Der nächste große Wurf
Recken-Talent Julius Pöthke wird Europameister mit deutschen U18-Handballern

Im Halbfinale gegen Spanien: Julius Pöthke wird aufgehalten – er warf dennoch acht Tore in dem Spiel. Foto: IMAGO/Nebojsa Parausic

Seit seinem achten Lebensjahr spielt Julius Pöthke Handball für die TSV Burgdorf – und der Linkshänder kehrt von seinen Ausflügen mit den deutschen U-Nationalmannschaften regelmäßig mit einer Medaille zurück in die Reckenschmiede, das Nachwuchszentrum der Bundesliga-Handballer der TSV Hannover-Burgdorf.

Jetzt hat Pöthke es schon wieder getan: Mit der U18-Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) warf er sich in Serbien zum Titel bei der Europameisterschaft. Die Auswahl von Bundestrainer Erik Wudtke deklassierte im Finale von Belgrad Slowenien mit 36:27 (17:11) und bescherte dem DHB die nächste Goldmedaille im Nachwuchsbereich.

Zum deutschen Gold-Team gehören neben dem jungen Recken Pöthke unter anderem Elvis Kretzschmar, Sohn von Handball-Ikone Stefan Kretzschmar, sowie Kalle Gaugisch, Sohn von Frauen-Bundestrainer Markus Gaugisch. Zum Auftakt der Hauptrunde hatte sich die deutsche U18 den Slowenen noch knapp geschlagen geben müssen.

Für den DHB setzt sich damit die beeindruckende Erfolgsserie im Nachwuchs fort. Anfang Juli hatten sich die U20-Frauen zum Weltmeister gekrönt – unter dem ehemaligen Recken-Trainer Christopher Nordmeier sowie mit den damaligen Badenstedt-Spielerinnen Chiara Rohr und Emma Niemann. Bereits im Vorjahr hatte die U19 die Europameisterschaft gewonnen.

Bei den Männern hatten sowohl die U17 als auch die U19 im vergangenen Jahr den WM-Titel geholt. Bei den U17-Männern war Pöthke damals in Marokko ebenfalls dabei, ebenso wie beim Europäischen Olympischen Jugendfestival 2025 in Nordmazedonien, wo es für die deutsche Auswahl Silber gegeben hatte. „Diese Erfolge zeigen: Wir sind weiterhin auf einem guten Weg und haben bei beiden Geschlechtern vielversprechende Talente mit tollen Perspektiven. Diese müssen wir weiter nachhaltig fördern, und das geht nur gemeinsam mit den Vereinen“, sagte DHB-Sportvorstand Ingo Meckes.

Im gesamten EM-Turnier warf Pöthke, der im rechten Rückraum und in der Rückraum Mitte spielt, 19 Tore, alleine acht davon beim Halbfinalsieg gegen Spanien. Ins Finale startete Deutschland nervös und geriet nach einigen Fehlwürfen mit 5:8 in Rückstand. Doch die aggressive Abwehr stellte Slowenien zunehmend vor Probleme. Die DHB-Auswahl erzwang zahlreiche Ballverluste und drehte die Partie zum 15:11. Auf der Tribüne jubelte Stefan Kretzschmar, der am Finaltag extra mit dem Auto aus Deutschland angereist war.

Die deutsche Handball-Ikone sah, wie Slowenien nach der Pause einbrach und reihenweise Geschenke verteilte. DHB-Torhüter Tobias Dengler hatte mit sehenswerten Paraden maßgeblichen Anteil daran, dass sein Team auf 20:11 davonzog. Über zehn Minuten blieb Deutschland zwischenzeitlich ohne Gegentor. Das Spiel war früh entschieden, Pöthke steuerte einen Treffer bei.

„Wir sind stolz auf dich und freuen uns riesig mit dir“, grüßten die Profi-Recken das Talent im Internet auf Instagram. Mit den A-Junioren der TSV schaffte es Pöthke in der vergangenen Saison bis ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft, in dem gegen den späteren Titelträger SC Magdeburg Schluss war.

Ein wichtiger Mentor war sein Burgdorfer Jugendtrainer Koray Ayar, der jetzt die Recken-Reserve in der 3. Liga trainiert. Einer, der den vielseitig einsetzbaren Pöthke auch sehr gut kennt, ist Heidmar Felixson, Recken-Co-Trainer, Handball-Abteilungsleiter der TSV und schon jahrelang hauptverantwortlich für den Nachwuchs. „Julius hatte viel Spielzeit und hat das sehr gut gemacht im Turnier“, sagt Felixson. „Ein guter Junge. Und schon ein ganz reifer Handballer. Sehr intelligent.“ Der Isländer muss kurz innehalten, um den 18-Jährigen weiter zu beschreiben. „Er ist nicht der Normale. Er ist anders als die meisten. Richtig abgezockt. Sehr erfahren für sein Alter.“

Pöthke könne jetzt „ein paar Tage die Füße hochlegen“, in den nächsten Wochen soll er aber weiter systematisch an das Profiteam herangeführt werden. Kjell Kothe und Levi Fielitz haben schon die gesamte Vorbereitung der Bundesliga-Recken mitgemacht. Auch Arne Müller war im rechten Rückraum oft dabei. „Er wird auch eine Rolle spielen, aber Julius wird perspektivisch ganz klar die Nummer 3 bei uns im rechten Rückraum sein“, sagt Felixson. Also hinter Superstar Renars Uscins, der in einem Jahr zu Paris St. Germain wechselt, und Vilhelm Poulsen.

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