Im Frühling wird diese Schau abgelöst von einer Neupräsentation der umfangreichen Sammlung des Hauses, die ab Mitte Mai in 18 Räumen zu sehen sein wird. Derzeit arbeitet Kuratorin Inka Schube an der Einrichtung dieser Schau. Das Museum besitzt rund 50.000 Arbeiten – gezeigt werden können davon rund 500. Welche Werke aus den Sprengel-Schätzen soll man präsentieren, und wie soll man sie ordnen? Das sind die zentralen Fragen, mit denen Schube sich zusammen mit ihrer Kollegin Katharina Herrmann seit Monaten beschäftigt.
Das Konzept ist inzwischen weit gediehen – und nimmt breiten Raum ein. Um einen übersichtlichen Gesamtblick auf die Schau zu haben, hat Schube die Pläne der Ausstellungssäle nebeneinander in den langen Flur vor ihrem Büro gehängt. Die Kunstwerke, die in der engeren Wahl sind, hat die Kuratorin in magnetischen Miniaturversionen parat, die frei über die Fläche verschoben werden können.
Viele Bilder und Skulpturen haben ihren Platz wohl schon gefunden. Fest steht unter anderem, dass eine Installation von Christiane Möbus gleich zu Beginn des Parcours zu sehen sein wird. Der Titel dieser Arbeit der 78-jährigen hannoverschen Künstlerin wird zugleich der Titel der größten Sprengel-Schau des Jahres: „Mein lieber Schwan“.
Eine weitere wichtige Ausstellung widmet sich dem Künstler Horst Antes, der in diesem Jahr 90 Jahre alt wird und mit den „Kopffüßlern“ ein markantes Motiv entwickelt hat, das seinen Arbeiten einen hohen Wiedererkennungswert verschafft. Auf dem Fußweg vor dem Haupteingang des Sprengel Museums steht seit Langem eine „Kopffüßler“-Skulptur aus Bronze. Im Inneren des Hauses wird die größte Sammlung von Antes-Arbeiten verwahrt: In Hannover gibt es acht Gemälde und rund 800 Grafiken des Künstlers. Sprengel-Direktor Reinhard Spieler glaubt, dass die große Zeit von Antes nicht allein die Siebziger- und Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts waren. „Er wird gerade von vielen Künstlerinnen und Künstlern neu entdeckt“, sagt er. Vom 11. April bis 5. Juli 2026 kann das auch das Publikum im Sprengel Museum tun.
Eine weitere große Retrospektive ist einem etwas in Vergessenheit geratenen Lokalmatador gewidmet. „Otto Gleichmann und der Expressionismus in Hannover“ ist die Schau vom 1. August bis 1. November 2026 betitelt. Und der vor zehn Jahren bei einem Unfall auf tragische Weise verunglückte hannoversche Künstler Hannes Malte Mahler wird vom 5. Dezember 2026 bis 7. Februar 2027 mit einer umfangreichen Werkschau geehrt.
Antes, Gleichmann und Mahler treten dabei immer auch in Dialog mit den ikonischen Werken der klassischen Moderne in der neuen Sammlungspräsentation: „Mein lieber Schwan“ wird nicht nur diese und einige weitere Sonderausstellungen begleiten – die Schau wird für einige Jahre im Sprengel Museum zu sehen sein.
Kuratorin Inka Schube plant dafür einen ungefähr chronologischen Durchgang, der mit Munch und Kokoschka die Geburt der Moderne nachvollzieht, über Werke der Künstlergruppen Blauer Reiter und Brücke zur Neuen Sachlichkeit, zur Kunst während der Nazi-Zeit und schließlich zu unserer Gegenwart mit Arbeiten von hannoverschen Kunstschaffenden wie Timm Ullrichs, Christiane Möbus und Dieter Fröhlich durchdringt. Ein ganzer Raum wird den Arbeiten von Niki de Saint Phalle gewidmet sein, die im vergangenen Jahr so viele Besucher angezogen haben.
Für das poetische Finale der Schau wird eine Arbeit des französischen Künstlers und (oscarprämierten) Drehbuchautors Pierre Bismuth aus dem Jahr 2004 sorgen. Gerade wird „Following the right Hand of Marlene Dietrich in The Blue Angel“ schon im Museum installiert: Eine Restauratorin zeichnet von einer Hebebühne aus mit einem metallischen Lackstift an der Wand die Konturen nach, die mit einem Overhead-Projektor darauf projiziert werden. Wie der Titel es beschreibt, hat Bismuth für diese Vorlage die Bewegungen der rechten Hand der Dietrich in dem Film „Der blaue Engel“ nachvollzogen. Am Ende entsteht daraus ein schwebendes Wolkengebilde aus Silberlinien.