Ein besonderer Apfelbaum für Laatzen
Bündnis gegen Extremismus feiert einjähriges Bestehen mit einem Sommerfest. Ein dabei gepflanzter Baum erinnert an den „Apfelpfarrer“ Korbinian Aigner

Arthur Rupp erinnert in seiner Rede an den katholischen Pfarrer und Pomologen Korbinian Aigner, einen Kritiker des nationalsozialistischen Regimes, nach dem der Korbiniansapfel benannt ist.Foto: Udo Hetmeier
Laatzen. Noch ist er klein. Doch wenn alles gutgeht, wird der junge Apfelbaum an der Flemingstraße viele Jahre überdauern. Und genau darum geht es den Menschen, die ihn an diesem Nachmittag gemeinsam in die Erde setzen: um Wurzeln, um Widerstandskraft und darum, etwas für die Zukunft wachsen zu lassen.

Mit einem Sommerfest im Interkulturellen Garten hat das Bündnis gegen Extremismus Laatzen für Demokratie und Vielfalt sein einjähriges Bestehen gefeiert. Rund 40 Gäste aus Politik, Verwaltung und ehrenamtlichem Engagement kamen dazu, ebenso Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gartens.

Udo Hetmeier vom Trägerverein Jukus, der den Interkulturellen Garten seit 15 Jahren leitet, begrüßte die Gäste. Brot kam frisch aus dem Gartenbackofen, dazu gab es ein Mitbring-Buffet und Livemusik der Singer-Songwriterin Lili Borgas.

Dass Begegnung hier nicht erst organisiert werden muss, zeigte sich während des Festes ganz nebenbei. Menschen, die eigentlich gekommen waren, um ihre Beete zu pflegen, wurden kurzerhand eingeladen, sich dazuzusetzen und mitzufeiern. Gerade diese Offenheit mache den besonderen Charakter des Interkulturellen Gartens aus, sagte Christine Rupp vom Bündnis.

Im Mittelpunkt des Nachmittags stand schließlich ein junger Korbiniansapfel. Arthur und Christine Rupp pflanzten ihn gemeinsam mit Udo Hetmeier im Garten.

Der Name des Baumes führt zurück in die Zeit des Nationalsozialismus. Korbinian Aigner, auch als „Apfelpfarrer“ bekannt, war katholischer Pfarrer, Pomologe und Gegner des NS-Regimes. Wegen regimekritischer Äußerungen wurde er verfolgt und inhaftiert. Nach Gefängnis- und Gestapohaft kam er 1941 in das Konzentrationslager Dachau.

Selbst dort beschäftigte er sich weiter mit dem Obstbau und zog Apfelsämlinge. Vier daraus hervorgegangene Sorten bezeichnete er als KZ 1 bis KZ 4. Von ihnen blieb KZ 3 erhalten. Im Jahr 1985, zu Aigners 100. Geburtstag, wurde die Sorte in Korbiniansapfel umbenannt.

Arthur Rupp erzählte den Gästen die Geschichte des Baumes. Dass ausgerechnet unter den Bedingungen eines Konzentrationslagers etwas heranwuchs, das Jahrzehnte später weiterlebt, macht den Apfel für das Bündnis zu einem besonderen Symbol.

Der Baum soll deshalb nicht allein an Korbinian Aigner erinnern. Er soll auch dafür stehen, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist, sondern vom Engagement der Menschen lebt. Neben dem Baum soll künftig ein Schild über seine Geschichte und seine Bedeutung informieren.

Auch die Stadt Laatzen bekräftigte während des Festes ihre Unterstützung für das Bündnis. Stephan Bunjes, Fachbereichsleiter Soziales der Stadt Laatzen, erklärte: „Die Stadt Laatzen steht fest zu den demokratischen Grundrechten und ihren grundlegenden Werten wie Vielfalt, Respekt, Teilhabe und Toleranz. Deshalb begrüßen wir es außerordentlich, dass sich ein breites Bündnis aus Vereinen, Verbänden und Initiativen gegründet hat, das für diese wichtigen Werte einsteht und einer wehrhaften Demokratie in Laatzen ein klares Gesicht gibt.“

Demokratie dürfe kein Selbstzweck sein, betonte Bunjes weiter. Die Stadt wünsche dem Bündnis auch für die Zukunft viel Schaffenskraft und zahlreiche weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Nun muss der Korbiniansapfel erst einmal anwachsen. Zwischen Gemüsebeeten, Gartenofen und den Parzellen der Menschen, die an der Flemingstraße gemeinsam gärtnern, bekommt die große Idee von Demokratie damit einen ziemlich konkreten Platz: ein Stück Erde, ein junger Baum und Menschen, die sich darum kümmern. RED

Druckansicht