrend belohnen sich insbesondere junge Menschen der Generation Z zwischendurch selbst mit kleinen Deko-Artikeln, Kosmetik oder hochwertigen Snacks, als „Serotonin-Boost“, um den Alltag besser zu bewältigen. Zumal Social Media eine wichtige Rolle spielt: „Die sozialen Medien würde ich immer als Turbo bezeichnen“, so Wirtschaftspsychologin Fauth-Bühler. „Durch personalisierte Inhalte und entsprechende Hashtags aktivieren sie kollektive Erinnerungen. Dann haben wir schnell diese viralen Wellen, die sich über Instagram oder TikTok verbreiten und bei vielen den Wunsch wecken, auch Teil der Gruppe zu sein.“

Was den Hype um die Diddls zudem befeuert, ist der Wert von manchen Teilen. Etwa der verlorene Diddl-Ordner, den die Sammlerin Lissy Elbeshausen früher besessen hat, wäre ihrer Einschätzung nach mittlerweile sicher hundert Euro wert. Jetzt sammelt sie wieder: „Ich schaue immer wieder bei Kleinanzeigen, ob jemand in der Gegend halbwegs günstige Sachen verkauft“, sagt sie. „Und vor Kurzem hat mir tatsächlich jemand eine Tasse mit ‚Ich bin immer für dich da‘-Aufdruck geschenkt. Damit habe ich das erste neue Diddl-Teil in meinen Haushalt zurückgeholt.“

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