40.000 Euro für den Johanniter-Hospizdienst Hannover
Der Hospizdienst der Johanniter erhält eine Nachlassspende.
Dahinter steckt eine Geschichte über Selbstbestimmung,
Solidarität unter Frauen und darüber, bis zuletzt füreinander da zu sein.

Der Bernsteinanhänger erinnert Andrea Hoffmann an ihre verstorbene Freundin. Foto: Johanniter/Janna Schielke
hannover. „Lebenstüchtig“ sei Brigitte Weber* gewesen. Eine, die sich nicht hat unterkriegen lassen. So erzählt es ihre Freundin und Nachlassverwalterin Andrea Hoffmann*. Um ihren Hals trägt sie einen Bernsteinanhänger – ein Geschenk von Brigitte Weber kurz vor ihrem Tod. „Man kann sich Brigitte wirklich als Beispiel nehmen, nicht den Kopf in den Sand zu stecken“, sagt ihre Freundin. Als Kind von Vertriebenen kommt Brigitte Weber 1947 zur Welt und wächst in einfachen Verhältnissen auf. Die Familie wohnt in einer Gartenlaube. Die kleine Brigitte hat ein eigenes Gemüsebeet, um das sie sich mit Begeisterung kümmert. Später heiratet sie und betreibt mit ihrem Mann eine Gaststätte. Er hat ein Alkoholproblem, ist gewalttätig. Brigitte Weber hält lange den Laden am Laufen und trennt sich schließlich. Sie absolviert einen Sekretärinnenkurs und fängt Ende der1980er Jahre bei einer Ermittlungsbehörde als Auswerterin an, wo sie später Andrea Hoffmann kennenlernt. Hier analysiert sie Fallmeldungen, findet Zusammenhänge und Muster. „Darin ist sie richtig aufgegangen“, erzählt die Freundin.

Ein Auge für Details hat Brigitte Weber – im Beruf fällt das auf, aber erfährt nicht immer genug Anerkennung. Und: Sie ist unabhängig, kann sich eine kleine Eigentumswohnung leisten. Aber auch mit Benachteiligung hat sie zu kämpfen, als Frau in einer durch Männer dominierten Behörde. Auch das schweißt die Kolleginnen zusammen. Über die Jahre entwickelt sich eine Feundschaft, die noch enger wird, als Brigitte Weber in den Ruhestand geht. Die beiden unterstützen sich: Andrea Hoffmann begleitet ihre ehemalige Kollegin zu Ärzten und kümmert sich um die in die Jahre gekommene Wohnung.

Brigitte Weber spendet Trost, als ihre Freundin mit einem Trauerfall zu kämpfen hat. „Wir Frauen müssen doch zusammenhalten“, so Andrea Hoffmann.

Zum letzten Mal telefonieren die beiden am 2. Mai 2024. Am 11. Mai verstirbt Brigitte Weber im Alter von 77 Jahren. Was bleibt, sind viele Erinnerungen: Zum Beispiel, daran, dass sie gut zuhören konnte, kunstvolle Stickarbeiten anfertigte und hervorragend kochte. Deftiges kam dann auf den Tisch. „Einmal hat sie darum gebeten, ihr Schweinepfötchen mitzubringen – und hat dann köstlich für ihre Nachbarn gekocht.“

Was auch bleibt, ist eine Nachlassspende, die anderen dabei hilft, am Lebensende nicht allein zu sein. 40.000 Euro gehen an den ambulanten Hospizdienst der Johanniter – so hatte es sich Brigitte Weber gewünscht. Ehrenamtliche begleiten hier schwer kranke und sterbende Menschen. Sie helfen dabei, Abschied zu nehmen, letzte Wünsche zu erfüllen, spenden Trost oder sind einfach da. „Wir sind zutiefst dankbar“, sagt Hospizkoordinatorin Jasmin Heinecke von den Johannitern. „Einsetzen werden wir das Geld für eine zusätzliche hauptamtliche Koordinierendenstelle. So hilft diese Spende, anderen noch besser helfen zu können.“ (*Name geändert)

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