Nach den Feiertagen beginnt für viele Küchen ein zweites Weihnachten: jenes, das sich in Töpfen, Schüsseln und gut gemeinten Vorräten versteckt. Kaum ein Festessen ist so üppig wie das am Heiligabend und an den folgenden Tagen – und kaum eines erzeugt so viele köstliche, aber oft unterschätzte Reste. Dabei steckt in ihnen enormes Potenzial. Mit ein wenig Kreativität verwandeln sie sich in eigenständige Gerichte, die fast noch mehr Freude machen als das ursprüngliche Festmenü. Bonus: Wer Reste nutzt, spart nicht nur Geld und Zeit, sondern reduziert auch Lebensmittelverschwendung, die in Deutschland besonders rund um die Feiertage deutlich ansteigt.
Besonders vielseitig sind Kartoffeln in jeder Form. Übrig gebliebener Kartoffelbrei lässt sich mit etwas Mehl, Salz und Pfeffer zu kleinen Fladen formen, die in der Pfanne goldbraun gebraten werden. Außen knusprig, innen weich – ein wunderbarer Snack oder eine Beilage. Kartoffelpüree eignet sich außerdem hervorragend als „Kartoffelhaube“: einfach über Gemüse- oder Fleischreste streichen, mit Semmelbröseln bestreuen und im Ofen gratinieren. Auch gekochte Festtagskartoffeln bekommen ein zweites Leben: in der Pfanne zu Bratkartoffeln gebrutzelt, in einer wärmenden Suppe verarbeitet oder mit etwas Öl und Gewürzen im Ofen knusprig gebacken.
Auch helles Brot vom Vortag ist viel zu schade zum Wegwerfen. In Stücke gerissen, mit Milch oder Pflanzenmilch, etwas Zucker und Zimt eingeweicht und in einer Auflaufform gebacken, wird daraus ein “Bread-&-Butter-Pudding“: außen leicht knusprig, innen weich und saftig. Wer mag, ergänzt Apfel- oder Birnenstücke, Bananenscheiben, Rosinen oder Nüsse – ein echter Dessert-Auflauf, der nach Winterküche duftet. Aus etwas dickeren Brotscheiben werden in der Pfanne „Arme Ritter“, in verquirltem Ei oder gezuckerter Milch (mit etwas Speisestärke oder Mehl verrührt) gewendet, in der Pfanne gebraten und mit Zimt-Zucker bestreut. Sie passen hervorragend zu Apfel- oder Zwetschgenkompott.
Plätzchen, die ihre beste Zeit schon hinter sich haben, lassen sich ideal als Dessert-Zutat weiterverwenden. Zerbröselt ergeben sie den Boden oder die Knusperschicht für tiramisu-artige Schichtdesserts im Glas oder kleine Cheesecake-Kreationen: abwechselnd mit Creme, Joghurt, Quarkalternativen, Fruchtkompott oder Schokoladensauce geschichtet, sieht das nicht nur dekorativ aus, sondern holt geschmacklich das Beste aus dem Restekeks heraus.
Typische Gemüsebeilagen wie Rosenkohl, Pastinaken oder Möhren lassen sich hervorragend anbraten und als Bowl-Zutat verwenden oder gemeinsam mit übrigen Kartoffeln zu Ofengemüse kombinieren. Mit einer frischen Soße, etwa einem Zitronen-Tahini-Dressing, wirkt das Gericht völlig neu.
Fleischreste in Soßekönnen in Aufläufen oder Pastagerichten unterkommen.
Rotkohl zeigt sich überrachend wandelbar. Kalt wird er zu einem winterlichen Krautsalat, wenn er mit etwas Joghurt, Zitrone, Salz und Pfeffer vermengt wird. Dazu passen oder frisch gebratener Räuchertofu oder auch Gemüse- oder Fleischreste, die zusammen mit dem Krautsalat in einem Wrap oder Sandwich verschwinden. So entsteht ein frisches, leichtes Gericht, das dennoch festliche Aromen transportiert.