Die Anfänge der heutigen Koordinierungsstelle reichen bis 1991 zurück. Damals richtete der frühere Landkreis Hannover zunächst eine Beratungsstelle für Berufsrückkehrerinnen ein. Sie reagierte damit auf die steigende Zahl von Frauen, die nach einer familienbedingten Unterbrechung wieder eine Beschäftigung aufnehmen wollten. Aus dem zunächst befristeten Projekt entwickelte sich eine dauerhafte Einrichtung, deren Aufgaben sich mit dem Arbeitsmarkt verändert haben.
Heute stehen neben dem Wiedereinstieg auch berufliche Neuorientierung und Qualifizierung, die weitere Karriereentwicklung, die Vereinbarkeit verschiedener Lebensbereiche und die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen im Mittelpunkt. Dabei betrachtet die Beratungsstelle nach eigenen Angaben die gesamte Erwerbsbiografie. Thematisiert werden etwa auch die Folgen längerer Teilzeitphasen für Einkommen, berufliche Möglichkeiten und die spätere Alterssicherung.
Zum Angebot gehören persönliche Beratungen, Seminare und Qualifizierungen. Die Koordinierungsstelle ist zudem in den Städten und Gemeinden der Region aktiv. Ein Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Frauen mit Zuwanderungsgeschichte. Kooperationen bestehen unter anderem mit Kommunen, Volkshochschulen, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter.
Zugleich richtet sich die Arbeit an Unternehmen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Überbetriebliche Verbund, dessen Geschäftsstelle bei der Koordinierungsstelle angesiedelt ist. Er wurde 1997 mit 13 Mitgliedsunternehmen gegründet und zählt inzwischen rund 30 Betriebe. Themen sind unter anderem familienfreundliche Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten, qualifizierte Mitarbeiterinnen zu gewinnen und zu halten.
Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz sieht darin angesichts des Fachkräftebedarfs eine wachsende Bedeutung. Viele Frauen verfügten über Qualifikationen und Kompetenzen, die am Arbeitsmarkt zunehmend gefragt seien. Die Koordinierungsstelle verbinde deshalb berufliche Perspektiven für Frauen mit den Anforderungen der Unternehmen. „Davon profitieren beide Seiten – und damit der gesamte Wirtschaftsstandort Region Hannover“, sagt Franz.
Auch Leiterin Ayten Berse betont die verbindende Funktion der Einrichtung. Ziel sei es, Frauen mit ihren Fähigkeiten und beruflichen Vorstellungen mit Unternehmen zusammenzubringen, die Personal suchen. Gleichzeitig gehe es darum, die Anforderungen der Betriebe aufzunehmen und Kontakte zwischen Frauen, Unternehmen und regionalen Partnern zu schaffen.
Neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewinnt nach Angaben der Koordinierungsstelle zunehmend auch die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege an Bedeutung. Die Angebote sollen deshalb weiterentwickelt werden. Vorgesehen sind weiterhin Beratungen vor Ort, digitale Formate und regionale Netzwerke. Ziel bleibt, Frauen den Zugang zu qualifikationsgerechter und existenzsichernder Beschäftigung zu erleichtern und Unternehmen bei der Fachkräftesicherung zu unterstützen.
Die Koordinierungsstelle wird mit Mitteln des Landes Niedersachsen und der Europäischen Union gefördert. Informationen zu aktuellen Angeboten stehen unter programm.frau-und-beruf-hannover.de.