Wer kein Winterquartier besitzt oder keine Lust hat, Zitronen und andere empfindliche Gewächse jedes Jahr ins Haus zu räumen, setzt auf frostharte Kübelpflanzen. Die überstehen die kalte Jahreszeit einfach draußen – wenn die Bedingungen stimmen.
Pflanzen, die jetzt noch auf Balkons und Terrassen stehen, sollten natürlich frosthart und für Gefäße geeignet sein. Das steht auf dem Etikett, im Internet und Fachbüchern – oder Sie haben das schon beim Kauf direkt in der Gärtnerei geklärt. Bei Gehölzen kommen kompakte Sorten, wie der Zwerg-Ahorn infrage, bei Stauden und Gräsern kann nahezu jede Art in Gefäßen wachsen. Klingt einfach und trotzdem überstehen viele Pflanzen, die problemlos zweistellige Minusgrade vertragen sollten, selbst einen milden Winter im Kübel nicht. Denn Frost ist nicht der einzige Faktor, der über das Überleben entscheidet.
■ 1. Schutz vor ExtremenIm Beet verkraften die Pflanzen das Auf und Ab der Temperaturen besser als in Töpfen. Anders als das Erdreich friert das Substrat in Gefäßen schnell komplett durch und taut rasch wieder auf. Dieser häufige Wechsel stresst auch an sich winterharte Pflanzen wie Zwerg-Apfel, Rispen-Hortensie und andere Gehölze. Deshalb tut es selbst robusten Arten gut, wenn das Gefäß ein wenig geschützt wird. Das verhindert große Temperaturschwankungen und verzögert das Durchfrieren des Ballens.
Gut geeignet sind natürliche Materialien, die isolieren und zugleich luftig sind. Jutegewebe, Kokosmatten, Wollfilz oder ausrangierte Pullover: Um den Topf oder Kübel gelegt und fest gebunden, mildern sie Temperaturextreme ab. Von oben lässt sich der Wurzelballen mit einem aufgelegten Kragen aus Kokosgewebe oder etwas Laub und darauf gelegtem Reisig schützen.
■ 2. GruppenweiseStauden oder Kräuter wachsen naturgemäß in kleineren Gefäßen. Statt sie alle einzeln einzupacken, ist es einfacher und wirkungsvoller, sie als Gruppe überwintern zu lassen. Den Rahmen dafür bieten zum Beispiel stabile Obst- oder Weinkisten. Eine passend zugeschnittene Kokosmatte oder Luftpolsterfolie isoliert den Boden von unten. Anschließend stellen Sie die Töpfe hinein und füllen die Kiste mit Laub auf.
Stauden wie Glockenblume oder Storchschnabel, die sich im Winter komplett zurückziehen und im Frühjahr wieder austreiben, können Sie komplett mit Laub abdecken. Sie brauchen erst wieder Licht, wenn die Temperaturen im Frühjahr steigen und sich erste Triebe zeigen. Bei immergrünen Pflanzen wie Efeu bleiben die Blätter frei. Lediglich bei bestimmten Wetterlagen, beispielsweise bei Sonnenschein an eiskalten Tagen, brauchen Immergrüne zusätzlichen Schutz.
■ 3. Mit Gefühl gießenWenn eine an sich frostharte Pflanze den Winter nicht übersteht, liegt das häufig an zu viel Wasser. Eigentlich nichts Besonderes – Staunässe bekommt schließlich den wenigsten Pflanzen. Während Wasser im Sommer schnell wieder verdunstet und meist nur vorübergehend im Untersetzer steht, ist zu gut gemeintes Gießen im Winter besonders gefährlich. Die Kombination aus Kälte und Nässe lässt die Wurzeln schnell absterben. Fäulnis und nicht Frost ist in diesem Fall das Problem.
Damit Wasser gut abziehen kann, sollten Sie alle Untersetzer und Übertöpfe entfernen und die Kübel und Töpfe leicht erhöht, zum Beispiel auf Holzlatten stellen. So bleibt das Abzugsloch offen. Ein wenig Wasser brauchen die Pflanzen auch im Winter, aber mit Fingerspitzengefühl – dann, wenn sich die Erde trocken anfühlt.
■ 4. Schatten spendenAusgerechnet wenn die Tage kurz sind und Sonnenlicht kostbar erscheint, kann Schatten für Pflanzen lebensrettend sein. Das betrifft vor allem immergrüne Arten, wie den erwähnten Efeu oder Rosmarin: Sie betreiben auch im Winter Photosynthese und können bei speziellen Wetterlagen förmlich verdursten. Konkret sind das jene Tage, an denen bei klirrender Kälte die Sonne scheint. Dann verdunsten immergrüne Pflanzen über die Spaltöffnungen ihrer Blätter Wasser, können aber über die Wurzeln aus der gefrorenen Erde keine Feuchtigkeit nachtanken. „Frosttrocknis“ wird dieses Phänomen im Fachjargon genannt.
Halten Sie bei Dauerfrost samt Sonnenschein am besten ein leichtes Vlies als Gegenmittel griffbereit. Über die Pflanzen gelegt, schattiert es die Blätter und reduziert die Verdunstung. An frostfreien Sonnentagen ist ein Abdecken nicht nötig; dann ist es stattdessen wichtiger, die immergrünen Pflanzen ausreichend zu gießen.
Was den Standort betrifft, gibt es eine Faustregel, die allen Arten bessere Bedingungen zum Überwintern gibt: Gut aufgestellt sind Kübel und Töpfe an einem möglichst geschützten Platz. Rücken Sie die Töpfe und Kübel an eine Hauswand, am besten mit einem Dachüberstand, der vor Regen schützt. Dort sind die Pflanzen Wind und extremen Wetterbedingungen nicht so stark ausgesetzt. Hin und wieder muss zwar gegossen werden, aber das ist selten – und zudem behalten Sie die Kontrolle: Sie bestimmen, wie feucht die Erde in den Töpfen ist und müssen sich auch bei Dauerregen keine Sorten wegen Wurzelfäulnis machen.