Breites Bündnis fordert Verkehrswende
Mehr Sicherheit, Barrierefreiheit und klimafreundliche Verkehrsplanung:
Über 37 Organisationen haben einen offenen Brief an Kandidierende für die Kommunalspitzen übergeben.

Übergabe des offenen Briefs an Oberbürgermeister Belit Onay (3. v.l.): Vertreterinnen und Vertreter des Bündnisses „hannover unterwegs“ kamen vor dem Neuen Rathaus in Hannover zusammen, um ihre Forderungen deutlich zu machen.Foto: hannover unterwegs
Hannover. Mehr als 37 Organisationen und Initiativen aus Hannover fordern eine grundlegende Neuausrichtung der Verkehrs- und Stadtplanung in Hannover und der Region. Unter dem Titel „hannover unterwegs – Mobilität für uns alle!“ hat das Bündnis jetzt einen offenen Brief mit Forderungen an die Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters und des Regionspräsidenten veröffentlicht.

Zu den Unterstützern gehören Umwelt- und Klimaschutzgruppen, Verkehrsinitiativen, Gewerkschaften, Sozialverbände, Schülervertretungen sowie Vereine aus den Bereichen Architektur, Kultur und Sport. Beteiligt sind unter anderem der ADFC, Verdi, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Greenpeace Hannover, der Stadtschülerrat, der Paritätische Region Hannover, die Architektenkammer Niedersachsen, die Arbeiterwohlfahrt Region Hannover und Hannover for Future (als Zusammenschluss aller hannoverschen „for Future“-Gruppen). Ziel des Bündnisses ist eine „sichere, gerechte und klimafreundliche“ Mobilität für alle Menschen.

Der offene Brief wurde bereits an mehrere Kandidierende übergeben, darunter Oberbürgermeister Belit Onay, Axel von der Ohe, Sinja Münzberg und Mizgin Ciftci. Weitere Gespräche mit anderen Kandidaten und verkehrspolitischen Sprechern seien geplant, so die Organisatoren.

In dem Papier beschreibt das Bündnis seine Vision eines „lebenswerten, zukunftsfähigen und entspannten Hannovers“, in dem sich Menschen sicher, klimafreundlich und komfortabel fortbewegen können. Besonderes Augenmerk legen die Initiativen dabei auf Kinder, ältere Menschen und mobilitätseingeschränkte Personen.

Die Unterzeichner fordern unter anderem breitere und barrierefreie Gehwege, sichere Querungen an Schulen und Kitas, ein besser ausgebautes Radwegenetz sowie mehr Verkehrsberuhigung in Wohnquartieren. Auch Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften gehört zu den zentralen Forderungen. Tempo 50 soll nach Vorstellung des Bündnisses künftig nur noch auf geeigneten Hauptverkehrsstraßen gelten.

Darüber hinaus verlangen die Initiativen einen stärkeren Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Busse, Stadtbahnen und S-Bahnen müssten zuverlässiger, günstiger und barrierefrei werden. Gleichzeitig fordert das Bündnis bessere Umsteigemöglichkeiten zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln sowie zusätzliche Park-and-Ride-Angebote.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verkehrssicherheit. Das Bündnis spricht sich ausdrücklich für die sogenannte „Vision Zero“ aus – also das Ziel, keine Verkehrstoten mehr zu akzeptieren. Als Vorbild wird unter anderem Helsinki genannt. Dort sei seit Jahren kein Kind mehr im Straßenverkehr ums Leben gekommen. Sichere Kreuzungen, geschützte Radwege und autofreie Schulstraßen seien deshalb zentrale Bausteine der vorgeschlagenen Verkehrswende.

Die Initiativen verbinden ihre Forderungen zugleich mit sozialen und stadtplanerischen Fragen. Öffentliche Räume sollten nicht nur dem Verkehr dienen, sondern auch Orte für Begegnung, Erholung und kulturelles Leben sein. Gefordert werden deshalb zusätzliche Aufenthaltsflächen mit Sitzgelegenheiten, Begrünung, Trinkwasserbrunnen und Spielmöglichkeiten. Mobilität müsse als Grundbedürfnis verstanden werden und unabhängig von Einkommen, Alter oder körperlichen Einschränkungen zugänglich sein.

Nach Auffassung des Bündnisses zeigen andere Städte bereits, dass eine solche Entwicklung möglich sei. Die Größe und Vielfalt der Unterstützer verdeutliche zugleich, dass der Wunsch nach einer anderen Mobilität inzwischen weit über klassische Umweltverbände hinausreiche. RED
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