Großer Plan fürs Kleine Fest
Was das druckfrische Programmheft über das diesjährige Kleinkunstspektakel in Herrenhausen verrät

Detlef Desimo Simon: mit dem Programmheft vom Kleinen Fest.Foto: Steven Engel
Hannover. „Kl“ steht auf dem Titelblatt des Programmhefts, „Kl“ wie Kleines Fest im Großen Garten. Ein „E“ und ein „F“ sind angeschnitten. Das muss genügen, und erstaunlicherweise genügt es auch: Mindestens die Kleinkunstfans Hannovers wissen auf den ersten Blick, worum es geht. Jetzt ist das Programmheft für die diesjährige Ausgabe erhältlich, und es präsentiert sich selbstbewusst: in der Annahme, dass die traditionsreiche Kleinkunstveranstaltung so etabliert ist, dass man ihre Wort- und Bildmarke als bekannt voraussetzen kann und gar nicht erst ausbuchstabieren muss.

Das Heft gibt es kostenlos online auf der Website des Kleinen Fests oder gedruckt gegen eine Schutzgebühr von 3 Euro an der Touristinformation am Bahnhofsplatz, den HAZ-/NP-Ticketshops und an den Herrenhäuser Gärten. Zwei Wochen vor Beginn der Veranstaltungsreihe, die in diesem Jahr vom 2. bis 16. Juli läuft, gibt das Heft auf 40 gut sortierten und verspielt illustrierten Seiten einen Einblick in das, was sich der neue künstlerische Leiter Detlef Simon alias Desimo und sein Team ausgedacht haben. Der Plan steht. „Jetzt läuft alles seinen Gang“, sagt Desimo.

Der Übersichtsplan in der Heftmitte zeigt auf einen Blick, dass das Fest wieder weiter nach vorne gerückt ist; die städtische Vorgabe, dass nur der hintere Bereich des Gartens bespielt werden darf, ist nach zwei Jahren schlechter Erfahrungen vom Tisch. Der erste Act, auf den das Publikum stoßen wird, sind gleich am Eingang zur Picknickwiese die Stelzenläufer vom Teatro Pavana in ihren farbenfrohen Kostümen. Die hinterste Bühne (mit Musik-Comedy und Comedy-Zauberei von Marie Diot und Jan Logemann, beziehungsweise Monsieur Brezelberger) befindet sich hinter der Großen Fontäne. Zum großen Finale, das dort stattfinden soll, wird sie gedreht. Ein Feuerwerk zum Abschluss ist nach wie vor nicht gestattet. Desimo legt aber großen Wert darauf, dass alle auftretenden Künstlerinnen und Künstler angemessen verabschiedet werden. Details will Desimo noch nicht verraten. Er verspricht aber eine schöne Überraschung.

Auffällig sind kleine Regenwolkensymbole im Heft und auf dem Übersichtsplan. Sie kennzeichnen Acts, die bei Nieselregen oder nassem Boden wegen Verletzungsgefahr nicht auftreten können. Das betrifft zehn von 38 Darbietungen. „Bei allen anderen versuchen wir, so lange wie möglich zu spielen. Auch bei Nieselregen kann noch viel Fest stattfinden“, sagt Desimo. „Wir haben auf jeden Fall das regenfesteste Programm, das es je gegeben hat.“

Der Kleinkunstveranstalter hat sich genau angeschaut, was bei seinen Vorgängern Harald Böhlmann und Casper de Vries funktioniert hat. So wird die Große Fontäne wieder (ab 22.40 Uhr) der Ort fürs Finale wie bei de Vries. Die Gastronomie ist aber wieder wie bei Böhlmann weiter nach vorn gerückt, damit mehr Raum ist für Kunst und Künstler. Es gibt wie bei Böhlmann eine Flaniermeile entlang der Schwanenteiche. Und es gibt wieder im sogenannten Halbmond die von de Vries etablierte Fontänenbar.

„Der Zeitplan ist wieder ganz strikt“, sagt Desimo. Es gibt 20-Minuten-Slots wie bei Böhlmann, aber neun davon wie bei de Vries. Gespielt wird zu jeder vollen und halben Stunde. Die beiden großen Ausnahmen sind die aufwendigsten Programmpunkte: Der Cirque Bouffon und die Trapezartisten von GoGoHome reisen jeweils mit mehr als zehn Personen an und spielen 40 Minuten am Stück.

Die 20-Minuten-Programme sind eine hannoversche Eigenheit, aber vom Publikum des Kleinen Fests erlernt: Dessen Erfinder Böhlmann hatte das in den mehr als 30 Jahren seiner künstlerischen Leitung etabliert. „Auf den Festivals, auf denen ich jetzt unterwegs bin, um neue Künstler zu finden, stehe ich manchmal 75 Minuten da und schaue mir die Acts an“, sagt Desimo. Er präsentiert 24 Acts, die noch nie in Hannover waren, und sechs Premieren. Aber seine Handschrift zeigt der Veranstalter vor allem in der Form von Vernetzung. So gibt es eine Bühne für die Unesco City of Music (Ucom) Hannover. Das hiesige Hidden Collective trifft dort auf Musikerinnen und Musikern aus internationalen Ucoms und beschallt die Festwiesen hinter dem Gartentheater mit seiner Gastronomie. Die Slam-Poeten von „Macht Worte“ bespielen eine Bühne nahe der rechten Sternfontäne, das Kollektiv Candid Comedy eine weitere auf halber Strecke zwischen Fontänenbar und Fontäne.

Sogar mit der Hörregion Hannover kooperiert das Kleine Fest: An der großen Bühne nahe der Graft läuft ein Pilotprojekt: „Man kann dort gegen Pfand Hörunterstützung bekommen”, sagt Desimo. „Mal sehen, was passiert. Vielleicht kann man daraus nächstes Jahr mehr machen.“

Viel Lob für all diese Pläne ist jetzt schon im Programmheft zu lesen. Eines kommt von Komödiant Dietmar Wischmeyer in seiner Rolle als Günther, der Treckerfahrer.

„Da regier’n nicht der Schlund und die angeschlossenen Verdauungsorgane, sondern man kann einfach mal was Schönes sehen und hören“, schreibt der über das Kleine Fest. „Gut, dass es so was noch gibt in dieser nervigen Welt.“

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