Mieten in Hannoversteigen um 11,3 Prozent
Neuer Spiegel ist amtlich – und die Ratspolitik ringt um Lösungen,wie die immer höhere Belastung zu dämpfen ist

Erneut ein deutlicher Preisanstieg: Der Mietspiegel 2025 für Hannover liegt dem Rat zur Beschlussfassung vor.Foto: Conrad von Meding
Hannover. Der neue Mietspiegel für Hannover ist final beschlossen. Die sogenannte ortsübliche Vergleichsmiete ist damit um 11,3 Prozent gestiegen – im Durchschnitt von 7,84 auf 8,73 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete. Je nach Lage, Ausstattung und Größe können aber auch ganz andere Preise gelten.

Mit dem Ratsbeschluss aus der Woche vor Weihnachten ist Hannovers Mietspiegel ein amtliches Dokument, das sowohl bei Mieterhöhungen als auch beim Neuabschluss von Verträgen rechtlich bindend ist. Mehr als 40.000 Miethaushalte sowie Vermieter wurden dafür befragt. Weil der letzte umfassende Mietspiegel von 2021 stammt, bezieht sich die Erhöhung um 11,3 Prozent auf vier Jahre.

In den Ratsgremien entspann sich eine heftige Debatte darüber, wie der Anstieg der Wohnkosten zu begrenzen sei.

Die Grünen-Baupolitikerin Ute Dommel verwies auf Hannovers Partnerstadt Leipzig, die den Anteil kommunaler Wohnungen massiv ausbaut. „Die Zahl von aktuell etwa 36.000 städtischen Wohnungen soll dort bis 2030 auf 40.000 steigen“, sagt sie. In Leipzig liege die Durchschnittsmiete bei 6,04 Euro. Sie forderte „solche Überlegungen auch für Hannover“.

Ratsherr Dirk Machentanz vom Bündnis BSW ging sogar noch einen Schritt weiter. Der neuerliche Anstieg der Mieten zeige, dass „die Wohnungspolitik in Hannover nicht erfolgreich“ sei, kritisierte er. „Die Löhne steigen nicht so stark wie die Wohnkosten.“

CDU-Baupolitiker Patrick Hoare hingegen verwies darauf, dass ein Anstieg der Kaltmieten von 11,3 Prozent in vier Jahren unterhalb der Inflationswerte seit 2021 liege. „Ich glaube, wir haben hier sehr viele Vermieter und Eigentümer, die sehr sensibel mit Mieterhöhungen umgehen“, lobte Hoare.

Das zentrale Problem bei den Wohnkosten der Menschen sei vielmehr der Anstieg der Nebenkosten. Und da habe die Stadtpolitik durchaus Einfluss, weil viele Positionen der Nebenkosten von kommunalen Unternehmen und Einrichtungen bestimmt würden. Hoare nannte Heizkosten wie Gas- und Fernwärmepreise (Enercity), Gebühren für Abfall (Aha) und etwa Schmutzwasser (Stadtentwässerung). „Die Themen, die wir steuern könnten, werden in dieser Stadt nicht oder falsch gesteuert“, monierte er. „Stadtverwaltung und Ratsmehrheit müssen handeln.“ FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke pflichtete ihm bei. „Ich habe das für ein Wohnhaus durchgerechnet, da haben sich die Energiekosten fast verdoppelt“, sagte er. Steigende Nebenkosten „könnten zum Problem für viele werden in dieser Stadt“.

Grünen-Ratsfraktionschef Daniel Gardemin hingegen widersprach: „Das Nebenkostenthema ist eine Ablenkung vom eigentlichen Problem der steigenden Mieten.“ Nebenkosten seien in der Regel halb so hoch wie die Kaltmiete. „Es ist absolut nicht schön, wenn sie steigen, aber so zu tun, als ob das die Wohnkosten verdoppelt, das ist unlauter.“ Vielmehr müssten Spekulation und Leerstand sowie Wohnraumzweckentfremdung bekämpft werden.

Die AfD äußerte sich in der Debatte zum Mietspiegel und zu den Wohnkosten nicht. Ratsherr Uwe Wippach meldete sich zwar zu Wort, zog den Beitrag dann aber wortlos zurück.

Einig waren sich die anderen Fraktionen insbesondere darin, dass es gut sei, mit dem amtlichen Mietspiegel nun in Hannover wieder Rechtssicherheit zu haben. 2023 hatte es Probleme bei der Erhebung gegeben, sodass kein qualifizierter Mietspiegel ausgestellt werden konnte. „Dass es jetzt wieder Rechtssicherheit zwischen Mietern und Vermietern gibt, ist ein hoher Wert angesichts der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt“, sagte der zuständige Fachbereichsleiter im Rathaus, Thorsten Warnecke.

Hannovers Quadratmeter-Kaltmieten bewegen sich laut neuem Mietspiegel zwischen 6,43 und 14,17 Euro. In besonders guten Lagen und mit weit überdurchschnittlicher Ausstattung können es auch bis zu 16,38 Euro sein.

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